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Tägliche Hetze: ein gutes Zeitmanagement ist Gold wert.

Tägliche Hetze: ein gutes Zeitmanagement ist Gold wert und schafft Raum für Dinge, die wirklich im Leben zählen. - Foto © picture alliance / Widmann-McP/B

22 Tipps gegen täglichen Stress

Mehr Zeit fürs Leben

Mehr Zeit fürs Leben: Zeitexperte Prof. Lothar Seiwert gibt exklusiv für HÖRZU Tipps, wie Sie dem täglichen Stress entkommen – und sich Raum schaffen für das, was wirklich zählt.

Das schnellste Auto, die rasanteste Karriere, die beste Marathonzeit, die meisten E-Mails – bedeutet das alles: der größte Erfolg? Und ist das Leben besser, je mehr der Mensch schafft? Nein! Das sagt Prof. Lothar Seiwert, Experte für Zeitmanagement und Bestsellerautor (etwa "Simplify Your Life", "Wenn du es eilig hast, gehe langsam").

Jetzt erscheint sein neues Buch: "Zeit ist Leben, Leben ist Zeit". Darin fasst Seiwert Ergebnisse seiner jahrzehntelangen Arbeit zusammen und gibt praktische Tipps, wie man Zeitprobleme löst, seine Lebenszeit sinnvoll und erfüllend nutzt. Gemeinsam haben HÖRZU und Lothar Seiwert die folgenden Tipps erarbeitet. So bleibt Ihnen mehr Zeit für ein schönes Leben.

1. Die innere Uhr kennenlernen

Morgens zwischen sechs und acht Uhr wachen die meisten Menschen auf. Von zehn bis zwölf sind sie geistig besonders leistungsfähig, zwischen zwölf und 15 Uhr brauchen sie eine Pause. Von 17 bis 19 Uhr ist die beste Zeit für Freizeitsport, am tiefsten schlafen die meisten Menschen zwischen 23 und 1 Uhr. Doch nicht jeder funktioniert wie der Durchschnitt. Wer seine innere Uhr kennt, sie respektiert und die Tage entsprechend gestaltet, hat mehr von jeder einzelnen Stunde.

2. Das eigene Tempo feststellen

Jeder Mensch hat eine Art "inneren Tempomaten": Für regelmäßig wiederkehrende Handlungen ist sein Zeitbedarf gleichbleibend. Wie lange brauchen Sie, um Ihr Frühstück zuzubereiten, die Wäsche zu bügeln, die Zeitung zu lesen oder die Post durchzuschauen? Stellen Sie Ihren Zeitbedarf fest, und planen Sie entsprechend. "Menschen, die nach ihrem individuellen Tempo leben, brennen nicht aus", schreibt Lothar Seiwert in seinem neuen Ratgeber (siehe Buch-Tipp rechts).

3. Langsam gehen

Ärzte raten Menschen, die zu Hektik neigen, täglich mindestens zehn Minuten langsam zu gehen. Einen Fuß bewusst vor den anderen setzen, ruhig atmen, die Umgebung wahrnehmen: Das tut jedem gut. Eine schlichte Aktivität wie das Gehen wird zum Genuss, zur Extrapause im Alltag, zum Zeitgeschenk. Allerdings verhalten sich die meisten Menschen genau entgegengesetzt. So zeigt zum Beispiel eine Studie, dass unsere allgemeine Gehgeschwindigkeit innerhalb von nur zehn Jahren um zehn Prozent gestiegen ist.

4. Langsam Auto fahren

Geschwindigkeit ist toll. Aber auch gefährlich! Fest steht, dass ein hohes Fahrtempo die Gesundheit des Fahrers schädigt und nur zu sehr geringen Zeiteinsparungen führt. Probieren Sie’s doch mal aus: Langsamer fahren, entspannt ankommen. Wahrscheinlich haben Sie so mehr vom restlichen Tag – und vielleicht sogar ein längeres Leben.

5. Sich unerreichbar machen

Ab und zu pure "Ich-Zeit" erleben. Alle Telefone, Computer und die Türklingel einmal ausschalten. Einfach nur da sein, für sich sein, ungestört. Herrlich. Sie meinen, Sie könnten sich das nicht erlauben? "Doch, jeder kann sich das leisten", behauptet Lothar Seiwert.

6. Nein sagen

"NEIN – diese vier Buchstaben sind die effektivste Möglichkeit, sich Freiraum zu schaffen und auf das Wesentliche zu konzentrieren", so Seiwert. "Nein sagen" ist sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn gemeint. Es bedeutet unter anderem: Informationen bewusst nicht aufnehmen, Termine vermeiden, Aufgaben ablehnen.

7. Ordnung schaffen

Materiellen und mentalen Ballast abwerfen. Dinge, Aufgaben, Gedanken ordnen. Das Leben entrümpeln – denn wer sich verzettelt, verschwendet Zeit. Auch sollte man darauf achten, nicht zu viele Rollen ausfüllen zu wollen: Managerin, dreifache Mutter, 20-fache Freundin, pflegende Tochter, Spitzenköchin, Golfspielerin, Kunstkennerin, Weltreisende – viele Menschen laden sich zu viel auf die Schultern. Und scheitern dann zwangsläufig.

8. Nichts aufschieben

"Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen." Eine alte Weisheit, die bis heute hilft. Lothar Seiwert: "Die Erfahrung lehrt: Was Sie nicht innerhalb von 72 Stunden in Angriff nehmen, schieben Sie für immer auf die lange Bank."

9. Ein jedes Ding an seinem Ort

Jedem Gegenstand sollte man einen Ort zuweisen. Und wenn man etwas herausnimmt, es nach Gebrauch zurücklegen. Was hinuntergefallen ist, gleich aufheben. Damit kehrt zeitsparende Ordnung ein. Das gilt auch für Tätigkeiten: Im Schlafzimmer möglichst nur schlafen (und nicht fernsehen), am Arbeitsplatz nur arbeiten (und nicht essen) etc.

10. Einfache Dinge ehren

Muss der neue Fernseher tatsächlich zig mehr Funktionen haben als der alte? Und das Telefon, die Küchenmaschine? Je vielseitiger technische Geräte sind, desto mehr Zeit kostet es, ihre Bedienung zu lernen. Deshalb können schlichtere Modelle die bessere Wahl sein. Manchmal lohnt es sich auch, defekte Geräte reparieren zu lassen.

Zeitmanagement Freizeit
Foto © picture alliance

11. Achtsam sein

Das Hier und Jetzt wahrnehmen, den Klängen der Umwelt lauschen, den Wind erspüren, das Gänseblümchen am Wegesrand betrachten, den Duft des warmen Frühlingsabends in sich aufnehmen: Wer achtsam mit seiner Umwelt und auch mit sich selbst umgeht, mit dem eigenen Atem, den eigenen Bewegungen, lebt bewusst und nutzt seine Zeit. "Der Augenblick ist der Maßstab für die Kunst des Lebens", so Lothar Seiwert.

12. Das Warten genießen

Bus verpasst? Ein volles Wartezimmer beim Arzt? Der eingeladene Freund verspätet? Halb so schlimm! Werten Sie die Wartezeit als geschenkte Zeit, und nutzen Sie sie, um die Umgebung zu erspüren (siehe Tipp 11).

13. Selbstbestimmt handeln

"Wir entscheiden selbst, was wir tun und was nicht", schreibt Prof. Seiwert. Viele Menschen lassen sich jedoch von äußeren Umständen leiten, sie handeln fremdbestimmt. Entscheidungen zu treffen kostet Kraft, wenn man es nicht gewohnt ist. Doch die Anstrengung zahlt sich auf Dauer aus, es bleibt mehr Zeit für das, was uns wirklich wichtig ist.

14. Prioritäten setzen

"Wer weiß, was er will, verzettelt sich nicht in Nebensächlichkeiten, sondern gewinnt Zeit", sagt der Zeitexperte.

15. Die eigenen Stärken nutzen

Welche Kenntnisse und Fähigkeiten zeichnen Sie aus? Finden Sie heraus, welche das sind – und setzen Sie diese in der Folge auch tatkräftig ein. Viele Menschen überfordern sich, indem sie Dinge tun, für die sie nicht geschaffen sind. Dadurch verpufft wertvolle Zeit im Privatleben und im Beruf.

16. Delegieren lernen

Nutzen Sie die Stärken der anderen. Warum die Wohnung selbst streichen, wenn Sie kein Geschick dafür haben? Warum die Akten sortieren, wenn der Kollege das viel besser kann? Vom Delegieren profitieren beide Seiten.

17. Tschüs, Perfektionismus!

Alles richtig machen zu wollen ist eine Illusion. Seiwert: "Wer perfekt sein will, wird nie fertig, ist ständig im Stress." Lösen Sie sich von übertriebenen Ansprüchen an sich selbst.

18. Dringlich ist nicht wichtig

Unterscheiden Sie Dringliches von Wichtigem. Dringlich erscheinen mögen das Blinken des Anrufbeantworters, die volle E-Mail-Eingangsbox, die Mitteilsamkeit der Kollegin. Doch wirklich wichtig ist das alles wahrscheinlich nicht – im Unterschied etwa zum Abendessen mit den Kindern, zum Theaterbesuch mit dem Partner oder zur Vorsorgeuntersuchung beim Arzt.

19. Termine für das Wichtige

Viel zu oft neigt man dazu, sich schnell um etwas zu kümmern, entscheidende Dinge aber auf die lange Bank zu schieben. Deshalb sollte man dem Wichtigen feste Termine geben. Und diese dann auch einhalten.

20. Großzügig planen

Verplanen Sie täglich nur 50 Prozent Ihrer Zeit, rät Lothar Seiwert. "Der Rest ist Pufferzeit für den Alltagskram, dessen man sich nicht entledigen kann."

21. Glücksgefühle fördern

Die schönsten Momente sind diejenigen, in denen der Mensch ganz in dem aufgeht, was er tut. In denen er Erfüllung spürt, weder an gestern noch an morgen denkt. Manche Menschen erreichen dies auf Wanderungen oder bei kreativen Tätigkeiten. Andere beten oder meditieren. Das alles kostet nicht viel Zeit.

22. Dem Masterplan folgen

Wer möchte ich sein? Wie will ich leben? Letztendlich sind es diese großen Fragen, die jeder für sich beantworten muss, um seine Zeit erfüllend zu nutzen. Wer die Antworten kennt, ist gegen Zeitverschwendung weitgehend gefeit.


Mehr Zeit für Gefühle

Emotionen sind eine Quelle der Kraft. Wer sie schätzt und richtig nutzt, findet mehr Glück und Sinn im Leben.

Benediktinerpater Anselm Grün

Benediktinerpater und Autor Anselm Grün. - Foto © picture alliance / Frank May

"Emotionen bewegen uns. Sie bringen uns innerlich in Bewegung", schreibt Anselm Grün, Benediktinerpater und Autor vieler Bestseller, in seinem neuen Buch "Kleine Schule der Emotionen" (Herder, 160 Seiten, 14,99 Euro, im Buchhandel ab 16. April). "Sie bestimmen auch unser Verhalten und unser Verhältnis zur Welt und zu anderen Menschen. Das Wort stammt von dem lateinischen Wort 'emovere', das 'herausbewegen, emporwühlen' bedeutet. Die Emotionen wühlen uns oft innerlich auf."

Doch viele Menschen nehmen sich nicht die Zeit, sich ihren Emotionen zu stellen. Pater Anselm möchte ihnen mit seiner "Kleinen Schule" helfen: Von A wie Angst bis Z wie Zuversicht erklärt er die Entstehung von Emotionen, ihren Nutzen und wie sie unser Leben bereichern. Gerade jetzt, zu Ostern, dem größten Fest der Christenheit. Denn es ist ja eine Zeit starker Emotionen wie Trauer, Dankbarkeit, Hoffnung, Freude. In jedem von uns liegt auf dem Grund seiner Seele Freude bereit", so Anselm Grün. "Wir können weder uns selbst noch andere zur Freude zwingen. Doch manchmal braucht es offensichtlich einen Aufruf zur Freude. So hat Paulus aus dem Gefängnis heraus die Philipper aufgerufen: 'Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!' (Phil 4,4)."

Jede Emotion sei kostbar, sinnvoll, gut, erklärt der Pater. Eindrucksvoll beschreibt er, wie er Enttäuschungen erlebt und wie sie letztlich etwas Gutes bewirken: "So befreit mich die Enttäuschung von allem Egoismus, dass ich immer durchlässiger werde für den Geist Jesu Christi." Auch der Hass, eine bisweilen zerstörerische Kraft, kann demnach positive Wirkung entfalten – wenn die Menschen sich durch Hass ihre eigenen Rechte bewusst machen und lernen, sich abzugrenzen, sich zu schützen. "Wenn man so mit seiner Emotion umgeht, verwandelt sich der Hass in Selbstvertrauen, in Klarheit und Freiheit." Das gelingt, wenn wir uns mehr Zeit für unsere Gefühle nehmen. Nicht nur zu Ostern.

Autor: Nele-Marie Brüdgam