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Eifersuechtiges Paar

Der häufigste Auslöser für Eifersucht ist das Gefühl, vernachlässigt zu werden.
Foto: © picture alliance / Wavebreak Media LTD

Das hilft bei Attacken

Wenn Eifersucht krank macht

Das hilft, wenn Argwohn und verletzte Gefühle Beziehung und Gesundheit belasten.

Der Anlass kann ganz klein sein. Eine etwas zu begeisterte Schilderung einer neuen Bekanntschaft oder ein Telefongespräch, für das der andere das Zimmer verlässt - plötzlich schießt die Eifersucht wie eine Stichflamme durch den Körper. Je länger und intensiver sie lodert, desto mehr zerstört sie Nähe und Vertrauen einer Partnerschaft. Und kann sogar richtig krank machen.


TV-Tipp

So., 11.10., Das Erste, 17.30 Uhr: "Gott und die Welt: Liebe, Leiden - Eifersucht"
Zwei Beispiele für ein Überwinden dieses Gefühls.


Ursachen der Eifersucht

Der häufigste Auslöser für Eifersucht ist das Gefühl, vernachlässigt zu werden. Ob man in Gesellschaft links liegen gelassen wird oder der Partner anscheinend lieber mit dem Hund als mit uns spazieren geht - wir fühlen uns zurückgesetzt.

Dabei ist es unerheblich, ob der Liebesentzug tatsächlich stattfindet oder eingebildet ist. "Das Gefühlschaos wird umso größer, je abhängiger man sich vom anderen fühlt“, erklärt Psychotherapeutin Claudia Brauchle-Müller aus Heidelberg. Sie hat bei ihren Paartherapien immer häufiger mit Eifersuchtskonflikten zu tun.

Wer unabhängig vom Partner ein interessantes Leben führt, verschiedene Hobbys und eigene Kontakte pflegt, ist kaum anfällig. "Eifersucht korreliert mit dem Selbstwertgefühl. Wenn ich ein negatives Selbstbild habe, wird das bei Enttäuschungen schnell aktiviert“, erklärt die Diplom-Psychologin.

Auch frühe Geschwistererfahrungen spielen ihrer Erfahrung nach eine Rolle: Wurden in einer Familie die Kinder ungleich behandelt oder herrschte ein Klima mit hohem Konkurrenzdenken, hat man als Erwachsener leicht mit Statusneid oder Eifersucht auf Personen zu kämpfen. "Letztlich geht es immer wieder um das 'Ich werde nicht geliebt'-Gefühl“, so die Eifersuchts-Expertin.

Eifersucht kann sich allerdings auch aus einem nicht eingestandenen Bedürfnis nach mehr Unabhängigkeit vom Partner speisen: "Eigene Bedürfnisse unterstelle ich bei dieser Projektion dem Partner“, erklärt die Psychologin. Sogar generationenübergreifend könne es zu Verlagerungen kommen, wenn etwa die Mutter nicht verarbeitet habe, dass sie verlassen wurde.

Anfällig macht auch eine Kränkung von außen wie ein Jobverlust: Ist der Selbstwert einmal angeknackst, verhält man sich dem Partner gegenüber schneller misstrauisch, als wenn alles im Lot ist.

Eifersucht kann körperliche Auswirkungen haben

Das Gefühl wirkt auf die Seele wie Salzsäure auf der Haut: ätzend. Eifersucht ist körperlich spürbar. Es geht los mit einem dumpfen Ziehen in der Magengegend oder einem Stich ins Herz. Stärkere körperliche Reaktionen sind Atembeschwerden, Herzklopfen und Magenkrämpfe.

Hält die Anspannung länger an, kann das zu Schlafstörungen führen und auch die Merk- und Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen. Die körpereigenen Abwehrkräfte werden geschwächt - das Risiko von Infektionskrankheiten erhöht sich.

Wer seine Gefühle ignoriert, bei dem kann es sogar zu psychosomatischen Krankheiten kommen: "Menschen, denen ihr Leiden nicht bewusst ist, nehmen es erst wahr, wenn es sich körperlich äußert“, so Brauchle-Müller.

Eifersucht, die man sich nicht eingestanden hat, offenbart sich dann zum Beispiel als Kopfschmerz oder Rückenbeschwerden. Herzprobleme, hoher Blutdruck, Nierenentzündung oder Reizdarm sind klassische Erkrankungen mit psychischer Ursache.

"Wenn ich ständig frustriert bin, weniger Freude im Leben habe, mich selber einschränke, kann das sogar der Weg in eine Depression sein“, warnt Brauchle-Müller. Ernst nehmen muss man Eifersucht also unbedingt!

Das hilft bei Attacken

Eifersucht bringt Menschen dazu, Dinge zu tun, die sie sonst nie täten. Sie ist sogar eines der häufigsten Mordmotive, nicht nur im "Tatort". Wo aber verläuft die Grenze zwischen gesunder Wachsamkeit und Interesse an der Beziehung zu krankhafter Eifersucht? "Übermäßig ist sie, wenn die Gedanken ständig um das mögliche Tun des Partners kreisen“, so Expertin Brauchle-Müller. Am Anfang steht oft die
Detektivarbeit. Wer verunsichert ist, versucht zu kontrollieren.

Der Versuch, Sicherheit herzustellen, indem man Taschen oder Mails des Partner durchstöbert, bringt aber selten Klarheit, sondern meist neue Unsicherheiten. Logische Folge: Man fühlt sich noch schlechter als vorher. Stoppen Sie also unbedingt die Detektivarbeit! Sie kostet letztlich die Selbstachtung und ist Gift für die Beziehung.

"Der Partner hat ein Recht auf Privatsphäre“, mahnt Claudia Brauchle-Müller. Wenn Sie einen Verdacht auf einen Vertrauensbruch haben, hilft ihr zufolge vor allem Geduld: "Sprechen Sie aber über Ihre Gefühle. Offenheit ist Stärke.“ Wenn man einen Partner hat, der sich ungeschickt lieblos verhält, wenig kommuniziert und Frust für sich behält, begünstigt das Eifersuchtsgefühle. Versuchen Sie also, darüber zu sprechen - möglichst, ohne Vorwürfe zu machen.

Ob die Eifersucht begründet ist, bekommt man aber mit Nachbohren selten heraus: "Wenn der Partner sich schuldig fühlt, braucht er seine Zeit, bis er darüber reden kann.“ Gegen das krank machende Gefühl der Eifersucht hilft es am besten, sich von den negativen Gedanken abzulenken. Claudia Brauchle-Müller empfiehlt: "Widmen Sie sich Freunden und Interessen, die immer zu Ihrem Leben gehört haben.“

Autor: Bettina Koch