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Dirk Steffens bereist für neue Folgen Faszination Erde (ZDF) Australien.
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ZDF-Moderator Dirk Steffens bereist für neue Folgen "Faszination Erde" (ZDF) Australien. Foto: © ZDF/Oliver Roetz

Neue Folgen "Faszination Erde" (ZDF)

Dirk Steffens' Expedition nach Australien

Vier Kontinente, vier Abenteuer! Für neue Folgen von "Faszination Erde" (siehe TV-Tipp rechts) hat Dirk Steffens die aufregendsten Plätze dieser Welt bereist. Exklusiv in HÖRZU berichtet er von seiner Expedition nach Australien:

Die Expedition beginnt in Tasmanien

Der Teufel kann einem leidtun. Okay, zugegeben, er hat Mundgeruch, eine schrille Stimme, große Zähne und einen Hang zur Brutalität. Aber in seiner Erscheinungsform als "Peewee" (sprich: Piwi, engl. für "Kleine") finde ich ihn trotzdem tierisch liebenswert. Peewees Fell glänzt kohlenschwarz, das Maul ist riesig im Verhältnis zum Körper. Aber wenn sie mit ihren Kiefern mühelos den Oberschenkelknochen eines Rindes knackt, ihre Jungen dann selbstlos am Mark lecken lässt und dabei vor lauter Freude den beißenden Gestank eines Stinktiers verbreitet – das ist schon putzig. Und erfreulich! Denn so etwas sieht man nicht mehr oft: Peewee und ihr Nachwuchs sind die Letzten ihrer Art.

Tasmanische Teufel sind akut vom Aussterben bedroht. Wie immer spielen Jagd, Umweltverschmutzung und die Zerstörung natürlicher Lebensräume auf Tasmanien, der Insel im Süden Australiens, eine Rolle. Aber für diese Art ist alles noch schlimmer, denn die Raubtiere, deren Statur an kleine Kampfhunde erinnert, werden von einer teuflischen Krankheit dahingerafft: Krebs. Kein Wissenschaftler hat bisher ein Mittel dagegen gefunden. Ein Albtraum!

Am nächsten Tag stechen wir mit einem altmodischen Segelschiff von Tasmaniens Hauptstadt Hobart aus in See. Ein ganz ähnlicher Segler nahm 1789 Kurs auf die damals noch junge Kolonie Australien. Allerdings ging bei der Ankunft in Port Jackson kein ZDF-Fernsehteam von Bord, sondern eine Ladung "leichte Mädchen". Kein Witz: Das britische Empire schickte ein "Bordellschiff", um die strauchelnde Kolonie zu unterstützen. Und das kam so: Die ersten Siedler, oft deportierte Häftlinge, hatten mit dem Klima, kargen Böden, Krankheiten, giftigen Tieren und noch zahlreichen anderen Kalamitäten zu kämpfen. Die Stimmung war schlecht.

Doch irgendein heller Kopf in der Kolonialverwaltung kam auf die Idee mit den Freudenmädchen und Gaunerinnen. Der Plan ging auf. Aus SiedlerFrust wurde SiedlerLust – von da an florierte und wuchs die Kolonie. Die Zukunft Australiens hatte begonnen, unter tatkräftiger Mithilfe von 222 Frauen mit zweifelhafter Vergangenheit.

Die giftigsten Tiere der Welt

Wieder zurück auf dem kontinentalen Festland begegne ich einem furchteinflößenden Geschöpf: einem Taipan. Er hat den Ruf, die gefährlichste Schlange der Welt zu sein. Denn sein Gift ist nicht nur extrem wirksam, er injiziert auch eine Menge davon – pro Biss bis zu 120 Milligramm (Trockengewicht!). So viel wie kaum eine andere Schlange. Taipane sind außerdem verdammt schnell. Deshalb werfe ich beim Moderieren mehr als ein Auge auf das Reptil, denn wenn sich so ein Taipan nur anderthalb Meter entfernt vorbeischlängelt, gefriert mir das Blut in den Adern. Aber da muss ich durch.

Auf der Weltrangliste der tierischen Giftmischer stehen die Australier ganz weit oben. Warum verabreichen ausgerechnet hier so viele Arten ihren Feinden tödliche Cocktails? Die Antwort ist so komplex wie das Leben, aber ein Faktor spielt eine besondere Rolle: Australien ist sehr groß, viele Regionen auch trocken, die Böden sind arm an Nährstoffen. Es gibt nicht viel Beute zu machen. Wer hier erfolgreich jagen will, muss mit einem Schlag, mit einem Biss töten können. Zu viele Fehlschläge bedeuten das eigene Ende.

Australiens Kängurus

Mein Job beschert mir immer wieder Momente, die unbezahlbar sind. Gerade jetzt wieder: Ich sitze im roten Abendlicht im Outback, nur eine Autostunde entfernt von Alice Springs. In der rechten Hand halte ich eine Nuckelflasche, im linken Arm schmatzt zufrieden ein kleiner "Joey", ein Kängurubaby. Joeys sind Rote Riesenkängurus. Bei meinem Kleinen ist das bislang noch nicht zu sehen. Im Moment erreicht er keine 50 Zentimeter und saugt an der Flasche, als ob er wüsste, dass er mit etwas Glück in einigen Jahren ein Zwei-Meter-Kerl mit 90 Kilogramm Lebendgewicht sein kann.

Vor wenigen Wochen erst ist er aus dem Beutel der Mutter gekugelt. Bei einem Verkehrsunfall. Tausende Kängurus sterben pro Jahr auf Australiens Straßen. Einigen Schätzungen zufolge sind es sogar Zehntausende. Da die Weibchen fast immer Nachwuchs mit sich tragen, passiert es nicht so selten, dass ein verwaistes Tier am Straßenrand umherhoppelt. Einige haben Glück und landen in einer Aufzuchtstation wie jener, die wir gerade besuchen.

Kamele im Outback

Auch die Kamele verdanken den weißen Siedlern Australiens eine Menge. Kamele? Ja, genau: Kamele! Im 19. Jahrhundert waren sie eingeführt worden, um den Menschen in der Weite des Outbacks als Reit- und Lasttiere zu dienen. Hat auch wunderbar geklappt. Aber irgendwann wurden Eisenbahnen und Straßen gebaut, das hat die Kamele arbeitslos gemacht. Sie wurden einfach freigelassen, aber statt zu verenden, haben sich die zähen Höckertiere im Outback durchgebissen und sich von Sträuchern und knochentrockenem Gras ernährt. Inzwischen gibt es Down Under etwa eine Million wilde Kamele.

Als ich auf einer Farm beim Verladen der störrischen Viecher mithelfe, erzählt mir Farmer Jeff, dass die Australier nun tatsächlich versuchen, Kamele zu exportieren. Nach Saudi-Arabien!

Der Lake Eyre

Einen ganzen Monat lang reisen wir noch durch Australien, schürfen in den gigantischen Outback-Minen nach Gold, folgen den Spuren von Aborigines – und dann entdecken wir auch noch Wasser in der Wüste. Oder zumindest ein Boot. Alle paar Jahrzehnte fällt auch hier reichlich Regen. Gerade war es mal wieder so weit. Der Lake Eyre liegt 15 Meter unter dem Meeresspiegel und ist der tiefste Punkt Australiens. Deshalb sammelt sich hier, wenn es welches gibt, das ganze Wasser.

Leider hatten wir keine Zeit zu bleiben. Ich hätte zu gern einen Segeltörn mit den Leuten vom Lake Eyre Yacht Club unternommen. Den gibt es wirklich. Zwar können die Vereinsmitglieder nur alle paar Jahrzehnte gemeinsam in See stechen – aber so sind sie halt, die Aussies: ein bisschen schräg und irre sympathisch.

Autor: Dirk Steffens