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Wer offen für Neues bleibt, schließt auch im Alter leichter Freundschaften.

Wer offen für Neues bleibt, schließt auch im Alter leichter Freundschaften. / Foto: © picture alliance/Beyond

Mehr Freude und Gesundheit im Alter

Eine späte Freundschaft schließen: So gelingt es

Sie weiß, wie sie Menschen zum Lachen bringt. Lotte Lene Thaysen braucht nur einen guten Witz zu erzählen. So auch jetzt: "Die Ehefrau zum Ehemann: Du schubst mich durch die Gegend und sprichst immer hinter meinem Rücken. Der Mann zu seiner Frau: Das liegt daran, dass du im Rollstuhl sitzt, Darling." Die Frau neben ihr lacht herzerfrischend. Zur Lebenszufriedenheit gehören solche Glücksmomente – und eine beste Freundin.

Rosemarie Gossmann hat sie noch spät getroffen: Sie war fast 70 Jahre alt, als sie im schleswig-holsteinischen Marne Lotte Lene Thaysen kennenlernte, eine ehemalige Lehrerin, damals 66. "Wir kannten uns nur vom Sehen", erzählt Thaysen. "Ich ging in einem Buchladen auf sie zu und fragte: ‚Haben Sie Lust auf einen Cappuccino?‘" Es sei eine spontane Idee gewesen – die sofort auf Gegenliebe stieß. "Ich hatte Lust dazu", sagt Gossmann. Das war im Juni 1999.

Heute sitzen sie in ihrem Lieblingscafé "Milano" in Friedrichskoog. Jede trinkt einen Cappuccino. Die Waffel mit heißen Kirschen und Eis teilen sie sich schwesterlich.

Man hat den Eindruck, dass sie sich schon ewig kennen. Sie sticheln und foppen sich, ergänzen und unterbrechen sich. Zwei, die sich gut verstehen. Beide Witwen, jede hat einen Sohn und zwei Enkelkinder. Sie haben sich viel zu erzählen. Ihre Blicke sind dabei wach und neugierig.

Sie wirken jünger als 80 und 83. Dabei haben beide schon schwere Krankheiten durchgemacht. "Aber nie gleichzeitig", so Gossmann. "Wir sind ein eingespieltes Team: Die eine ist für die andere da – notfalls auch nachts."

Geteiltes Leid, doppeltes Glück

Sie teilen inzwischen (fast) alles miteinander: ihre Wehwehchen, ihre Freizeit, ihre Erinnerungen – nur den Haushalt nicht. Jede wohnt in ihren eigenen vier Wänden. Allein zu schlafen sei kein Problem. Aber sich nicht mit jemanden auszutauschen, Tag für Tag, das wäre fatal.

Für viele ist es leider Realität: Mehr als zwei Millionen Frauen und Männer über 80 leben derzeit in Deutschland allein. Immer mehr von ihnen sind einsam. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) ergab: Jeder vierte alte Mensch hat nur noch einmal im Monat Besuch von Freunden und Bekannten. Manche haben gar keinen Kontakt mehr zur Umwelt.

Das Glück, spät noch eine neue Freundschaft zu knüpfen, mag einer Minderheit vorbehalten sein. Doch genau diese Fähigkeit wird für die Lebensqualität im Alter künftig immer wichtiger.

Ein Spaziergang auf dem Deich. Rosemarie Gossmann und Lotte Lene Thaysen haken sich ein. Ihre Freundschaft ist ihr Lebensgerüst, das sie trägt. Jeden Morgen telefonieren sie miteinander, um den Tag zu planen: den Einkauf, den Arzttermin, die Gymnastik. Vor längerer Zeit besuchten sie einen Kurs für Aquarellmalerei. Auch Computer und Internet sind längst kein Neuland mehr. Sie schicken Mails, skypen mit den Enkeln.

zwei Freundinnen

Wenn die eigenen Kinder und Enkel weit entfernt wohnen, werden gute Freunde zur Ersatz-Familie. / Foto: © picture alliance/Beyond

Was schätzen sie aneinander? "Verlässlichkeit, Loyalität, Ehrlichkeit, Vertrauen, Humor", sagt Gossmann. Und welche Tipps geben sie, damit Freundschaft auch im Alter gelingt? "Offen bleiben für neue Impulse, die Vorlieben des anderen auch für sich entdecken, gemeinsam noch etwas Neues erlernen." Dafür sei man nie zu alt. "Und man sollte Meinungsverschiedenheiten nicht so persönlich nehmen, nicht nachtragend sein", ergänzt Thaysen. "Eine Freundin, die sich wie eine blöde Kuh benimmt, muss man einfach eine blöde Kuh nennen. Aber ins Gesicht. In aller Freundschaft. Und dann die Hand drauf."

Älter werden ist ein Geschenk – wenn man vital bleibt. Heute weiß man, dass soziale Isolation die Gesundheit mehr gefährdet als das hohe Alter selbst. "Unsere Freundschaft ist wie alternative Medizin", schmunzelt Thaysen. Und was rät sie einsamen Menschen? "Mut ist Lebenskraft. Er bringt uns nach vorn. Einfach mal auf andere zugehen – auch wenn es dann nur zum Halma-Spiel kommt."


Expertentipps: Offen für Neues bleiben

Nicht allein zu sein, das wünschen sich die meisten alten Menschen. Diplom-Psychologin Svenja Lüthge verrät, wie man auch im Rentenalter Vertraute findet und Freundschaften pflegt.

Aktiv sein Im Chor singen, in die Seniorengruppe der Kirche gehen, Lesezirkel oder Häkelkreis besuchen – man wählt das, was einem wirklich Spaß bringt.

Mutig sein Einfach mal über den eigenen Schatten springen und sich den Menschen annähern – man hat ja nichts zu verlieren. Wer das einmal gewagt hat, gewinnt an Selbstvertrauen.

Offen sein Neues ausprobieren – das stärkt das Selbstwertgefühl. Und wenn einem etwas nicht gefällt, lässt man es wieder sein.

Bemüht sein Gute Freundschaft entsteht nicht von allein. Sie beruht auf Vertrauen und Verständnis und einer guten Balance zwischen Nehmen und Geben.

Autor: Anja Matthies