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Dromedare sind in Australien mittlerweile ein vertrauter Anblick.

Foto © www.piqs.de / Fotograf: Bonsei, CC (Some rights are reserved.)

Jenseits von Afrika

Dromedare in Australien

Man würde sie fast überall vermuten – in Afrika, Saudi-Arabien, der Mongolei. Aber an Australien denken die wenigsten, wenn man sie nach der Heimat der Dromedare fragt. Schließlich ist der Kontinent eher für Kängurus und Koalas bekannt. Doch im dortigen Hinterland leben mehr als 800.000 Exemplare. Es sind die letzten wilden Herden der Welt. Auf allen anderen Kontinenten ist das Einhöckerige Kamel als Wildtier ausgestorben.

Die Geschichte der australischen Kamele beginnt im Jahr 1840. Damals überlebte ein einziges von neun Tieren die Überfahrt von den Kanarischen Inseln. 1846 kaufte der Forscher John A. Horrocks weitere Kamele, um damit unerforschte Teile Südaustraliens zu erkunden: von Adelaide Richtung Norden. Neben den Strapazen seiner Expedition unterschätzte Horrocks aber auch den schaukelnden Passgang der Dromedare: Ausgerechnet als er sein Gewehr lud, machte sein Tier einen Ruck, aus der Waffe löste sich ein Schuss und verletzte Horrocks so schwer, dass er wenige Wochen später starb.

Die Dromedare von damals sollten jedoch nicht allein bleiben in Australien: Zwischen 1860 und 1907 importierten Siedler rund 12.000 Dromedare aus Pakistan, Indien und Afrika. Als Zug-, Reit- und Arbeitstiere transportierten sie nicht nur Menschen, sondern auch Wolle, Holz sowie alles, was man für den Bau von Eisenbahnstrecken, Dämmen und Telegrafenmasten brauchte. Bis zu 600 Kilo kann ein Dromedar schleppen. Das ist beachtlich – aber doch nicht so viel, wie Lastwagen und Güterzüge schaffen. Als der moderne Verkehr aufkam, wurden die Tiere nicht mehr gebraucht und einfach freigelassen. So waren sie in den Wüsten und Steppen des australischen Hinterlands sich selbst überlassen.

Man dachte, sie würden irgendwann aussterben, doch der Körper der Tiere ist für karge Landschaften, extreme Temperaturen und Dürre wie geschaffen: Ihr dickes Fell isoliert tagsüber vor Hitze und bewahrt nachts vor Kälte. Breite Füße geben Halt im Wüstensand. Wenn sie in einen Sandsturm geraten, schützen lange Wimpern ihre Augen, die schmalen Nasenlöcher können sie verschließen. Da Kamele auf einen Schlag viel trinken und die Flüssigkeit im Körper speichern können, kommen sie mehrere Tage ohne Wasser aus. Zudem befinden sich in ihrem Höcker Fettreserven, von denen sie in mageren Zeiten zehren. So verwilderten die Dromedare. Und sie vermehrten sich. Extrem.

Inzwischen sind es riesige Herden, mehr als in jedem anderen Land der Welt. "Und wenn die Population weiterhin ungebremst wächst, wird sich der Bestand spätestens in neun Jahren verdoppeln", sagt Wissenschaftler Glenn Edwards warnend. Denn allmählich werden die Dromedare zur Plage: Sie zertrampeln Zäune von Farmen, fressen Akazien gleich flächendeckend kahl, trinken der einheimischen Fauna das Wasser weg. Natürliche Feinde haben sie nicht. Nicht einmal die Aborigines, deren heilige Stätten die Tiere zerstören, machen Jagd auf die Dromedare, denn die Ureinwohner führen ein Leben im Einklang mit der Natur.

Darum sucht man in Australien jetzt nach Möglichkeiten, die unkontrollierte Vermehrung zu stoppen und den Bestand auf ein umweltverträgliches Maß zu reduzieren. Bislang ist es allerdings nur gelungen, aus der Not eine Tugend zu machen: Einheimische bieten inzwischen Dromedar-Safaris durch das australische Outback an, zwischen Ayers Rock und Alice Springs. Und die sind bei den Touristen ein echter Renner.

Autor: Melanie Schirmann