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Glückliche Menschen leben länger als unglückliche.

Studien belegen: Glückliche Menschen leben länger als unglückliche. - Foto © picture alliance / landov

Positiv denken, länger leben

Wie Gefühle die Gesundheit beeinflussen

Emotionen haben großen Einfluss auf unseren Körper. Sie halten gesund – oder machen krank. Forscher belegen: Wer glücklich ist, lebt deutlich länger.

Blicke mit Freude auf die Welt, die dich umgibt. Übe dich in Gelassenheit und Dankbarkeit. Pflege deine Glücksgefühle wie einen wertvollen Schatz. Hört sich an wie die üblichen schlauen Kalendersprüche für ein besseres Leben? Genau. Aber: Vorsicht vor Hochmut! Dahinter verbergen sich Weisheiten, deren Wirkung unterdessen wissenschaftlich belegt ist.

Glückliche Menschen leben länger als unglückliche: Zu diesem Ergebnis kam jüngst eine sogenannte Metastudie, für die US-Forscher mehr als 150 Untersuchungen zum Thema Glück und Gesundheit auswerteten. Die überwältigende Mehrheit der Arbeiten kam zu dem Schluss, dass persönliches Glück sich direkt auf unser Wohlbefinden auswirkt und somit die Lebenszeit verlängert. Eine der betrachteten Studien bescheinigte zufriedenen Menschen eine um 14 Prozent längere Lebenszeit als unzufriedenen. Angesichts einer durchschnittlichen Lebenserwartung von etwa 80 Jahren dürfen sich Glückliche somit auf ein rund zehn Jahre längeres Leben freuen.


Die Grundgefühle und was sie bewirken

Als Grundgefühle bezeichnet man Emotionen, die jeder gesunde Mensch kennt. Der Psychologe Paul Ekman erforschte zudem, welche Gefühle in allen Kulturen zu derselben Mimik führen – es sind die sechs links beschriebenen. Wichtig: Alle Gefühle sind prinzipiell gut und nützlich.

Freude

Tut uns gut: Das Gefühl der Freude signalisiert uns, wer oder was gut für uns ist. Achtung: Wer zu oft zu viel Freude empfindet, lebt gefährlich.

Ekel

Schützt uns: Ekel warnt den Menschen vor Risiken wie giftigen Speisen oder gefährlichen Tieren. Manche empfinden Ekel gegenüber allem Fremden.

Furcht

Macht vorsichtig: Die Furcht schützt uns vor Risiken, sie weckt Reflexe, die uns fähig machen, schnell zu reagieren oder zu fliehen.

Traurigkeit

Fokussiert uns: Wer traurig ist, konzentriert sich auf das, was ihn belastet. So können Konflikte verarbeitet und Problemlösungen gefunden werden.

Überraschung

Weckt uns auf. Positiv oder negativ: Überraschende Situationen fordern unsere Aufmerksamkeit. Man vergisst sie nicht mehr.

Wut

Gibt uns Kraft: Wer wütend wird, entwickelt viel Energie, um sich durchzusetzen und abzugrenzen. Wut ist eng verknüpft mit Aggressionen.


Gefühle lenken lernen

Mit Glück ist dabei nicht die glückliche Fügung gemeint, die man im Englischen mit "luck" bezeichnet, also etwa ein Lottogewinn oder das Ausbleiben von Schicksalsschlägen. Gemeint ist vielmehr eine geistige Verfassung, im Englischen mit "happiness" bezeichnet: ein positives Grundgefühl, Zufriedenheit, Optimismus. Vielen Studien zufolge ist diese Art von Glück genauso wichtig für die Gesundheit wie gute Ernährung, ausreichende Bewegung und ein maßvoller Umgang mit Alkohol.

Gesundheit Yoga

Zur Ruhe kommen: Yoga verbindet Meditation mit Atem- und Körperübungen. - Foto © picture alliance

Äußere Umstände wie ein angenehmer Arbeitsplatz oder ein liebevoller Ehepartner begünstigen die Grundstimmung. Doch in erster Linie muss jeder für sich selbst sorgen. Während sich die Psychotherapeuten früher vor allem den belastenden Erinnerungen und Gefühlen widmeten, gewinnt seit den 1990er-Jahren die Positive Psychologie an Einfluss. Sie kann nicht nur psychisch beeinträchtigten Menschen helfen, sondern jedem, der sein Glücksempfinden steigern und damit seine Gesundheit pflegen möchte.


Was gute Gefühle weckt

Es gibt viele Möglichkeiten, positive Emotionen zu entdecken und zu pflegen. Sechs wertvolle Anregungen:

1. Tagebuch schreiben
Das Schreiben hilft uns, die Gedanken zu sortieren und Ordnung ins Chaos eines anstrengenden Tages zu bringen. Im Tagebuch kann man schöne Erfahrungen festhalten – aber auch sehr gut negative Erlebnisse "zu den Akten legen". Das abendliche Schreiben wird ganz nebenbei zu einem wohltuenden Ritual, das den Tag abschließt und das Einschlafen erleichtert.

Malen und Zeichnen
Als Weg zu seelischer und körperlicher Balance haben sich kreative Tätigkeiten bewährt: Beim Malen geben wir allem Gestalt, das uns im Innersten bewegt – ganz ohne Worte. Mit großer Leinwand, Palette und Pinsel macht das besonders viel Spaß. Ein ähnlicher Effekt tritt beim schlichten Zeichnen auf Papier ein, besonders draußen in der Natur. Im Idealfall versetzt uns Kreativität in einen Zustand völliger Gelöstheit: Man geht ganz in der Beschäftigung auf und spürt jene innere Ruhe, die auch bei der Meditation eintreten kann. Andere Künste wie Bildhauerei oder kunsthandwerkliche Tätigkeiten wie Töpfern sind ebenso gut geeignet.

Häufiger Lächeln
Das äußere Erscheinungsbild eines Menschen wirkt nicht nur auf die Außenwelt, sondern auch nach innen. Wer ein entspanntes und freundliches Gesicht zeigt und eine aufrechte, selbstbewusste Körperhaltung einnimmt, fühlt sich gleich besser und stärker. Aber: Bitte nicht übertreiben! Ein gequältes Lächeln wirkt auch nach innen quälend.

Bewusst genießen
Egal ob gute Düfte oder köstliches Essen: Wer seine Sinne schärft und schöne Dinge genussvoll würdigt, verwöhnt auch seine Seele. Ganz gleich, ob der Duft von teuren Parfüms stammt oder von einer blühenden Sommerwiese, ob es sich bei dem Leckerbissen um einen knackigen Apfel oder eine edle Delikatesse handelt.

Klettern und fliegen
Manche Menschen lieben den Kick, die Herausforderung bei Sportarten, die volle Konzentration und hohen Körpereinsatz verlangen. Solange es dabei nicht gefährlich wird, kann solch eine Betätigung heilsam auf Psyche und Physis wirken. Zumal sie geistige Klarheit trainiert und beweist, dass der Mensch über sich hinauswachsen kann.

Gemeinsam tanzen
Körperliche Bewegung hat ein hohes Glückspotenzial, Bewegung zu Musik ist besonders heilsam. Wenn Menschen sich dabei in den Armen halten wie beim Paartanz, wird in unserem Körper zusätzlich Oxytocin ausgeschüttet. Das "Kuschelhormon" weckt Gefühle der Zuneigung und der Geborgenheit.


Im Alltag bedeutet das, möglichst positiv zu denken, also eine Enttäuschung als lehrreich zu verbuchen und nicht als niederschmetternd, eine schwierige Prüfung als Chance zu sehen und nicht als Bedrohung. Leichter gesagt als getan. Dabei helfen kann die Achtsamkeitslehre, die etwas weiter geht als das positive Denken und der sich seit einigen Jahren immer mehr Wissenschaftler, Ärzte und Laien widmen.

Gesundheit Tanzen

Körperliche Bewegung hat ein hohes Glückspotenzial, Bewegung zu Musik ist besonders heilsam - Foto © picture alliance / Bildagentur-o

Eine ausgewiesene Spezialistin dieser Lehre ist Dr. Elisabeth Reisch. Die Psychologin schult Therapeuten, berät Forscher und ist in ihrer Berliner Praxis selbst therapeutisch tätig. "Beim Achtsamkeitstraining geht es darum, sich von Gewohnheitsmustern zu trennen, innerlich frei zu sein", erklärt Dr. Reisch. Der Begründer der Achtsamkeitspraxis, der US-Psychologe und Biologe Jon Kabat-Zinn, entwickelte die Therapiemethode auf der Basis buddhistischer Lehren. Denn die seit Jahrtausenden dort praktizierte Meditation hat messbar positive Wirkung auf die physische und psychische Gesundheit.

So verwundert es nicht, dass Dr. Reisch mit einem Lama, einem Lehrer des Buddhismus, kooperiert und seit 20 Jahren selbst meditiert. "Ziel ist die innere Stille, frei von Bewertungsmustern oder Erwartungen", so Dr. Reisch. "Man entspannt sich, nimmt einfach nur wahr, was passiert." So kann man ruhig bleiben, auch wenn man sich etwa ungerecht behandelt fühlt. Man muss nicht aggressiv werden, nicht schreien, man beobachtet nur: Aha, so behandelt man mich. Welchen Gesichtsausdruck hat mein Gegenüber dabei? Welche Worte wählt es? Wie atmet es? Wie atme ich?

Heilsame innere Stille

Auch eigene Gedanken und Gefühle kann, wer in Achtsamkeit geübt ist, völlig wertfrei wahrnehmen – und dann vorüberziehen lassen. Alle reflexartigen Handlungen wie etwa das sofortige Zugreifen, wenn Schokolade auf dem Tisch steht, lassen sich so auflösen. Man beobachtet dann zum Beispiel: Aha, mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Meine Hand will zugreifen. Habe ich überhaupt Appetit? Wie fühlt sich dieser Appetit an? Diese Offenheit und innere Freiheit bewirken, dass man wirklich glücklich wird.

Das Erlernen dieser Technik kann für Seele und Körper äußerst heilsam sein. Früher wurde diese Wirkung oft angezweifelt, heute kann man sie wissenschaftlich nachweisen, etwa aufgrund bildgebender Verfahren wie der Magnetresonanztomografie (MRT). Denn: Ändern sich bei einem Menschen die Wahrnehmung und das Denken, ändern sich auch die Strukturen in seinem Gehirn – und körperliche Leiden lassen nach.

Im Rahmen des Aufmerksamkeitstrainings übt Dr. Elisabeth Reisch mit ihren Klienten auch, ganz alltägliche Herausforderungen zu meistern. Bei vielen Menschen verursacht etwa der Gedanke an die Arbeit Stress. Sie können lernen, stattdessen Freude zu empfinden – etwa darüber, dass man nützlich sein darf und interessante Menschen trifft. Von dieser Freude profitiert der Körper, Stresssymptome wie hoher Blutdruck lassen nach. Patienten mit chronischen Schmerzen können sich darin üben, ihr Leid als etwa zu akzeptieren, das zum Leben gehört. Und sie können ihr Bewusstsein dafür schulen, welch ein Wunderwerk der menschliche Körper trotz allem ist. So verliert der Schmerz seine Bedeutung. Er verblasst – und der Patient lebt auf.

Reaktion folgt Emotion

Alle Emotionen haben einen Sinn, keine ist für sich genommen schlecht oder schädlich (siehe auch weiter oben). Trauer beispielsweise ist nötig, um einen Verlust zu verarbeiten. Wut gibt uns die Kraft, uns gegenüber Menschen zu behaupten, die uns schaden wollen. Angst schützt uns davor, uns in gefährliche Situationen zu begeben. Zugleich löst sie körperliche Reaktionen aus, die eine Flucht erleichtern: Muskelanspannung, erhöhte Herzfrequenz, schnelle und flache Atmung.

Problematisch wird die Sache, wenn Angstgefühle ohne konkreten Anlass auftreten. Darunter leiden Seele und Körper. "Für Ihr Hirn ist Realität, was Sie ihm suggerieren. Es kann nicht selbst entscheiden, ob etwas Einbildung ist oder Realität", schreibt die Psychologin Dr. Doris Wolf in ihrem Buch "Gefühle verstehen, Probleme bewältigen".

Zur Veranschaulichung dieser These empfiehlt sie ein einfaches Experiment: Schließen Sie die Augen, und stellen Sie sich vor, Sie würden in eine Zitrone beißen. Die Reaktion: Im Mund wird Speichel produziert, das Gesicht zieht sich zusammen. Allein der Gedanke hat das Gefühl beeinflusst, das Gefühl wiederum wirkt auf den Körper. Es ist ein stetes Wechselspiel, das in alle Richtungen funktioniert. So kann es beispielsweise vorkommen, dass ein Mensch an Bluthochdruck leidet – aus scheinbar unerklärlichen Gründen. Dann stellt sich heraus: Seit einem Autounfall hat er große Angst vor Straßenverkehr. Schafft er es, diese dominierende Angst zu bewältigen, normalisiert sich auch sein Blutdruck.

Jedem Menschen tut es gut, hin und wieder dem stetigen Strom der Gedanken und Gefühle zu entfliehen. Den wohltuenden Zustand innerer Freiheit und Ruhe kann man nicht nur beim Meditieren erfahren, sondern auch bei kreativen oder sportlichen Aktivitäten, die uns unsere Umgebung völlig vergessen lassen. Alles ist möglich – ob wir nun malen, singen oder tanzen (siehe auch weiter oben). Das Motto lautet: Mach einfach nur, was dir Freude bringt – dein Körper wird es dir danken!

Autor: Nele-Marie Brüdgam / Presseinformation Happiness Institut