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Eine japanische Zierkirsche in voller Blütenpracht

Eine japanische Zierkirsche in voller Blütenpracht / Foto: © dpa - Report

Plus: Gartenmöbel aus Rattan

Altes Land bei Hamburg: Jetzt blühen die Gehölze

Sie wollen alle nur das eine: sich vermehren. Was für Tiere gilt, ist auch das Naturgesetz der Pflanzen. Eine Blüte ist streng genommen nur das hübsche Beiwerk für die winzigen Fortpflanzungsorgane. Die süße Pracht drum herum ist das Lockmittel für Bienen und Hummeln, die als Liebesboten bestäubende Pollen bringen und mitnehmen sollen.

Aber wer denkt schon an derlei profane Tauschgeschäfte, wenn im April die Japanische Blütenkirsche ihren seidigen Zauber entfaltet? In Japan hat die Wertschätzung und Bewunderung für diese herrlichen Gewächse sogar nationale Bedeutung.

Das ganze Land fiebert jenem Fest entgegen, das als "Hanami" (Blütensehen) gefeiert wird. Dabei wählen längst nicht alle Bäume den riskanten Umweg über Insekten als Vermittler. Nadelbäume, Buchen, Erlen oder andere Waldbäume lassen ihre Pollen vom Wind forttragen und hoffen ihrerseits auf eine Schwade Pollen vom Nachbarn. Wächst ein Baum allerdings eher am Waldrand oder vereinzelt, ist er für den Erhalt seiner Art auf Insekten als Transporteure angewiesen.


Rattan Gartenmöbel: die richtige Pflege und Kauftipps

Rattanmöbel erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Für die Flechtmöbel werden die Stämme von Rattanpalmen verwendet, die hauptsächlich aus Indonesien stammen. Tatsächlich eignen sich Rattanmöbel eigentlich nur für den Innenbereich oder den Wintergarten, nicht für draußen. Trotzdem nutzen viele Gartenbesitzer ihre Rattanmöbel auch auf der Terrasse. Dort setzen Regen, Luftfeuchte und UV-Strahlung der Naturfaser zu, die brüchig werden oder im Extremfall sogar graue Stockflecken aufweisen kann.

Wirklich wetterfest sind hingegen Gartenmöbel aus Polyrattan, einem Kunststoffgeflecht, das seine Farbe und Elastizität beibehält und zur Pflege einfach mit einem feuchten Lappen abgewischt wird.

Obwohl Rattanmöbel sich also nur bedingt für den Garten eignen, können Liebhaber dieser Korbflechtmöbel sich mit der richrtigen Pflege lange an ihren Gartenmöbeln erfreuen. Hin und wieder sollten die Rattan-Gartenmöbel mit möglichst wenig Wasser und etwas Seifenlauge gereinigt werden.

Rattanmöbel, die nur gelegentlich ins Freie gebracht werden, sollten einmal pro Jahr mit einem Rattan-Pflegeöl eingerieben werden, das vor Stockflecken schützt und ein Auslaugen verhindert. Achtung: Das Rattanöl kann nur in gebeizte Rattanmöbel einziehen. Lackierte Möbel müssen - ebenso wie Rattanmöbel, die den ganzen Sommer im Garten stehen - mit einem speziellen Rattan-Lack (erhältlich in verschiedenen Farbtönen und als Klarlack) geschützt werden.


Foto: © picture alliance/Arcaid


Die Magnolie ist die Königin der Gehölze

Deshalb rüschen sich einige Gehölze wie etwa Magnolien, Obstbäume, Goldregen, Felsenbirnen, Kastanien oder Judasbäume im Frühjahr mit Hunderttausenden Blüten auf und hüllen sich für eine Woche oder länger in ein herrlich duftendes Farbkleid.

Die Magnolie gilt dabei als die Königin der Gehölze. Allein mit der Größe ihrer Blüte übertrumpft sie alle anderen. In ihrem Ursprungsland China waren Magnolien heilige Tempelbäume, die vom Kaiser nur zu besonderen Anlässen verschenkt wurden. Hierzulande verfiel König Wilhelm I. von Württemberg (1781 – 1864) ihrem filigranen Reiz.

"Hier in der Wilhelma haben wir mit rund 70 Bäumen den größten Magnolienhain nördlich der Alpen", sagt Clemens Hartmann, leitender Baumpfleger des Zoologisch-Botanischen Gartens Stuttgart. "Die ältesten 15 Bäume stammen von Wilhelm I. und sind über 160 Jahre alt."

Schon im März wecken die ersten zaghaften Strahlen der Frühlingssonne die Sternmagnolie aus ihrem Winterschlaf und lassen an ihren kahlen gewundenen Ästen Hunderte porzellanhafter Blüten explodieren. Ein herrlicher Kontrast, wenn rundherum noch Ödnis herrscht. Doch die Diva hat ihre Allüren. "Das Risiko sind Kälteeinbrüche", erklärt Hartmann. Nachtfrost färbt die hellen Blüten braun. Eine weniger gefährdete Alternative sind spätere, aber größere Sorten wie die weiße Yulan- oder die Tulpenmagnolie, die erst im April ihre rosa-weißen Kelche öffnet.

Altes Land bei Hamburg: ein Blütenfest im Mai

"Als Frühling gilt die Zeit der Blüte von Kirsche, Birne, Apfel und Quitte." So steht es im altehrwürdigen Schulatlas von Diercke. Die rot-weiße Pracht kehrt Mitte April im Südwesten ein, arbeitet sich bis zum Rhein-Main-Gebiet vor, erklimmt dann die Steigungen der Mittelgebirge und erobert schließlich auch die Norddeutsche Tiefebene.

Die Wanderung dauert in der Regel um die vier Wochen und erreicht in warmen Perioden Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometer pro Tag. Kälteeinbrüche können dieses Tempo fast halbieren. Die brandenburgische Blütenstadt Werder an der Havel feiert ihr Baumblütenfestab dem 28. April. Bereits Erich Kästner stellte fest: "Der Berliner Frühling findet in Werder statt."

Im Nordwesten liegt das größte Obstbaugebiet Europas, das Alte Land bei Hamburg. Hier wird das Blütenfest traditionell Anfang Mai begangen. Ein Traum in Weiß, der Zehntausende "Blütenspanner" anlockt, wie die Naturtouristen augenzwinkernd genannt werden. Botaniker unterteilen das Jahr nicht nur in Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter, sondern sogar in zehn Phasen, die sich nach der Blüte bestimmter Pflanzen richtet. Gemäß dieser Jahresuhr steht die Apfelblüte für den "Vollfrühling". Die Apfelbäume werden heute von Forschern als Indikatoren für den Klimawandel benutzt. Warum ausgerechnet sie?

"Der Apfel ist überall verbreitet und häufiger als etwa Kirschbäume", erklärt Dr. Harald Gebhardt von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg. Der Biologe ist Blütenjäger, er untersucht die Blühphasen ausgewählter Bäume im Schwarzwald. Seine frühesten Kandidaten stehen im Murgtal, einem Seitental des südlichen Rheintals. "Dort herrscht warmes Weinbauklima", so Gebhardt. Sein höchster "Protokollapfel" wächst auf dem Gipfel des Schliffkopfs im Nordschwarzwald in 1043 Meter Höhe. Der wackere Baum ist eher ein Busch, der vom Wind zersaust und vom Schnee niedergedrückt wurde. Die Experten nennen den wohl am höchsten gelegenen Apfelbaum Deutschlands liebevoll "Struppi".

Zwischen der Blüte im Tal und bei "Struppi" auf dem Berg liegen oft mehrere Wochen. 2009 stand "Struppi" am 20. Mai in Blüte, der erste Gravensteiner-Baum im Tal öffnete bereits am 12. April seine Knospen. Für Baden-Württemberg hat Gebhardt die Zeitreihen von 1961 bis 1990 und 1991 bis 2009 miteinander verglichen. Ergebnis: "In den letzten 20 Jahren gab es einen mächtigen Sprung nach vorn. Die Apfelblüte setzt im Schnitt elf Tage früher ein."

Bundesweit kommen Kollegen zu einem ähnlichen Resultat: Der Klimawandel findet statt, der Apfelbaum ist sein schönster Kronzeuge. Beim Pflanzenmonitoring kann man übrigens mitmachen, denn das TV-Magazin "Planet Wissen" (WDR) sammelt mit seiner Aktion "Apfelblütenland" Daten zum Blühbeginn der Äpfel in ganz Deutschland. Jeder ist willkommen, der Klimaforschung zu helfen – als aufmerksamer "Blütenspanner".

Autor: Dagmar Weychardt