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Schloss Neuschwanstein im Allgäu
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Märchenhaft: Schloss Neuschwanstein im Allgäu aus der Vogelperspektive. - Foto © ZDF / Peter Thompson ; colourFIELD

Doku-Reihe "Terra X"

Deutschland von oben

Manche Wunder sieht man nur von oben. Wenn tiefblaue Seen wie Puzzleteilchen im üppigen Grün liegen oder die Straßen der Städte verblüffende Muster bilden, zeigt sich die Heimat völlig neu.

Diesen Höhenrausch verschafft uns jetzt die ZDF-Reihe "Deutschland von oben 2" (siehe Bilderstrecke unten).

Gleichzeitig bittet ein neues Buch des Luftbildfotografen Gerhard Launer (siehe Buchtipp rechts) zur Himmelsreise durch alle 16 Bundesländer. "Diese Perspektive eröffnet völlig neue Ansichten und Einsichten", schwärmt der Profi-Pilot. 350.000 Aufnahmen von Orten, Landschaften und Sehenswürdigkeiten umfasst sein Archiv, das Deutschlands ganze Schönheit zeigt. Rund 500 Flugstunden pro Jahr legt er in seinen zwei Cessnas zurück, um mit seinen Bildern die Leser zu verzaubern (siehe die neue HÖRZU, Heft 19, ab dem 06.05.2011 im Handel).

Deutschland von oben ist unglaublich grün

Wer etwa vom Strand aufs Wattenmeer schaut, sieht nur eine Schlickwüste. Aus der Sicht der Seevögel jedoch erkennt man das wahre Mosaik aus kleinen Rinnen und Prielen, aus Rippen und Sand. Die Bilder zeigen die Welt von schräg oben. "So entsteht ein fast dreidimensionaler Eindruck", erklärt Launer. Als würden wir auf einem hohen Berg stehen und von dort das Land betrachten. Erst aus dieser Perspektive spürt man, wie grün Deutschland wirklich ist. Wälder bedecken insgesamt 107.000 Quadratkilometer – fast ein Drittel der Gesamtfläche. Beton statt Bäume? Von wegen! In den letzten vier Jahrzehnten wuchs die Waldfläche sogar um zehn Prozent, allein zwischen 1992 und 2008 waren es durchschnittlich 176 Quadratkilometer pro Jahr. Oft reichen die dunkelgrünen Paradiese bis zum Horizont, überziehen sanfte Hügel, ragen über steile Schluchten, schließen einsame Seen ein.

Fichten (28 Prozent) und Kiefern (24 Prozent) haben inzwischen die Buchen (15 Prozent) verdrängt, die ohne das Eingreifen des Menschen ganz Deutschland prägen würden. Ein paar Bäume reichen übrigens nicht, um ein Wald zu sein. Erst wenn sie so dicht und zahlreich stehen, dass sich das Innenklima ändert, spricht der Fachmann von Wald. Das Licht ist schwächer, die Luftfeuchtigkeit höher, die Temperatur ausgeglichener. Wer Deutschland aus der Luft betrachtet, bemerkt auch die unglaubliche Vielfalt. In Schleswig-Holstein fliegt man über weite Felder und grüne Ebenen, weil dort nur zehn Prozent bewaldet sind. Dafür sind es in Hessen gleich 42 Prozent!

Deutschland bietet viele reizvolle Wasserläufe

Der Wechsel von Wald, offener Landschaft, kleineren Ortschaften der Rhein-Main-Ebene, von der Weltstadt Frankfurt bis zur 950 Meter hohen Wasserkuppe in der Rhön ist hier auf vergleichsweise engem Raum erlebbar. Der landschaftliche Reiz zeigt sich besonders in den Wasserläufen. Folgt man aus der Luft dem verschlungenen Rhein, erlebt man eine 865 Kilometer lange Reise an Weinhängen und Schlössern vorbei, an Gebirgszügen und Millionenstädten wie Köln.

Die Elbe etwa schlängelt sich 725 Kilometer durch Deutschland. 108 Kilometer vor der Einmündung in die Nordsee erreicht sie Hamburg. Von oben erkennt man nicht nur den Hafen, sondern auch die Faszination der zahlreichen Flüsschen und Fleete. Über 2500 Brücken prägen das Bild der Hansestadt. In Venedig gibt es gerade mal 400. Das Prädikat "wahrer Heimatfluss" gebührt trotzdem dem Main. Er ist zwar nur 524 Kilometer lang, bleibt aber von den Quellen bis zum Rheinzufluss im Land.

Wie gigantische Spiegel glitzern Tausende Wasserflächen in der Sonne. Simssee, Grimnitzsee, Parsteiner See, Selenter See, Plauer See – 37 natürliche Gewässer sind sogar größer als sechs Quadratkilometer. Dazu kommen malerische Stauseen wie der saarländische Bostalsee. Dass der Bodensee mit insgesamt 535,9 Quadratkilometern als absoluter Spitzenreiter gilt, überrascht nicht. Doch wer kennt den Forggensee? Imposant liegt er zu Füßen der Allgäuer Alpen, langgestreckt, bis zu 60 Meter tief und von einem fast karibischen Blau. Perfekt scheint er sich in das eiszeitliche Becken bei Füssen einzupassen. Aus der Luft jedoch erkennt man die Staumauern: Erst 1954 wurde der 15,3 Quadratkilometer große Forggensee "geboren" – Deutschlands Stausee mit der größten Wasserfläche.

Deutschlands vielseitigen Städte

Die Schachbrett-Architektur von Mannheim, Lübecks mittelalterlichen Mauerring, die archäologischen Überreste von Manching, einer der ältesten deutschen Siedlungen – all das erkennt man erst richtig von oben. Auch den wahren Charakter der Ortschaften lernt man aus dieser Perspektive kennen. Berlin mit seinen 3,4 Millionen Einwohnern ist nicht nur die größte und flächenreichste Großstadt Deutschlands, sondern nach München die am dichtesten besiedelte. "Ich durfte Berlin vor der Wende aus der Luft fotografieren. Und das habe ich dann noch einmal nach der Wende getan", sagt Gerhard Launer. "Berlin hat sich unglaublich verändert. Das ist es, was mich fasziniert."

Ein völlig anderes Bild gibt eine andere deutsche Rekordgroßstadt ab: Im niedersächsischen Salzgitter leben nur 462 Einwohner pro Quadratkilometer – München ist zehnmal dichter besiedelt. Was man gut auf Luftbildern sieht, hat einen überaus simplen Grund: Salzgitter wuchs erst in den 1940er-Jahren durch zahlreiche Eingemeindungen zu dem, was es heute ist. Eine industrielle Retortenstadt ohne gewachsene Mitte, aber überraschend viel Feldern und Grün. Und immer wieder entdeckt man Unerwartetes. "Aus der Luft ist mir erstmals aufgefallen, dass Wasserburg am Inn einen fast südländischen Charakter hat", sagt der Fotograf Gerhard Launer. Schmale Häuserfassaden in Grün, Blau, Gelb, Rot, dicht an dicht. "Hätte man mir lediglich ein Foto vorgelegt, hätte ich die Stadt glatt nach Italien verlegt."

Nur eines lässt sich auf Luftbildern schlechter erkennen: Wie schön gerade das Wetter ist. Wer etwa im Juni durch Deutschland reist, erlebt Freiburg im Breisgau als Wärmeparadies mit 17,7 Grad Celsius mittlerer Lufttemperatur – 3,5 Grad wärmer als in List auf Sylt. Kleiner Trost: Dort regnet es dafür nicht mal halb so viel.

Autor: Kai Riedemann