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Dirk Steffens ueber die Kalahari

Die Feldflasche der San: Dirk Steffens lässt sich von !Xhe !Xhau Guma, einem Ange-
hörigen der San, zeigen, wie dessen Vorfahren in der Kalahari überleben konnten.
Um sich auf ihren Jadkzügen mit Wasser zu versorgen, vergruben die San wasserge-
füllten Straußeneier im Sand. - Foto: ZDF / Oliver Rötz

Exklusiv in HÖRZU

Dirk Steffens über die Kalahari

Für eine neue Folge seiner ZDF-Doku-Reihe "Faszination Erde" reiste Dirk Steffens nach Botsuana (So., 9.11., ZDF, 19.35 Uhr, s. auch TV-Tipps rechts). In HÖRZU berichtet er exklusiv von seinen Erlebnissen in einer Wunderwelt aus Wüste und Wasser.

Nach mehr als 20 Jahren auf dienstlicher Weltreise kann ich immer noch nicht sagen, wo es auf diesem Planeten am allerschönsten ist. Aber keine Frage: Das Okavango-Delta in Botsuana mitten in der Kalahari gehört zu den Top-Favoriten. Hier leben afrikanische Wildtiere in einer Dichte, wie ich sie nirgendwo anders gesehen habe. Natürlich sind die "Big Five" dabei, also Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe, Leopard. Aber auch skurrile Laufkäfer wie der Gift versprühende "Augenpisser" und Tausende andere faszinierende Tier- und Pflanzenarten, die weniger berühmt sind.

Möglich ist diese enorme Populationsdichte, weil der Okavango-Fluss mitten in der Kalahari das größte Binnendelta der Welt bildet. Wenn es im 800 Kilometer entfernten Angola regnet, schwillt der Fluss an und trägt die Wassermassen in die Wüste, die dreimal so groß ist wie Deutschland.

Ein Fluss auf Abwegen

Vor 30 Millionen Jahren hob sich die Erdkruste und schnitt dem Okavango den Weg zum Indischen Ozean ab. Seither verdunstet und versickert der Fluss in der Wüste – und speist ein weltweit einzigartiges Feuchtgebiet etwa von der Größe Schleswig-Holsteins. Ein Paradies aus Lagunen, Schilf und Palmeninseln. Doch schon nach wenigen Wochen schrumpft es unter der heißen Sonne. Dann wandelt sich das Leben seiner Bewohner dramatisch. Raubfische drängen sich in Pfützen, ein Festmahl für Seeadler. Elefanten ziehen durch den knochentrockenen Sand von Wasserloch zu Wasserloch. Dort warten schon die Löwen. Selbst die wehrhaften Flusspferde werden zu Gejagten. Alles Leben ist dem Wechsel von Flut und Dürre unterworfen.

Gefahr am Wasserloch

Wo es viel Wasser gibt, fehlen auch die Krokodile nicht. Allerdings ist ihr Bestand auf ein kritisches Niveau gesunken. Nilkrokodile ernähren sich überwiegend von Fischen, aber wenn sie älter und bis zu fünfeinhalb Meter lang werden, wächst ihr Appetit auf größere Beute. Dann wird es gefährlich für Antilopen, Giraffen und andere Tiere, die an den Flussläufen oder Wasserstellen ihren Durst löschen wollen.

Auch das Nutzvieh der Farmer wird nicht verschont, was immer wieder als Rechtfertigung für den Abschuss von Krokodilen angeführt wird. Manchmal ist diese Jagd verständlich, denn in den letzten acht Jahren wurden in der Okavango-Region zehn Angriffe auf Menschen registriert. Sieben davon endeten tödlich. Das macht es dem Krokodilforscher Sven Bourquin nicht einfacher, für den Schutz der Tiere zu werben. Seit elf Jahren erforscht er die Krokodile im Delta und hat festgestellt, dass im sogenannten Pfannenstiel, dem Zuflussgebiet des Naturwunders, nur noch etwa 360 brütende Weibchen leben – zu wenig, um den Bestand zu sichern, meint der Biologe und warnt: "Wenn die Krokodile verschwinden, verschwinden auch die Fische, eine wichtige Nahrungsquelle der Bevölkerung." Denn die Echsen fressen gern Welse, und die wiederum sind der größte Feind für andere Fischarten. Das sensible Zusammenspiel der Arten könnte ins Wanken geraten.

Im Bann der Krokodile

Ich durfte Sven bei einer nächtlichen Fahrt auf den Kanälen des Deltas begleiten. Mit einem Suchscheinwerfer leuchtet er umher, bis an der Wasseroberfläche eine grünliche Reflexion verrät: Hier lauert ein Krokodil auf Beute! In Schleichfahrt nähern wir uns. Ich blende es, sodass es nicht abtaucht, und dann schiebt Sven mit einem Fangstab die Schlinge um den Hals des Tieres. In diesem Moment erwacht es aus der Starre, peitscht mit dem Schwanz das Wasser auf und zieht unser Boot in eine bedenkliche Schieflage. Gleichzeitig attackiert ein weiteres Krokodil unseren Außenbordmotor, und durch meinen Kopf zuckt die albtraumhafte Vorstellung, dass wir gleich kentern. Zum Glück haben die Echsen eine miese Kondition – schnell ist das Tier erschöpft. Wir können den Vier-Meter-Koloss an Bord wuchten, untersuchen, und Sven schneidet einige der Hornplatten am Schwanz ab. Dieses individuelle Muster macht es Forschern später möglich, das Tier zu identifizieren und beispielsweise festzustellen, wie schnell es gewachsen oder wie groß sein Jagdrevier ist.

Auf mich warten noch weitere Abenteuer in der Kalahari: Mit Jägern vom Volk der San suche ich Wasser in der Wüste. Erkunde, wie Flusspferde und Termiten die Landschaft verändern. Streife durch die Tsodilo Hills, eine der ältesten Kultstätten der Menschheit, wo 4500 Felszeichnungen von der langen Geschichte der Menschen in der Kalahari erzählen. Ich war schon oft in dieser Gegend, im südlichen Afrika, in Botsuana, im Okavango-Delta – und bin jedesmal so fasziniert, dass ich bestimmt noch häufig zurückkehren werde. Ob ich dann wieder auf Krokodiljagd gehe, muss ich mir allerdings überlegen. Vielleicht kentert das Boot ja doch irgendwann?

Autor: Dirk Streffens