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Sofia, Kevin oder Lucy. Namen machen uns unterscheidbar.

Sofia, Kevin oder Lucy. Namen machen uns unterscheidbar. - Foto © picture alliance / ZB

Psychologie

Was Namen verraten

Ruft der Name Lucy bei Ihnen auch das Bild eines sportlichen, frechen Mädchens hervor? Und Eleonore eher das einer älteren Dame? Hören wir einen Vornamen, verbinden wir automatisch ganz spezielle Eigenschaften mit ihm, ohne die dazugehörige Person zu kennen.

"Intuitiv ordnen wir ihn bestimmten Generationen zu", sagt Dr. Dietlind Kremer, Forscherin und Leiterin der Namensberatungsstelle an der Universität Leipzig, die dieses kuriose Phänomen als "namenphysiognomische Kollektivempfindungen" bezeichnet. Mitunter können dabei in unseren Köpfen sogar richtige Assoziationsketten entstehen. Untersuchungen zeigen, dass wir Menschen mit modernen Vornamen wie etwa Leon oder Laura stets jünger einschätzen – und den ganz einfachen Schluss ziehen: je jünger, desto attraktiver, und je attraktiver, desto intelligenter.

Was sich unsere Eltern einmal ausgedacht haben, kann also wie ein aufgedrückter Stempel sein. "Objektiv betrachtet dürfte ein Rufname, der eine Person eigentlich nur identifiziert, keinen Einfluss auf das Leben haben", sagt Dietlind Kremer. Aber: "Die Realität sieht anders aus."


Wie wirken Namen?
Kinder mit "falschen Namen" bekommen statistisch betrachtet schlechtere Noten. - Foto © picture alliance / JOKER


Nomen est omen

So weiß man von Kevin oder Justin, dass sie es in der Schule schwerer haben, weil Lehrer diese Vornamen eher mit Leistungsschwäche und Verhaltensauffälligkeit in Verbindung bringen. Mehr noch: Sie bekommen statistisch betrachtet schlechtere Noten als ein Maximilian oder Alexander – auch wenn sie die gleiche schulische Leistung bringen. Und alles nur, weil sie den "falschen" Namen tragen.

Weniger Einfluss haben Eltern hingegen beim Familiennamen. Doch auch der ist Schicksalsgeber, kann zum Türöffner oder Karrierekiller werden, ja sogar zu einer Art sich selbst erfüllender Prophezeiung. Britische Forscher konnten nämlich belegen, dass Menschen, die König, Kaiser oder Fürst heißen, tendenziell häufiger Führungspositionen besetzen als Personen mit dem Namen Weber, Bauer oder Koch. Klingt ein Name nobel, scheint er demnach mit einer höheren sozialen Stellung gleichgesetzt zu werden. Aber kann man überhaupt irgendwelche Schlüsse aus ihm ziehen? Expertin Dietlind Kremer ist überzeugt, dass man zumindest von einigen Modenamen das Alter, die Herkunft und soziale Verortung ableiten kann.

Während der Name Benedikt zum Beispiel in Bayern sehr beliebt ist, taufen die Friesen ihre Kinder gern Janne. Derzeit ist zu beobachten, dass Eltern bei der Benennung ihrer Sprösslinge immer kreativer werden. Welche skurrilen Ausmaße das annehmen kann, zeigen folgende Beispiele:


Diese Namen wurden zugelassen

Gestatten: Tarzan, Winnetou, Pumuckl, Sonne, Pepsi-Carola, Emma Tiger, Ikea, Sundance, Jesus und Galaxina stehen nicht nur auf der Hitliste skurriler Babynamen.
Eltern dürfen ihren Nachwuchs sogar offiziell so nennen.


Dabei sollte die Entscheidung wohlüberlegt sein. "Von der Wiege bis zur Bahre hat man mit seinem Namen zu tun. Erst bindet man ihn an das Ärmchen des Neugeborenen, zum Schluss wohl an den großen Zeh, und im besten Fall findet er sich auf dem Grabstein wieder", sagt die Forscherin. Und nicht immer gefällt einem, wie man heißt: Jeder zehnte Deutsche zeigt sich mit seinem Vornamen unzufrieden. Ihn ändern zu lassen ist in Deutschland gar nicht so leicht und nur in Ausnahmefällen möglich, sofern es einen wichtigen Grund gibt. Wenn er zum Beispiel anstößige Wortspiele zulässt, zu Verwechslungen führt oder schwer auszusprechen ist. Erste Anlaufstelle ist dann die Wohnsitzgemeinde, wo ein Antrag auf öffentlich-rechtliche Namensänderung gestellt werden kann.
Kostenpunkt: bis zu 1000 Euro. Ob der Wunschname überhaupt eintragungsfähig ist, darüber stellen Dietlind Kremer und ihr Team in der Beratungsstelle auf Anfrage ein Gutachten aus. Sie macht Ratsuchenden, die mit ihrem Namen unzufrieden sind, aber auch Mut: Als sie klein war, sei ihr Vorname Dietlind immer mit einer alten Frau assoziiert worden. "Inzwischen", so die 52-Jährige, "bin ich in ihn hineingewachsen und habe Frieden mit ihm geschlossen."

Vornamen im Wandel der Zeit

Wie wirken Namen?

Autor: Anne-Kathrin Hasse