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Der Polarfuchs lebt in der Arktis und überlebt Temperaturen von -70 Grad Celsius
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Der Polarfuchs lebt in der Arktis und überlebt Temperaturen von -70 Grad Celsius. - Foto © picture alliance / dpa

Faszinierende Fotos

Im Bann der Arktis

Weiße Ödnis? Der deutsche Fotograf Florian Schulz bringt uns die magische Eiswelt des Nordens näher – damit wir sie lieben und schützen. In seinem Bildband "Ein Jahr in der Arktis" stellt er nun die faszinierendsten Fotos vor, in HÖRZU berichtet er von seinen Abenteuern.

Wo die Kälte wohnt, wartet das Abenteuer. Insgesamt 15 Monate lang war Florian Schulz unterwegs in den Weiten der Arktis. Der deutsche Naturfotograf tauchte unter Eisbergen, legte mehr als 4000 Kilometer mit Schneemobilen zurück, erlebte Winter, Frühling, Sommer und Herbst im Eis. Auf vielen Expeditionen begleitete ihn seine Frau, die gebürtige Mexikanerin Emil Herrera-Schulz.


Eiswelt am Polarkreis

Eiswelt Polarkreis
Karte © HÖRZU

Die Arktis umfasst nördliche Teile von Europa, Asien, Amerika sowie das Nordpolarmeer. Landflächen sind oft von Tundren und Eiswüsten bedeckt. Durch den Klimawandel weicht das Eis zurück. Im Sommer 2012 hatte es eine Ausdehnung von 3,4 Millionen Quadratkilometern – nur halb so viel wie vor 30 Jahren.


Ein leeres, weißes Nichts? Eine unfruchtbare Ödnis? Vor Jahren hörte ich, wie einige Politiker die Arktis so nannten. Das weckte in mir den Wunsch, diese unberührte Welt zu erforschen. Hier habe ich einige der dramatischsten Landschaften gesehen, das überwältigendste Licht erlebt. Ich habe mich in diesen Ort verliebt, der einst nur ein geheimnisvoller Fleck auf der Landkarte war. Dabei hat die Arktis für mich nichts von ihrer Rätselhaftigkeit eingebüßt.

Überleben im Eisschrank

Für den Winter in dieser Gegend gilt: je kälter, besto besser. Das Eis, das sich jetzt bildet, muss bis zum Sommer stabil bleiben. Bei dieser extremen Kälte zu arbeiten ist natürlich eine Herausforderung. Ich habe etwa ein Schichtsystem für Handschuhe entwickelt: als erste Lage dünne Innenhandschuhe, dann mittelstarke, darüber strapazierfähige Fäustlinge. Für Tiere, die das ganze Jahr hier leben, etwa die Moschusochsen, ist die Kälte so gewöhnlich wie die Luft, die sie atmen. Sie sind perfekt an ihre Umgebung angepasst.

Um die urtümlichen Riesen zu beobachten, kauere ich ganz dicht am Boden. Wie Sandkörner peitschen die Schneekristalle meine Haut. Als ich dort liege, frage ich mich, wovon die Tiere leben, wie sie überleben. Kein Baum ist in Sicht, kein Busch, nicht mal ein Grashalm. Die Antwort gibt der nächste Tag: Ich entdecke die Moschusochsen an einem der unangenehmsten Orte der Region, wo der Wind mit größter Wucht auf eine Bergflanke trifft. Sie scharren den dünnen Schnee beiseite, um an die darunterliegenden Flechten zu kommen. Nach jedem Tritt ihrer Hufe trägt der Wind den Schnee fort. So gelangen die Tiere an Futter und sparen dabei wertvolle Energie.

Ich habe es nicht viel leichter. Vergessen Sie Obst oder Gemüse! In der Arktis sind alle Lebensmittel tiefgefroren. Alles dreht sich ums Wasserkochen, denn so wird das Essen zubereitet. Ich habe Nahrung dabei, die in Wasser aufquillt, Reis und Hafermehl. Ansonsten esse ich, was mir meine Führer anbieten: Karibu, Robbe, Narwal, Schneegans.

Dramatischer Zwischenfall bei den Eisbären

Im kurzen arktischen Frühling steigt die Sonne jeden Tag ein Stück höher, bis sie die Nacht bald ganz vertreibt. Mit den Jungen im Schlepptau verlassen jetzt die Eisbärenweibchen das Gebiet ihrer Geburtshöhlen und patrouillieren auf Robbensuche über das dünner werdende Eis. Sie müssen den Nachwuchs nicht nur allein aufziehen, sondern auch vor hungrigen Männchen schützen. Auf Spitzbergen werde ich Zeuge eines dramatischen Zwischenfalls.

Gerade als eine Mutter am Kadaver eines toten Finnwals taucht, nähert sich ein großer männlicher Eisbär. Alarmiert vom Klagen des verzweifelten Jungtiers, schießt sie pfeilschnell aus dem Wasser und greift mit kehligem Brüllen an. Mit weit aufgerissener Schnauze entblößt sie ihre Zähne. Auch das doppelt so große Männchen steht ihr mit offenem Rachen gegenüber. Zu meiner Überraschung weicht es jedoch einen Schritt zurück und tritt dann sogar den Rückzug an. Kraftprobe gewonnen.

Wenn die Natur erwacht

Sommer in der Arktis ist eine Zeit der Fülle. Die Sonne scheint Tag und Nacht, der Ozean wird zunehmend eisfrei, das Leben explodiert geradezu. Jetzt schlüpfen auch die Küken der Schneeeulen. Sie müssen fliegen können, bevor der Herbst kommt. Mehr als 72 Stunden verbringe ich in einem Tarnunterstand, um die Vögel fotografieren zu können. Einmal schreckt mich der Alarmruf des Weibchens auf. Eine Falkenraubmöwe stößt von oben auf das Gelege herunter. Erst im letzten Moment dreht sie ab, gewinnt etwas an Höhe und nähert sich dann erneut. Die Eule wird es nicht wagen, aufzufliegen und damit ihre Küken der Gefahr auszusetzen.

Immer dreister wird die Angreiferin, da reicht es dem Eulenweibchen plötzlich. Es springt, Krallen gen Himmel, in die Luft und verfehlt den Eindringling nur knapp. Die Raubmöwe hat verstanden und fliegt davon. Immer noch muss ich an die Orte denken, zu denen mich meine Begeisterung für die Wildnis geführt hat. Vor meinem inneren Auge sehe ich das Polarlicht, das als gigantische Woge den Herbsthimmel überschwemmt. Ich sehe die Karibuherden auf ihrer Wanderung nach Norden. Und Robbenwelpen, denen ich so nahe kam, dass ich sie atmen hörte.

Die unermessliche arktische Wildnis kann uns Menschen in eine Welt versetzen, wie es sie gab, bevor wir über diesen Planeten herrschten. Allein schon deshalb verdient sie es, bewahrt zu werden.

Autor: Florian Schulz