HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Naturschutzpark Kellerwald am Edersee in Hessen.

Naturschutzpark Kellerwald am Edersee in Hessen. - Foto © picture-alliance / dpa

Buchtipp: ''Deutschlands Landschaften''

Mystische Orte und Landschaften in Deutschland

Deutschland magisch schön: Künstler und Touristen entdecken unsere faszinierenden Landschaften immer wieder neu.

Landschaft Sächsische Schweiz

Das Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz. - Foto © picture alliance / ZB

"Die Schweizen werden immer kleiner", schrieb vor rund 150 Jahren Theodor Fontane, und damit meinte er weder die Sächsische noch die Fränkische Schweiz, denn er wanderte ja durch sein Geburtsland Brandenburg. Und fuhr fort: "So gibt es nicht bloß mehr eine Märkische, sondern bereits auch eine Ruppiner Schweiz, der es übrigens, wenn man ein freundlich-aufmerksames Auge mitbringt, weder an Schönheit noch an unterscheidenden Zügen fehlt."


Reise-Infos

1. Tourismusverband Sächsische Schweiz e. V.
Tel. 03501/47 01 07, www.saechsischeschweiz.de

2. Füssen Tourismus
Tel. 08362/938 50, www.fuessen.de

3. Tourismusverband Niederlausitz e. V.
Tel. 03562/692 35 35, www.niederlausitz.de

4. Kellerwald Edersee
www.naturparkkellerwald-edersee.de und www.nationalpark-edersee.de

5. Lüneburger Heide GmbH
Tel. 04131/298 98 08 01, www.lueneburger-heide.de

6. Zentrum Pfälzerwald
Tel. 0631/201 61 35, www.zentrumpfaelzerwald.de


Auf den saloppen Auftakt zum Kapitel über die Ruppiner Schweiz in Fontanes "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" folgt eine detailliert-poetische Beschreibung der von Nord nach Süd nur etwa 40 Kilometer reichenden Landschaft bei Neuruppin. Ausführlich widmet der Dichter sich den vielen Seen, Buchten und Hügeln, den Dörfern, Mühlen und Wäldern, dem Licht zu verschiedenen Tageszeiten, der Historie, den Menschen, den Speisen und den eigenen überbordenden Gefühlen in der Ruppiner Schweiz. Wie gut diese Gemächlichkeit tut! Was für ein angenehmer Kontrast zum hektischen Mehr! Mehr! Schneller! Schneller! Weiter! Weiter! des modernen Tourismus.

Zurück zur Gemächlichkeit

Doch dieser moderne Tourismus, er ändert sich seit einigen Jahren. Der Trend geht weg vom Sehenswürdigkeitenabhaken, weg vom Orte- und Kilometerzählen. Hin zur Gemächlichkeit, zum genauen Hinschauen, gern im eigenen Land. Nicht umsonst feiern Deutschland-Reiseberichte – etwa von Roger Willemsen, Wolfgang Büscher, Manuel Andrack oder auch Wladimir Kaminer – Erfolge. Nicht umsonst gehören Wandern und Pilgern heute zu den liebsten Urlaubsbeschäftigungen. Und aus gutem Grund erscheinen so zauberhafte Fotobücher wie "Deutschlands Landschaften. Eine Reise zu unseren Naturparadiesen" von Berthold Steinhilber (siehe Buchtipp rechts).

Landschaft Lech Füssen

Bei Füssen stürzt der Lech zwölf Meter in die Tiefe und fließt dann durch die Lechschlucht. Ein Fernwanderweg folgt dem Fluss von der Quelle bis zum Fall. - Foto © picture alliance / Arco Images GmbH

Der Fotokünstler und -reporter arbeitet sonst für Magazine wie "Stern" oder "Geo", hier präsentiert er 200 Deutschlandbilder, angesichts deren dem Betrachter der Mund offen stehen bleibt. Vor Staunen über die Schönheit, die Vielfalt, die Einzigartigkeit der Landschaften, die Neuartigkeit der Perspektiven. Texte von Roland F. Karl bilden dazu eine charmante Begleitung.

Warum, mag man sich angesichts solcher Wunderbilder fragen, warum eigentlich reisen Deutsche über Deutschlands Grenzen hinaus? Wohl kaum, um landschaftliche Abwechslung zu erleben. Denn die Bundesrepublik ist zwar bei Weitem nicht das größte Land Europas, doch ihre Vielseitigkeit ist ohnegleichen. Von den sattgrünen Ufern der Schlei zum wüstenartigen Strand auf Amrum, von der Einsamkeit der Halligen bis zum Prunk der bayerischen Märchenschlösser, vom flachen Ostfriesland bis zu den imposanten Alpen: All diese Landschaften und noch viele mehr ergeben den Reichtum der deutschen Geografie.

Landschaft Kellerwald Edersee

Kellerwald-Edersee: Wanderpfade führen durch die Wälder am Edersee. - Foto © picture alliance / Klaus Nowottn

Beim aktuellen Trend zur Entdeckungsreise im Inland handelt es sich genau genommen um eine Rückkehr zur Heimatneugier in Zeiten Theodor Fontanes und weiter zurück. Joseph von Eichendorff verfasste 1841 das Gedicht "Bei Halle", das so beginnt: "Da steht eine Burg überm Tale / Und schaut in den Strom hinein, / Das ist die fröhliche Saale, / Das ist der Giebichenstein / Da hab ich so oft gestanden, / Es blühten Täler und Höhn, / Und seitdem in allen Landen / Sah ich nimmer die Welt so schön!" Gemeint ist die eindrucksvolle Burg Giebichenstein, die seit 1915 eine Hochschule für Kunst und Gestaltung beherbergt und bis heute die Stadt Halle ziert.

Uralte Burgen an Saale und Rhein

"'Berg' und Burgen schaun herunter / In den spiegelhellen Rhein, / Und mein Schiffchen segelt munter, / Rings umglänzt von Sonnenschein. / Ruhig seh ich zu dem Spiele / Goldner Wellen, kraus bewegt", sang Heinrich Heine in seinem 1827 veröffentlichten "Buch der Lieder".

Vor allem während der Hochzeit der Romantik erkannten, erkundeten und beschrieben Künstler die Schönheit deutscher Landschaften, und in gewisser Weise war jene Zeit mit der heutigen vergleichbar: Nachdem Dichter und Maler im 18. Jahrhundert ausgiebig ferne Länder – vor allem Italien – bereist und in ihren Werken gerühmt hatten, kamen sie auf die Idee, sich in der näheren Umgebung umzuschauen. Und nach der Erfindung des internationalen Massentourismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gefällt es heute wieder einer zunehmenden Anzahl von Menschen, ihr eigenes Land zu entdecken.

Landschaft Lüneburger Heide

Lüneburger Heide: Wunderschöne Wanderwege und Kutschfahrten führen durch das hügelige Land, das nicht nur zur Heideblüte der Seele guttut. - Foto © picture-alliance / OKAPIA KG, Ge

Sieht ganz danach aus, als könne der Mensch das Nahe erst schätzen, nachdem er die Ferne erfahren hat. "Und daß dem Netze dieser Spreekanäle / Nichts von dem Zauber von Venedig fehle", schrieb Theodor Fontane – als sei der Spreewald erst dadurch schön, dass er an Italien erinnere. Goethe rühmte schon vor seiner Italienreise die Thüringer Landschaft: "Anmutig Tal! du immergrüner Hain! / Mein Herz begrüßt euch wieder auf das beste; / Entfaltet mir die schwerbehangnen Äste / Nehmt freundlich mich in eure Schatten ein (…) / Wie kehrt ich oft mit wechselndem Geschicke, / Erhabner Berg! an deinen Fuß zurücke."

Allerdings geht es im Gedicht "Ilmenau, am 3. September 1783" mehr um den Dichter als um die besungene Landschaft. Idealisierende Betrachtungen thematisierten zunächst weder Meere noch hohe Gebirge – erstere galten vor allem als gefährliche, Schiffe und Menschen verschlingende Transportwege, letztere sah man als ähnlich riskante, unwirtliche Hindernisse. Auf den Gemälden Caspar David Friedrichs, des größten Landschaftskünstlers der deutschen Romantik, erscheinen Küste und Gebirge fast immer als melancholische, düstere oder nebelverhangene Gegenden.

Berg und Meer als bunte Gemälde

Mit zunehmender Bezähmung der Meere und Zugänglichkeit der Gebirge allerdings weitete sich die Malerei auf alle Arten von Landschaften aus. Wie selbstverständlich bannte etwa Emil Nolde seine Meereseindrücke auf Leinwand, mit bunter Freude verewigte Expressionistenkollege August Macke die Alpenlandschaft am Tegernsee. Heute kann eine Deutschlandreise noch immer abenteuerlich sein, wenn man das möchte. Sogar gefährlich kann es werden, falls erwünscht.

Eindrucksvoll gerät hingegen jede Entdeckungstour durch deutsche Landschaften, darum muss man sich nicht besonders bemühen. Sicher, das Wetter ist in Südeuropa oft sonniger als hierzulande – aber was stört uns ein grauer Himmel, wenn sich darunter wunderschönes Land ausbreitet? Und je mehr Grün, desto mehr Regen, anders geht es nun mal nicht. 74 deutsche Schweizen – also Landschaften, die als Schweiz bezeichnet werden – haben Journalisten vom "Zeit-Magazin" gezählt.

Reiste man mit Fontane’scher Gründlichkeit, so wären mehrere Jahre nötig, um sie alle zu ergründen. Wer Deutschland komplett kennenlernen wollte und jeden Tag eine Fläche von zehn Quadratkilometern erkunden würde, wäre 98 Jahre lang ununterbrochen unterwegs. Und dabei müsste er sich nicht einen Tag langweilen.

Autor: Nele-Marie Brüdgam