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Betrachten Sie Kritik als eine Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung.

Kritik schmerzt und verletzt. Betrachten Sie Kritik als eine Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung. - Foto © picture alliance / dpa Themendienst

Im TV-Programm: Psychologie - Was läuft in unserem Kopf?

Sieben Tipps für mehr Gelassenheit

Manchmal fühlt man sich so dünnhäutig, dass selbst die kleinste Stichelei direkt unter die Haut geht und einen tief verletzt. Da braucht nur der Gatte zu fragen, ob das Salz ausverkauft war, weil die Kartoffeln so fad schmecken. Oder der Sohn spöttelt über die neue grüne Jacke, ob man wohl neuerdings zur Jagd gehe. Manches trifft uns auch ohne Worte: Wenn etwa die Freundin lange nicht auf eine E-Mail reagiert oder der Kellner unseren Blick ständig ignoriert.

Angst vor Ablehnung

Warum sind wir zeitweise so empfindlich? Wieso nehmen wir viele Bemerkungen persönlich? Diplom-Pädagogin Barbara Berckhan kennt zwei Gründe: "Wenn jemand mit Worten unser Selbstwertgefühl angreift, ist das wie eine Ohrfeige – das tut weh. Zweitens möchten wir vor anderen gern gut dastehen und ein würdevolles Bild abgeben. Kritisiert uns jemand, fällt dieses Bild in sich zusammen, wir spüren keinen Respekt mehr und sind gekränkt." Das erklärt auch, warum uns Zurechtweisungen von nahestehenden Menschen aus der Familie oder dem Freundeskreis besonders zu schaffen machen: "Das sind Menschen, mit denen wir uns verbunden fühlen, die wir mögen und die uns wichtig sind", sagt Berckhan, die ein Buch über das Einstecken und Austeilen von Kritik geschrieben hat ("Jetzt reicht’s mir!", Kösel).

Wir haben Angst, dass wir nicht nur kritisiert, sondern auch als Person abgelehnt werden. Diese Angst empfindet man nicht jeden Tag gleich stark – und sie kann von Mensch zu Mensch verschieden sein. "Wenn Ihr Selbstwertgefühl stark davon abhängig ist, ob andere Sie mögen oder nicht, sind Sie leichter kränkbar", so die Expertin. Dann reiche es, dass jemand statt einer Umarmung nur "Hallo" sage – und man frage sich: Was habe ich getan? Mag er mich nicht mehr? "Wer sich mit sich selbst nicht wohlfühlt, ist darauf angewiesen, dass dieses Wohlgefühl von anderen kommt."

Doch darauf ist kein Verlass. Das Selbstwertgefühl wird schon in jungen Jahren angelegt, man kann es allerdings auch später noch formen und stärken, kann üben, sich selbst nicht innerlich mit Worten fertigzumachen, und verschiedene Sichtweisen prüfen, sodass man irritierendes Verhalten nicht immer nur auf sich bezieht. Oft hat es nämlich andere Gründe. Mit dieser inneren Einstellung wächst uns ein schützendes "dickes Fell".


Sieben Tipps für mehr Gelassenheit
Mit diesen Anregungen können Sie lernen, ganz entspannt mit Kritik umzugehen.

1. Trennen Sie innerlich zwischen sich und anderen
Die gesündeste Einstellung lautet: Was für dich richtig ist, muss für mich nicht richtig sein. Aber jeder darf seine Meinung zum Ausdruck bringen.

2. Akzeptieren Sie, dass nicht alle Menschen Sie mögen können
Sicher gibt es Menschen, die Ihnen unsympathisch sind – umgekehrt gibt es natürlich auch Leute, denen Ihr Verhalten nicht passt. Das ist nicht schlimm! Man kann es nie allen recht machen.

3. Ziehen Sie klare Grenzen!
Aus Witzeleien entstehen manchmal auch böse Worte. Sagen Sie dann deutlich: "Das hat mich gekränkt." So zeigt man anderen ganz klar, wann es zu viel ist.

4. Denken Sie daran: Man wird nie zu 100 Prozent geliebt oder gehasst
Manches an uns gefällt anderen, manches nicht. Kritik heißt nie, dass jemand uns als Mensch komplett ablehnt.

5. Unterscheiden Sie Gesagtes von Gemeintem
Viele vermeintlich kritische Bemerkungen sagen mehr über denjenigen, der sie äußert, als über Sie. Wer meckert, ist vielleicht nur aufgeregt oder nervös.

6. Fragen Sie Familie und Freunde in kritischen Situationen nach ihrer ehrlichen Meinung
Wenn Sie sich von jemandem übergangen oder angegriffen fühlen, fragen Sie erst einmal nach: "Warum hast du so reagiert? Habe ich mich falsch verhalten?"

7. Betrachten Sie Kritik als eine Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung
Manchmal ist es tatsächlich so: Man verhält sich ohne böse Absicht einfach unpassend. Konstruktive Hinweise darauf können Sie dann enorm weiterbringen!

Autor: Melanie Schirmann