HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Westerheversand

Der Leuchtturm Westerheversand - Foto © www.piqs.de / blitzknips, CC (Some rights are reserved.)

Spektakuläre Doku

Die schönsten Küsten Deutschlands

Dort, wo sich Land und Meer berühren, erwartet uns rauschende Schönheit. In Deutschland wird sie geprägt durch zwei ungleiche Schwestern. Die eine rau und unstet, die andere sanft und mild: die Nord- und die Ostsee. An ihren Säumen liegen einzigartige Landstriche, die selbst die Bewohner der Küstenregionen immer neu in ihren Bann ziehen. Da gibt es Wattenmeer und Boddenlandschaft, Marschen und Deiche, feinen Strand und schroffe Klippen. Besonders faszinierend ist, das alles aus der Luft zu betrachten, wie es eine zehnteilige Arte-Doku jetzt tut (siehe TV-Tipp). "So hat man Deutschlands Küsten noch nie gesehen", sagt Wilfried Hauke, einer der beiden Regisseure.

Er hat nicht nur umfangreiche Aufnahmen am Boden gemacht, sondern erstmals auch unsere gesamte Küstenlandschaft inklusive der Inseln und Halligen mit einer hochmodernen Cineflex-HD-Kamera aus der Vogelperspektive eingefangen. "Die Kamera ist in einer Kapsel außen am Helikopter befestigt und um 360 Grad schwenkbar", erklärt der Regisseur. "Die Aufnahmen sind völlig wackelfrei, auch wenn man mit dem Teleobjektiv Tiere nah heranholt." So bekommt der Zuschauer fast den Eindruck, er schwebe ganz sanft direkt über die Köpfe der Seehunde auf den Ruhebänken zwischen Sylt und Amrum hinweg. Und das, obwohl der Helikopter mindestens 300 Meter entfernt war und die Tiere ihn überhaupt nicht wahrnahmen. So viel Abstand ist Vorschrift: Strenge Bestimmungen sichern das ungestörte Leben der Tiere an den Küsten.

Was das Watt alles bietet
Als größte Wattlandschaft der Erde steht das Wattenmeer an der Nordseeküste unter besonderem Schutz, denn rund 9700 Quadratkilometer des Areals gehören seit letztem Jahr zum Weltnaturerbe. Damit spielt diese Landschaft in einer Liga mit dem Grand Canyon, der Serengeti oder dem Great Barrier Reef. Durch den Wechsel von Ebbe und Flut fällt an der Nordsee zweimal am Tag der Meeresboden trocken und bietet vielen Tieren wie etwa Wattwürmern, Wattschnecken oder Schlickkrebsen einen besonderen Lebensraum. Bis zu 100.000 Kleintiere leben in einem Kubikmeter Watt – und die sind Nahrungsgrundlage für eine außergewöhnlich artenreiche Vogelwelt: Neben vielen Brutvögeln bevölkern auch rund 10 Millionen Zugvögel das Wattenmeer. Dazu gehören der Knutt, die Ringelgans oder die Brandgans.

Für sie ist das Gebiet wichtiger Landeplatz auf dem Vogelzug, sie füllen hier ihre Fettdepots auf oder wechseln ihr Federkleid. Auch Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale sind an unseren Küsten zu Hause, bringen auf den vorgelagerten Sandbänken der Nordsee ihren Nachwuchs zur Welt. Zum Erhalt dieser Flora und Fauna existieren in Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein spezielle Nationalparks. Auch an der Ostsee gibt es diese geschützten Areale, zum Beispiel die Vorpommersche Boddenlandschaft im Bereich der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Anders als in der Nordsee bestimmen hier nicht die Gezeiten die Landschaft, sondern das Windwatt. Gemeint ist das Schauspiel in den flachen Bodden, also den durch Landzungen abgetrennten Küstengewässern: Bei starkem Wind kann hier das Wasser in die Ostsee gedrückt werden, sodass die Gebiete trocken fallen und allerlei Kleintiere ans Licht bringen. Darum kommen im Frühling und Herbst die Kraniche so gern hierher.

Entstanden ist die vergleichsweise junge Ostsee vor etwa 12.000 Jahren am Ende der letzten Eiszeit nach dem Abschmelzen der Gletscher. Durch jahrelange Landhebungs- und Landsenkungsbewegungen vor allem in Skandinavien überflutete das entstandene Meer die südlicheren Landstriche und schuf neben der Boddenlandschaft zwei weitere deutsche Küstenformen: Aus ehemaligen Gletschertälern wurden Fördenküsten mit tiefen, langgestreckten Buchten wie an der Kieler Förde, daneben gibt es Buchtenküsten mit flachen "Einbiegungen" wie in der Lübecker Bucht. Auf Rügen hat sich außerdem eine Kliffküste gebildet, bekannt durch ihre Kreidefelsen.

Wie die Inseln entstanden
Während es Rügen durch zahlreiche Ablagerungen von Kalkschalen kleinster Organismen schon vor Entstehung der Ostsee gab, wurden die Inseln und Halligen der Nordsee erst durch das Meer erschaffen. So entstanden die Ostfriesischen Inseln an den Brandungskanten, an denen sich immer wieder Sedimente absetzten. Es sammelten sich Sandplatten an, auf denen Pflanzen siedelten – die Inseln wuchsen. Obwohl sie heute befestigt sind, bewegen sich viele von ihnen nach wie vor: Wangerooge etwa verschob sich in den letzten 300 Jahren einmal um seine gesamte Länge nach Osten. Die Nordfriesischen Inseln und die Halligen hingegen wurden durch Sturmfluten vom restlichen Land getrennt. So sind sie eben, die raue Nordsee und die sanfte Ostsee. Zwei ungleiche Schwestern – aber beide mit unglaublichem Charme.

Deutschlands wichtigste Inseln und Küstenlandschaften im Überblick

1. Wangerooge - Ostfriesische Inseln
Die östlichste der sieben bewohnten Ostfriesischen Inseln lockt mit Stille: Wangerooge ist autofrei, eine Schmalspurbahn transportiert Personen und Güter. Die rund fünf Quadratkilometer kleine Insel ist ideal für Spazierengehen und Wattwandern.
Ausflugstipps: Alter Leuchtturm (Heimatmuseum) und Neuer Leuchtturm, Aussichtsdüne (17 Meter hoch), Parkanlage Rosengarten. Der Westturm, Wahrzeichen der Insel, ist eine beliebte Jugendherberge, die unterdessen erweitert wurde.

2. Boddenlandschaft - Fischland-Darß-Zingst
Strand, Wälder und Wiesenlandschaften prägen die abwechslungsreiche Boddenküste. 36 Wanderwege führen durch den Darßer Urwald, bei Spaziergängen in der Umgebung entdeckt man romantische Gutshäuser, reetgedeckte Fischerhäuser und auf dem Wasser auch traditionelle Zeesboote, genutzt als Familiensegler.
Ausflugstipps: der Kunstkaten Ahrenshoop, das Deutsche Bernstein-Museum in Ribnitz-Damgarten und der Kranichrastplatz Pramort.

3. Halbinsel Eiderstedt - Nordfriesland
Eiderstedt wird geschützt durch einen breiten Grasdeich, auf dem zahlreiche Schafe weiden. Nur Kirchen und Bauernhöfe ragen aus der flachen Marschlandschaft empor – und natürlich der Leuchtturm Westerheversand.
Ausflugstipps: das Multimar-Wattforum und der Hafen in Tönning, die berühmten Stelzenbauten von St.-Peter-Ording.

4. Wattenmeer - Nationalpark Schleswig-Holstein
Mit 4410 Quadratkilometern ist dies der größte Nationalpark Deutschlands. Hier kann man die Tiere und Pflanzen der Salzwiesen, der Priele und des Watts entdecken. Im Cuxhavener Ortsteil Duhnen findet jährlich das Duhner Wattrennen statt: Im August treten 150 Pferdesportler quasi zu einem "Rennen auf dem Meeresgrund" an.
Ausflugstipps: Safari auf Nordfriesisch – eine Tour zu den "Big Five" Seehund, Schweinswal, Kegelrobbe, Seeadler und Stör.

5. Fehmarn - Schleswig-Holstein
Windsurfen, Fliegenfischen, Klettern im Hochseilgarten – Deutschlands "Sonneninsel" bietet unendlich viele Möglichkeiten für Spiel und Sport. Wer eher das traditionelle, ruhige Fehmarn sucht, sollte die Landspitze Staberhuk mit dem alten Leuchtturm der Südostküste besuchen. Auch Angler kommen gern hierher.
Ausflugstipps: Stadtbummel in Burg, Besuch im Meereszentrum Fehmarn.

6. Rügen - Mecklenburg-Vorpommern
Deutschlands größte Insel ist bekannt für ihre weiß leuchtenden Kreidefelsen, die im Nationalpark Jasmund steil ins Meer abfallen. Rund um Rügen gibt es eine Vielzahl attraktiver Inseln und Halbinseln wie zum Beispiel Wittow – hier ist das malerische Kap Arkona zu finden.
Ausflugstipps: Wandern um den Kreidefelsen Königsstuhl, Jagdschloss Granitz, Fahrt zum Kap Arkona, Besuch der Insel Hiddensee.

Autor: Melanie Schirmann - Foto Flashbühne © www.piqs.de / Braunauge, CC (Some rights are reserved.)