HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Starke Menschen finden ihre gute Laune schnell wieder.

Starke Menschen finden ihre gute Laune schnell wieder, Foto © www.piqs.de / destroyer , CC (Some rights are reserved.)

Seelische Widerstandsfähigkeit

Resilenz - das Geheimnis starker Menschen

Es sind die stürmischen Zeiten, in denen sich zeigt, aus welchem Holz wir geschnitzt sind. Während die einen stark in Schieflage geraten oder gar zu zerbrechen drohen, sind die anderen so elastisch wie Weidenzweige. Sie biegen sich zwar ganz heftig unter der Last, richten sich danach aber unbeschadet wieder auf. Resilienz heißt dieses Phänomen, das übersetzt so viel bedeutet wie seelische Widerstandsfähigkeit. "Es sind die Kräfte, die Menschen aktivieren, wenn sie Krisen, Schwierigkeiten oder Problemlagen im Leben überwinden", sagt die Resilienz-Trainerin Monika Gruhl ("Die Strategie der Stehauf-Menschen", Kreuz-Verlag, 14,95 Euro).

Stärke braucht Schwäche

Jeder kennt solche Stehauf-Menschen, die scheinbar nichts umwerfen kann. Die alles an sich abprallen lassen und in vermeintlich allen Situationen grenzenlose Güte und Zuversicht ausstrahlen. Doch das täuscht: Gerade psychisch starke Menschen hatten oft schon sehr schwache Momente in ihrem Leben. "Jeder erlebt sich selbst irgendwann einmal als Opfer", sagt die Expertin, "etwa als Opfer eines Unfalls, als Opfer widriger Umstände, eigener Ansprüche, fremder Erwartungen." Auch resiliente Menschen sind dann unglücklich – aber sie sind es eben nicht endlos. "Nach einer angemessenen Zeit erholen sie sich, verlassen die Opferrolle, nehmen ihr Leben wieder selbst in die Hand."

------------------------------------------------------------------------------------

Bücher zum Thema:

Monika Gruh: "Die Strategie der Stehauf-Menschen"

Jaron Bendkower: "Mit Multipler Sklerose mitten im Leben: Der Bericht eines Psychotherapeuten zu Selbstheilung und Resilienz "

------------------------------------------------------------------------------------

Einer, der dieses Tal durchschritten hat, ist Jaron Bendkower. Der Schweizer Psychotherapeut erkrankte an Multipler Sklerose (MS), deren zunehmende Symptome ihn zunächst immer mehr verzweifeln ließen. Seine Muskelkraft schwand, die Stimme wurde leiser. "Angst und Schrecken überfielen mich", so Bendkower. "Es war schlimmer als eine depressive Verstimmung. Es war der Horror."

Irgendwann jedoch gelang es ihm, seine Einstellung zu ändern. Er sah die Krankheit nicht mehr als Feind, den es zu bekämpfen galt, sondern betrachtete die Symptome als Freunde, die ihm etwas Wichtiges mitteilen wollten. Vielleicht, dass sein Leben zu schnell war, zu voll, zu fordernd und dass der Körper das nicht mehr mitmacht. "Als ich meine Situation akzeptiert hatte, konnte ich wieder anfangen zu handeln. Zukunftsgerichtet, zuversichtlich." Er begann, ein Buch über seine Erfahrungen zu schreiben, lernte von anderen und erkannte, wie gut ihm das alles tat. "Resilienz ist mir nicht in die Wiege gelegt worden, aber ich konnte sie erwerben – durch meine Willensstärke, meine Freude am Lernen und die Zuversicht, dass schon alles gut wird."

Stärke entwickelt sich

Damit hatte Jaron Bendkower bereits wesentliche Aspekte einer guten Stress- und Krisenbewältigung verinnerlicht – sieben Punkte sind es insgesamt. Sie zu trainieren fällt manchen Menschen leichter als anderen. Monika Gruhl: "Es gibt Leute, die aufgrund ihrer Persönlichkeit gute Grundvoraussetzungen für Resilienz haben. Aber die Persönlichkeit bleibt ja nicht statisch, sondern entwickelt sich beständig weiter" Ganz besonders dann, wenn es Krisen zu überstehen gilt. Damit sind nicht nur harte Schicksalsschläge gemeint: "In jeder Biografie gibt es ganz normale Krisen, die mit äußeren Widrigkeiten zu tun haben, etwa der Pubertät oder den Wechseljahren, ebenso privaten oder beruflichen Veränderungen." Aus ihrer Bewältigung können wir Kräfte ziehen. 62,2 Prozent der Deutschen gaben in einer Umfrage der "Apotheken-Umschau" an, in Krisen Kraft aus sich selbst zu schöpfen.

Der Grundstein für eine robuste Psyche wird bereits in der Kindheit gelegt. Wer sich in seiner Familie sicher und geliebt fühlt, entwickelt leichter seelische Abwehrkräfte als andere, auch sind Geschwister gegenüber Einzelkindern im Vorteil, weil sie früh lernen, Konflikte auszuhalten und zu bewältigen. "Eine behütete Kindheit muss aber nicht zwangsläufig positiv und eine schwierige Kindheit nicht unbedingt negativ sein", sagt Monika Gruhl. Es gebe Kinder, die Schlimmes durchgemacht und relativ unbeschadet überstanden hätten. "Diese Kinder fanden in der Regel eine Person in ihrem Umfeld, der sie vertrauen konnten, die ein Anker für sie war."

Autor: Melanie Schirmann