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Sprachmüll: Füllwörter und negative Formulierungen verwässern unsere Sprache.

"Häufig ist uns die wahre Bedeutung der Worte, die wir benutzen, gar nicht bewusst. Wir unterschätzen die Macht der Sprache", sagt der Sprachforscher Joachim Schaffer-Suchomel. - Foto © picture alliance / Arco Images

Sprachsünden vermeiden

Was Worte verraten

Füllwörter und negative Formulierungen verwässern unsere Sprache. Wie wir etwas sagen, offenbart mehr über uns als das, was wir sagen. So kann positive, klare Sprache Konflikte vermeiden und Beziehungen stärken.

"Und, wie habt ihr den Bali-Urlaub überstanden?", fragt die Mutter ihren erwachsenen Sohn am Telefon. "Gut", sagt er. Sie hakt nach: "Alle heil geblieben?" Antwort: "Ja, nur Lena hatte zwei Tage Durchfall." Der Sohn merkt, dass er plötzlich an die Kakerlake im Hotelbad und die unaufhörlichen Rufe der "Massage"- Anbieter denkt. Diese kleinen Ärgernisse hatte er nach dem herrlichen Urlaub fast vergessen. Doch aus den Fragen seiner Mutter hört er Kritik heraus, die seine Gedanken beeinflusst.


Sagen und meinen: Wie Sie gängige Sprachsünden vermeiden

"Hoffentlich klappt das!"
Analyse: Wer "hoffen" muss, hat große Zweifel. "Das klappt" erzeugt Distanz, weil kein Akteur genannt wird.
Besser: Aktivsätze wie "Ich schaffe das" oder "Du schaffst das". Sie motivieren mehr – einen selbst und andere.

"Ja, aber ..."
Analyse: Das "aber" nimmt die Zustimmung.
Besser: Häufiges "Ja, aber" meiden, durch "Aber ja!" ersetzen.

"Das ist schon ganz gut."
Analyse: Das "schon ganz" schränkt das Lob ein.
Besser: "Das ist gut." Oder ein Lob mit Verbesserungsvorschlag: "Das Konzept ist stark und wird noch überzeugender, wenn du in der Mitte einige Punkte streichst."

"Gar nicht schlecht!"
Analyse: Hier schmälern gleich zwei negative Begriffe ("nicht", "schlecht") das Lob.
Besser: "Gut!"

"Tschüssikowsky!"
Analyse: Verniedlichungen und kreative Wortverbiegungen sollen lustig klingen, sind aber oft nur peinlich banal.
Besser: Solcher Babysprache "Tschüss!" sagen.


Er wollte seine Mutter mit seiner Begeisterung anstecken, aber das Gespräch wird problembeladen und zäh. "Die Wortwahl erzeugt bei dem anderen innere Bilder, weil sie direkt auf das Unterbewusste wirkt", bestätigt der Sprachforscher, Pädagoge, Coach und Buchautor Joachim Schaffer-Suchomel ("Entdecke die Macht der Sprache“, mvg Verlag, 384 Seiten, 16,99 Euro).

"Häufig ist uns die wahre Bedeutung der Worte, die wir benutzen, gar nicht bewusst. Wir unterschätzen die Macht der Sprache." Die Mutter etwa empfindet eine Fernreise als bedrohlich. Diese Ängste beeinflussen ungewollt ihre Wortwahl ("heil bleiben","überstehen"), was beim Sohn als Ablehnung ankommt. "Sprache spiegelt unsere Seelenlage", so der Experte. "Oft fließen durch die Wortwahl mehr Zweifel oder versteckte Vorwürfe ein, als uns bewusst ist. Das frisst Energie und verunsichert."

Mit Gefühl und Wertschätzung

Fachleute wie Schaffer-Suchomel fordern eine klare, positive, wertschätzende, emotionale Sprache. Doch im Alltag ist freundlicher Klartext selten: "Wir benutzen zu viele negative Formulierungen und unnütze Füllwörter", meint der Sprachforscher. Formeln wie "Schon ganz gut", "An sich gelungen" oder "Recht interessant" wirken durch die Beiworte "schon", "ganz" und "recht" halbherzig. Was hängen bleibt, ist der Zweifel und nicht der gute Kern.

Kleinmacherei entspricht einer Tendenz unserer Gesellschaft, in der selbst Positives mit Verneinungen ausgedrückt wird. Wir sagen "Mir geht es nicht schlecht" statt "Mir geht es gut". Oder "Warum eigentlich nicht?" statt "Ja, das machen wir". Weit verbreitet sind Füllwörter wie "eigentlich" oder "eventuell". "Manche Menschen sagen in jedem dritten Satz 'eigentlich'. Sie führen so vom Eigenen weg, das sie wirklich sagen wollen", klagt Schaffer-Suchomel.

Je umständlicher, desto schwächer wird ein Satz

Ähnlich farblos wirken Abschwächungsformeln wie "vielleicht" oder "Ich würde sagen". "Mit diesen Formulierungen zeigen wir Verunsicherung, die sich auf andere überträgt." Ein kommunikativer Widerhaken ist die bejahende Verneinung "Ja, aber". Schaffer-Suchomel: "Erst bestätige ich den anderen, dann nehme ich ihm mit dem Trennungswort 'aber' die gute Idee. Zwar ist nicht jedes 'Ja, aber' falsch, zu viele sind jedoch auf Dauer zermürbend."

Ganz allgemein gilt: Je umständlicher, desto schwächer wird ein Satz: "Falls es meine Zeit erlauben sollte, werde ich eventuell vorstellig werden." Wer eine Absage so kompliziert verpackt, zollt dem Einladenden wenig Respekt. Manchmal sind Ablehnung und Kritik nötig. Dann macht der Ton die Musik. Wer den Partner mit "Das ist typisch für dich!" anfährt, würgt ein klärendesGespräch ab. Eine bessere Einleitung ist eine konkrete Ich-Botschaft, etwa: "Ich bin traurig, weil du mich gestern nicht beachtet hast."

Doch wie lässt sich "Sprachmüll" entrümpeln? Schaffer-Suchomel rät dazu, sich selbst einen Tag lang gut zu beobachten. Bei der Fahndung nach sprachlichem Ballast muss nicht jedes Wort auf den Prüfstand, denn unsere Äußerungen sollten authentisch bleiben. Aber zu viele negative Sprachmuster, Verunsicherer oder Kommunikationskiller sollten wir überdenken und reduzieren. Das ist oft ganz einfach. Die gelungene Begrüßung eines Verwandten, der von einer Reise heimkehrt, wäre etwa die simple Frage: "Wie war euer Urlaub?"

Autor: Dagmar Weychardt