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Eine kleine Insel in der Muri Lagune

Eine kleine Insel in der Muri Lagune / Foto: © picture alliance / Arco Images GmbH

Rettung für ein Paradies

Die Cookinseln im Südpazifik

Der Junge will gar nicht mehr aus dem Wasser. Mit seinem dunklen Lockenkopf taucht er immer wieder unter, kommt nach einer gefühlten Minute kurz hoch, pustet Wasser aus dem Schnorchel und ist schon wieder verschwunden, hinab ins handwarme, azurblaue Nass der Südsee. Magische Ferientage in den 70ern – Kevin Iro erinnert sich noch heute gut daran: "Damals verliebte ich mich in die kristallklaren Lagunen und die fantastischen Strände der Cookinseln. Die Lagunen waren voller Leben: überall bunte Fische!" Mit seinen Eltern flog Iro in den Schulferien auf die Cookinseln, um dort Verwandte zu besuchen.

Für Neuseeländer ist der Trip nach Ozeanien wie für uns der Flug auf die Kanaren. Die Hauptinsel Rarotonga liegt 3000 Kilometer nördlich von Auckland. Aus dem wasserverrückten Kevin wurde ein gefeierter Rugby-Spieler, der besonders in großen Finalspielen Nervenstärke bewies und sich so den Beinamen "The Beast" verdiente. Heute kämpft "das Biest" nicht mehr auf dem Rasen, sondern für den Ozean.

"Nach dem Ende meiner 14-jährigen Karriere zogen meine Frau und ich auf die Cookinseln – in ihre Heimat", sagt der 44-Jährige. "Wir konnten uns keinen besseren Platz vorstellen, um sechs Kinder großzuziehen." Die Familie bezog ein Haus an der palmengesäumten Westküste von Rarotonga, wo die Mehrheit der gerade mal 18.000 Einwohner der Cooks lebt.

Iro merkte damals sofort, dass sich viel verändert hatte: "Die Fischschwärme waren geschrumpft, die Korallen farbloser als einst." Hauptursachen für den Wandel: Klimaveränderungen, Küstenentwicklung und Überfischung. Große Flotten aus China, Taiwan und Japan jagen im Südpazifik nach den weltgrößten Thunfischvorkommen. Haie werden abgeschlachtet. Ihre Flossen landen in der gleichnamigen Suppe. Auch Rochen sind begehrt: Ihnen wird in China große Heilkraft nachgesagt.

Mantarochen

Rochen: in Asien begehrte Delikatesse und Medizin / Foto: © picture alliance

Iro, heute Mitglied der Tourismusbehörde der Cooks, beklagt: "Wenn wir unseren Kindern unberührte Riffe zeigen wollen, müssen wir zu den äußeren Inseln fahren." Und das sind weite Wege: Die nach Kapitän Cook benannten 15 Atolle und Vulkaninseln liegen bis zu 1340 Kilometer voneinander entfernt. 100.000 Touristen zieht das sagenumwobene Archipel jährlich an, das für viele nach wie vor ein einzigartiges Paradies darstellt: Die Gewässer der Cooks sind noch Heimat oder Anlaufpunkt für seltene Meerestiere wie Buckelwale, Kokosnusskrabben, Schildkröten, rund 600 Arten Riff- und Hochseefische sowie die Echten Seeperlmuscheln, die die berühmten schwarzen Südseeperlen bilden.

Um diesen Schatz zu bewahren, entwickelte Kevin Iro in Gesprächen mit Freunden die Vision eines Marineparks. Er redete mit Fischern, Hoteliers, Behörden und Vertretern der Maori, der ursprünglichen Bevölkerung, und stieß auf Wohlwollen. Die Idee einer Schutzzone knüpft an eine jahrhundertealte Tradition der Cookinseln an: das "Raui"-System. Demnach werden Regionen, in denen etwa Muschel- oder Fischbestände zurückgegangen sind, für bestimmte Zeit mit einem Fangverbot ("rau‘i") belegt.

Größter Marinepark der Welt

Nach einem Regierungswechsel 2010 bekam Iros Initiative mehr Schwung. Der neue Premierminister, ein Perlenzüchter, war begeistert und verkündete im August 2012 die Einrichtung des größten Meeresparks der Welt. Der Cook Islands Marine Park ist mit 1,065 Millionen Quadratkilometern zweimal so groß wie Spanien und umfasst den südlichen Archipel des Inselstaates inklusive der Touristenmagnete Rarotonga und Aitutaki, also über die Hälfte des Hoheitsgebiets der Cooks.

"Es ging erstaunlich schnell, vermutlich wegen der engen Bindung der Bewohner zum Meer", so Iro. Bleibt die Frage, wie die winzige Nation, die Entwicklungshilfe bezieht, ein solches Megaprojekt stemmen will. Immerhin stehen die Cooks nicht alleine: Auch andere Ozeanier ziehen mit. Die unabhängige Naturschutzorganisation "Conservation International", die von den USA aus operiert, hat mit 15 Inselstaaten die "Pacific Oceanscape" gegründet. In dieser Zone – so groß wie die Oberfläche des Mondes – wollen sich die Unterzeichner für nachhaltige Nutzung und Naturschutz einsetzen. Auch Kiribati, ein Nachbar der Cooks, hat einen Park eingerichtet. Neukaledonien will nachziehen.

Korallenriff im Pazifik

Ein Korallenriff im Pazifik / Foto: © picture alliance/chromorange

Für solche Riesenprojekte brauchen die Pazifikstaaten Unterstützung, die bisher vor allem aus den USA kommt. Mit ihrer Hilfe wurde etwa ein Überwachungssystem entwickelt, das per Satellit den Kurs internationaler Fischereischiffe überwachen soll. Derweil laufen auf den Cooks die Planungen für den Park: Einige Teile sollen streng geschützt, andere für nachhaltigen Fischfang oder sanften Tourismus geöffnet werden. Iros Hoffnung: "Dass sich die Idee weiter durchsetzt – im ganzen Pazifik."


Sendehinweis: ''Angriff auf das Paradies''

Wie der Klimawandel Mikronesien bedroht
MI, 6.3., 3sat, 17.15 Uhr

Autor: Dagmar Weychardt