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Bulldogge mit Frau

Tiere schenken uns Liebe - und sogar Gesundheit. - Foto: © picture alliance / Arco Images GmbH

Im TV: "Alles Wissen: Mensch und Tier"

Warum Haustiere glücklich machen

Sie sind Freunde, Seelentröster, oft die besten Therapeuten. Woher kommen ihre fast magischen Fähigkeiten?

Boxerhündin Carmen wich ihrem Herrchen nicht von der Seite. Selbst als es rund um die beiden schon lichterloh brannte. Im Haus von Ben Ledford war Feuer ausgebrochen, der 33-Jährige lag bewusstlos im Keller. Anstatt dem Fluchtinstinkt zu folgen, legte sich die neunjährige Hündin auf ihren Besitzer. Vielleicht wollte sie ihn vor Flammen schützen, ihn einfach nicht alleinlassen. Als die Rettungskräfte eintrafen, staunten sie über die unglaubliche Treue des Vierbeiners.

Zwischen Mensch und Haustier können innige Beziehungen entstehen – wie dieser Fall aus Cincinnati in Ohio zeigt, der Anfang Februar auch in deutschen Medien für Aufsehen sorgte.


TV-Tipp

Mi., 13.5.: "Alles Wissen: Mensch und Tier - eine seltsame Beziehung", HR, 21.00 Uhr (s. auch TV-Tipps rechts und in unserem TV-Programm)


Eine innige Beziehung

In jedem dritten Haushalt lebt hierzulande inzwischen ein Tier, insgesamt rund 31 Millionen – allen voran Katzen, gefolgt von Hunden und Kleintieren wie Hamster oder Kaninchen. Die Liebe zwischen Mensch und Tier kann dabei erstaunlich intensiv werden. Wie entsteht eine so besondere Beziehung?

"Tiere sind uns von Natur aus sehr nah", weiß Dr. Andrea Beetz von der Uni Rostock. Diese Bindung sei bereits im Kindesalter stark, so die Diplom-Psychologin die als Arbeitsschwerpunkt die Mensch-Tier-Beziehung erforscht. Sie berichtet von einer Studie, bei der man Babys mit zwei Arten von Bildern konfrontierte: zum einen von Tieren, zum anderen von Gegenständen wie fahrenden Autos. "Die Kinder schenken immer den Tieren die größte Aufmerksamkeit", berichtet Beetz. Eine frühe Faszination, die irgendwann im Wunsch nach einem eigenen Tier mündet. "Gehen wir mit unserem Tier dann eine Beziehung ein, springt das gleiche System an wie bei einer zwischenmenschlichen Bindung", so Beetz. Oft sei diese so ähnlich wie zwischen Mutter und Kind: "Wir wollen uns um das Tier kümmern, es beschützen."

Die Beziehung könne aber auch zu einer Art Partnerschaft reifen – wobei einige Halter diese sogar angenehmer empfinden als jene zu Freunden und Bekannten. Vorteil in ihren Augen: Tiere sind deutlich unkomplizierter. Man fühlt sich so angenommen, wie man ist: Aussehen, Status, Geld und Beruf spielen keine Rolle.

Hunden verstehen uns Menschen

Zudem klappt die Verständigung sehr gut, gerade mit Hunden: Die Vierbeiner verstehen kurze Worte und Kommandos. Noch wichtiger ist jedoch die nonverbale Kommunikation. "Wir müssen ihre Körpersprache lernen. Hunde aber sind von Natur aus sehr gut darin, in Gesten und Mimik des Menschen zu lesen", sagt Beetz. Tests mit Porträtfotos ergeben, dass sie allein am Gesichtsausdruck erkennen können, ob jemand wütend oder fröhlich ist. Hunde wissen auch, dass ein Fingerzeig des Herrchens auf ein spannendes Objekt hindeuten kann. Schimpansen, unsere nächsten Verwandten, verstehen diese Geste nicht.

Aufopfernde Katze

Weniger angepasst, jedoch ebenso anschmiegsam sind Katzen. Im Gegensatz zu ihrem Ruf manchmal sogar aufopfernd: Die herrenlose Katzendame Mascha etwa bewahrte im Januar im russischen Obninsk ein Kleinkind vor dem Erfrieren. Das wenige Monate alte Baby war in einem eiskalten Treppenhaus ausgesetzt worden. Mascha legte sich mehrere Stunden zu dem Säugling und wärmte ihn. Haustiere können Leben retten – oder es zumindest verlängern.

Heilsame Wirkung

Eine Studie belegt, dass sie heilsame Wirkung haben: Die Zahl der Arztbesuche liegt demnach bei Menschen ohne Haustiere um 18,5 Prozent höher als bei jenen mit. Eine US-Studie konnte zudem nachweisen, dass Tierhalter nach einem Herzinfarkt deutlich bessere Chancen haben: Von 92 Infarktpatienten hatten nach einem Jahr 94 Prozent der Tierhalter überlebt, aber nur 72 Prozent der übrigen Probanden.

Wieso? Studienleiterin Dr. Erika Friedmann weist darauf hin, dass Tiere das beste Mittel gegen Einsamkeit sind. Wo das Bedürfnis nach Nähe nicht gestillt werde, lauerten Depressionen, später Herz-Kreislauf-Leiden. Dass Hundehalter bei jedem Wetter raus müssen und dadurch oft ein stärkeres Immunsystem haben, leuchtet ein.

Kuschelhormon Oxytocin

Studien bringen aber einen weiteren Gesundheitsfaktor ins Spiel: das Kuschelhormon Oxytocin. Schon durch die Anwesenheit des Tiers wird es beim Menschen ausgeschüttet. "Vor allem aber beim Streicheln", so Beetz. Das Hormon stärke nicht nur die Bindung zum Tier, sondern reduziere auch Stress, senke den Blutdruck und fördere die Regeneration.

Kein Wunder, dass Tiere bereits im Gesundheitswesen eingesetzt werden. "Schon ein Aquarium im Speisesaal eines Seniorenheims bewirkt, dass Demenzkranke ruhiger werden, länger sitzen bleiben und auch mehr essen", so die Psychologin.

Tiere schenken uns ein gutes Gefühl und Geborgenheit. Für Kinder können sie zu engen Vertrauten werden. Dabei lernen jene früh, Verantwortung zu übernehmen, "wenn Eltern die Kleinen im Umgang mit dem Tier ordentlich anleiten", so Beetz.

Kontaktfreudiger mit Hund

Wer Single ist, hat als Hundehalter gute Chancen, dies zu ändern. In einer Umfrage unter Hundebesitzern gaben 77 Prozent an, durch ihr Tier häufiger angesprochen zu werden. Eine Studie zeigt zudem: Wer als Mann mit einem freundlichen Vierbeiner unterwegs ist und Frauen nach der Telefonnummer fragt, hat deutlich mehr Erfolg als hundelose Herrchen. Wenn das nicht glücklich macht!

Autor: Alexander Weis