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Liebe geht durch den Magen.

Liebe geht durch den Magen. Doch wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist? So lautet der Titel des neuen Buches von Eckart von Hirschhausen. - Foto © picture-alliance / Creasource

Eckart von Hirschhausen

Die Wunder der Liebe

Eckart von Hirschhausen stellt in HÖRZU vorab die schönsten Ideen seines neuen Buches vor: "Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist?"

Als Arzt fasziniert es mich, wie sehr in den letzten Jahren das Bewusstsein dafür gewachsen ist, dass Menschen durch positive Gefühle gesund bleiben, ja, sich gegenseitig heilen. Leben Verheiratete länger, oder kommt es ihnen nur so vor? Das ist kein Witz: Die Liebe ist im wahrsten Sinne lebensentscheidend! Sie beschleunigt die Wundheilung, verhindert Herzinfarkte.

Autor Eckart von Hirschhausen

Eckart von Hirschhausen mit seinem neuen Buch "Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist?"
Foto © picture alliance / dpa

Eckart von Hirschhausen: Ein Arzt zum Gesundlachen

Dr. Eckart von Hirschhausen (45) ist Mediziner, Moderator, Komödiant und Wissenschaftsjournalist ("Frag doch mal die Maus"). Mitte der 90er-Jahre entdeckte der Arzt seine wahre Berufung, machte Kabarett und trat in Zaubershows auf. 2006 landete er den Bestseller "Die Leber wächst mit ihren Aufgaben". 2008 begründet er die Stiftung "Humor hilft heilen". Seit 2009 ist er Ko-Moderator der NDR-Talkshow "Tietjen und Hirschhausen".


Den größten Gewinn an Lebenserwartung haben jene, die sich für andere einsetzen. Aus der Medizin weiß ich, dass es kaum eine wirksamere Arznei gibt als Zuwendung. Was lange mit dem Spruch "Das ist doch nur Placebo" abgetan wurde, hat große heilende Effekte. Vielleicht war es ein Irrweg, statt einzelner Mittel nicht ebenso die Wirkung von liebevoller Zuwendung zu untersuchen. Das ist auch hilfreicher, als ständig Mythen über die Unterschiede von Männern und Frauen zu verbreiten. Beide stammen nicht von Mars und Venus, sondern haben viel gemeinsam. Die größte Gemeinsamkeit: Alle brauchen Liebe. Wie sich Liebe wandelt und welche Wunder sie bereithält, untersuche ich in meinem neuen Buch "Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist?". Hier schon mal eine Kostprobe.

Wunder 1: Mama liebt mich!

Was ist das Wunder der Geburt? Dass unsere Mutter uns überhaupt gemocht hat! Das ist alles andere als selbstverständlich. Wir haben sie über Monate von innen getreten und nächtelang wach gehalten, sorgten für Sodbrennen und eine Gewichtszunahme von 20 Kilo, von denen sich nach der Geburt nur drei erklärten. Und dann zwängten wir uns in die Welt – und bescherten ihr große Schmerzen. Doch unsere Mutter sah uns und hatte uns lieb. Wie ist das möglich? Nur mit massivem Einsatz einer Droge, des Hormons Oxytocin, der rosa Brille der Evolution. Jede Mutter der Welt blickt auf ein käsig verschmiertes Etwas und sagt: "Das ist das schönste Kind, das jemals geboren wurde!" Und du stehst als Arzt daneben und möchtest diesen kostbaren Moment nicht zerstören. Ein Gegenbeispiel: Wenn einen Mann ein Nierenstein plagt, der auch über einen natürlichen Weg ins Freie muss, dann tut das ebenfalls sehr weh und dauert Stunden. Aber ich habe noch nie erlebt, dass ein Mann im Nachhinein sagt: "Das war der schönste Moment in meinem Leben." Da fehlt einfach das Hormon.

Wunder 2: Ich liebe zurück

Frisch Verliebte sind psychiatrisch betrachtet in ihrem Denken sehr eingeengt. "Ah, guck mal, da fährt ein rotes Auto. Mein Schatz fährt auch ein rotes Auto. Das beweist, dass er gerade an mich denkt." Es macht einen großen Unterschied, ob man solche Sätze zu einem Arzt in einer Nervenklinik oder zur besten Freundin sagt. Aber beide werden im Zweifel nichts unternehmen, denn diese Störung geht von allein vorbei. Das hat die Natur so eingerichtet, sonst käme man zu nichts mehr. Das Gesunde an der Liebe ist aber weniger der Dopamin-Rausch des ekstatischen Verliebtseins als vielmehr das stille Oxytocin-Glück des Zusammengehörens. Denn das kann ein Leben lang wachsen und ist auch nicht auf einen Menschen beschränkt. Das Gefühl, verbunden zu sein, gebraucht zu werden, sich gegenseitig zu helfen, ist eine Form der Liebe, die in unserer hektischen Zeit oft zu kurz kommt. Deshalb begeistert mich die Idee der "free hugs": Menschen bieten auf öffentlichen Plätzen Umarmungen an. Einfach so. Ich habe es selbst einmal am Alexanderplatz in Berlin ausprobiert. Es ist verrückt, dass so etwas Einfaches, wie in den Arm genommen zu werden, vielen Menschen offenbar fehlt. Und es ist herzerwärmend zu sehen, wie gelöst selbst coole Großstädter nach solch einer Berührung ihrer Wege ziehen.

Wunder 3: Ich liebe über mich selbst hinaus

"Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" heißt genauer übersetzt: "Liebe deinen Nächsten, denn er ist wie du." Oder salopp gesagt: "Liebe dich selbst, dann können die anderen dich lieben." In dem Moment, in dem ich mit mir glücklich bin, kann ich auch mit anderen glücklich sein. Möglichst mit vielen. Wir brauchen nämlich nicht nur einen Partner, wir brauchen Netzwerke, Mehrgenerationenhäuser mit Tanten, Omas, Opas, vielen Kindern. Liebe ist die Summe aller unserer Beziehungen. Vielleicht ist die höchste Aufgabe der Liebe die Selbstaufgabe. Wenn man sich mit dem Gedanken der Endlichkeit etwas anfreunden kann, konzentriert man sich automatisch auf die Dinge, die ihren Wert behalten. Alles, was wir in Liebe bekommen und in Liebe weitergeben, alles, was wir jemandem gezeigt und erklärt haben, was wir gesät und gepflanzt, gezeugt und bezeugt haben, das bleibt. Manchmal stelle ich mir vor, wie es wäre, wenn wir erst als Erwachsene laufen lernen würden. Ich wette, die meisten würden weiter am Boden krabbeln – aber gute Entschuldigungen parat haben. Etwa: "Also, ich hab das mit dem aufrechten Gang ernsthaft probiert, aber es ist einfach nicht mein Ding." Wenn man sieht, mit welchem Eifer ein Kind losläuft, auf die Nase fällt, wieder aufsteht und irgendwann laufen kann, gibt es keinen Grund, warum das mit dem Lieben nicht genauso funktionieren sollte. Das Tolle ist: Man kann ein Leben lang besser darin werden. Laufen lernen kann man nie wieder, wenn man es erst einmal kann. Lieben lernen kann man immer wieder neu.

Autor: Eckart von Hirschhausen