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Zuversicht und Lebensfreude sind die beste Medizin.

Zuversicht und Lebensfreude sind die beste Medizin. Eine positive Lebenseinstellung kann Herzleiden verhindern. - Foto © picture alliance

Denken Sie sich gesund

Placebo-Effekt

Manchmal kommt die Heilung buchstäblich aus dem Nichts. Immer dann nämlich, wenn ein Placebo im Spiel ist, ein "Scheinmittel" ohne Inhaltsstoffe, das trotzdem Besserung bewirkt. In Pharmastudien soll es den Vergleich mit "echten" Substanzen möglich machen. Deshalb gibt es die sogenannten Placebo-kontrollierten Studien.

Seit etwa 15 Jahren gewinnt der Placebo-Effekt immer mehr an Bedeutung. Inzwischen wissen Forscher, dass auch "Scheinmedikamente" heilen können. Früher war man der Meinung, alles sei Einbildung. Heute aber gibt es handfeste Beweise dafür, dass sie Körperreaktionen auslösen. Prof. Carl Eduard Scheidt, Arzt für Psychosomatische Medizin und Leiter der Thure-von-Uexküll-Klinik in Freiburg sagt: "Placebos aktivieren bestimmte Hirnregionen und greifen in unser Belohnungssystem ein."

Die Immunabwehr wird durch Gefühle und Erwartungen beeinflusst

Es müssen auch gar nicht immer Scheinmedikamente sein, die dafür sorgen, dass es dem Patienten besser geht. Auch Scheinbehandlungen führen zum Erfolg. Eine große Rolle spielt dabei die Beziehung zwischen dem Arzt und seinem Patienten. Prof. Scheidt: "Allein die Art, wie ein Arzt den Effekt eines Medikaments erklärt, kann dessen Wirkung beeinflussen." Sagt der Mediziner etwa schlicht und lakonisch: "Probieren Sie das mal, vielleicht klappt’s ja", sind die Chancen auf durchschlagende Wirkung eher geringer.

Prof. Manfred Schedlowski, Leiter des Instituts für Medizinische Psychologie an der Universität Essen, erforscht mit seinem Team, wie man den Placebo-Effekt gezielt nutzen kann. Es gelang ihm zu beweisen, dass die Immunabwehr durch Gefühle und Erwartungen beeinflusst werden kann. Auch beim Reizdarmsyndrom, bei Schmerzen und Depressionen spielt der Placebo-Effekt erwiesenermaßen eine enorme Rolle.

Hoffnung als Heilmittel

Der Wissenschaftsautor Werner Bartens beschreibt in seinem Buch "Körperglück. Wie gute Gefühle gesund machen" (Knaur) gleich mehrere Fälle, bei denen eine deutliche Besserung erfolgte, obwohl medizinisch wenig Hoffnung bestand. So schnappte ein todkranker Herzpatient bei der Visite das Wort "Galopprhythmus" auf. Für Kardiologen ist dies ein lebensbedrohliches Alarmsignal. Der Patient aber fühlte sich ab sofort stark wie ein Pferd und konnte nach einer Woche aus dem Krankenhaus entlassen werden. Ein Paradebeispiel für den Placebo-Effekt!

Aber nicht jeder Patient reagiert gleich. "Ob ein Scheinmedikament oder einfach nur die Worte des Arztes wirken, hängt von körperlichen und psychischen Faktoren ab", meint Schedlowski. Hat der Patient eine positive Erwartungshaltung, stehen die Chancen für ihn gut. Es gibt aber auch die Schattenseite des Placebo-Effekts: den sogenannten Nocebo-Effekt. Dieser tritt etwa auf, wenn Patienten im Beipackzettel die Nebenwirkungen genau studieren – und sie trotz minimaler Wahrscheinlichkeit dann auch bekommen. In einigen Fällen schüren sogar Ärzte die Ängste. "Das kann wehtun", sagt der Doktor? Jede Wette, dass es wehtut! Zumindest ein wenig.


Fünf Tipps, die Ihren Körper schützen

Sehr wichtig: Stressmanagement und ein guter Hausarzt. Was Sie sonst noch für sich tun können.

1. Bleiben Sie dem Hausarzt treu

Wer über lange Jahre gute Erfahrungen mit seinem Arzt gesammelt hat, sollte auf einen Wechsel verzichten. Denn allein das Vertrauen zum Hausarzt kann die Heilung beschleunigen. Umgekehrt weiß der Mediziner, was Sie brauchen: etwa Zuspruch, eine konsequente Therapieplanung oder detaillierte Erklärungen. Dieses gute Zusammenspiel zwischen Arzt und Patient ist Gold wert.

2. Glauben Sie an den Erfolg

Versuchen Sie, bei vor allem schmerzhaften Behandlungen möglichst locker und zuversichtlich zu bleiben. Bei Patienten, die entspannt sind und wenig Ängste haben, führen allein positive Gedanken zur Schmerzlinderung. Die Botenstoffe, die Optimismus und Hoffnung in Bezug auf eine Therapie freisetzen, wirken im Gehirn oft an denselben Rezeptoren wie Medikamente.

3. Denken Sie langfristig

Ernste Erkrankungen entstehen selten von heute auf morgen. Herzleiden und Krebs bilden sich über einen langen Zeitraum. Deshalb hilft konsequentes Stressmanagement. Denn Stress flutet den Körper mit krank machenden Botenstoffen. Sport, bewusste Pausen oder Meditation wirken dem entgegen, weil die Stresshormone dadurch sofort wieder abgebaut werden.

4. Optimismus schützt

Vor allem das Herz. Eine positive Lebenseinstellung kann Herzleiden verhindern. Das beweist die groß angelegte Women’s Health Initiative. Demnach haben optimistische Frauen ein bis zu neun Prozent geringeres Risiko, herzkrank zu werden, als Frauen, die eher schwarzsehen.

5. Bei starken Ängsten Hilfe suchen

Große Sorgen, düstere Aussichten, immense Anspannung: All das wirkt sich im Körper negativ auf die Balance der Botenstoffe aus. Wer immer nur an den Katastrophenfall glaubt, leidet stärker. Wer das Gefühl hat, eine Situation nicht selbst bewältigen zu können, sollte daher Freunde, in schweren Fällen vielleicht sogar einen Psychiater oder Psychologen aufsuchen, um einen Weg aus der dauernden Grübelfalle zu finden.

Autor: Esther Langmaack