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Freundschaft und Liebe schenken Geborgenheit.

Freundschaft und Liebe schenken Geborgenheit. - Foto © picture alliance / Bildagentur-online

Eckart von Hirschhausen

Die neue Glücks-Formel

Experten wie Eckart von Hirschhausen haben erkannt: Wo das Glück sich versteckt, wie man es findet, weshalb Geld dabei kaum eine Rolle spielt. Plus: Zehn einfache Glücksbringer.

Glück Eckart von Hirschhausen

"Wer sagt: 'Ich habe kein Glück', liegt immer falsch", sagt Eckart von Hirschhausen, Kabarettist, Glücks-Coach und Arzt. - Foto © picture alliance / Bildagentur-online

Statt am Schreibtisch Löcher in die Luft zu starren – lieber mal in der Mittagspause zügig um den Block laufen. Statt sich über den Regen zu ärgern – abends ein paar Freunde treffen. Ein bisschen Bewegung, nette Kontakte, sich an Kleinigkeiten freuen – so einfach geht Glück. Behauptet zumindest Eckart von Hirschhausen. Und der muss es als Arzt und Kabarettist eigentlich wissen (siehe auch Interview weiter unten).


Raus aus dem Wintertief!

Grundregeln von Eckart von Hirschhausen: Dreimal Freude.

1. Bewegung
Sie kurbelt die Produktion der Glückshormone an – vor allem, wenn man im Freien aktiv ist.
2. Freundschaft
Sie gibt Geborgenheit.
3. Achtsamkeit
Sie lehrt uns, die winzigen Wunder der Welt bewusst zu genießen.


So klein ist das Glück also, so gewöhnlich. Wir glaubten, weit dafür laufen zu müssen, suchten es in unerreichbarer Ferne. Dabei lag es offenbar am Wegesrand, direkt vor unseren Augen. Wir haben es nur nicht gesehen. Glücksforscher bestätigen: Genau das ist unser Problem mit dem Glück.

Schon der Begriff erdrückt uns, macht uns Angst, jagt uns einen Schauer über den Rücken. Lässt uns an etwas ganz Großes glauben: ein perfekt poliertes Hochglanzgefühl ohne den kleinsten Kratzer. Und schon laufen wir an den wahren Glücksbringern vorbei.

Warten? Nein. Machen? Ja!

"Glück hat viel mit einzelnen Momenten zu tun", sagt Psychiater Mathias Berger vom Universitätsklinikum Freiburg. Es versteckt sich im freudigen Herzklopfen, wenn ein alter Freund mal wieder angerufen hat. Im Lieblingslied, das gerade im Radio läuft. Im erleichterten Aufseufzen, weil Feierabend ist. Oder im Betrachten eines Sonnenuntergangs. In den kurzen Jauchzern des Lebens sozusagen. Das Glück will gefunden werden. Wer es erwartet, geht oft leer aus.


Zehn kleine Glücksbringer

Serotonin Schokolade
Foto © picture-alliance / beyond/beyond

1. Lachen
Es senkt den Pegel der Stresshormone im Blut und fördert die Ausschüttung von Beta-Endorphinen. Gut auch gegen Depressionen!
2. Schokolade
Ihre Inhaltsstoffe Anadamid und Phenylethylamin stimulieren das zentrale Nervensystem und steigern das Glücksempfinden.
3. Glückstagebuch
Täglich aufschreiben, was toll war und was gut geklappt hat. Rückt das eigene Leben in ein besseres Licht.
4. Jemandem helfen
Forscher der Universität Michigan bewiesen: Menschen fühlen sich nach einer guten Tat besonders wohl, weil sie ihren Wert fühlen und die Verbundenheit mit anderen.
5. Sich selbst verwöhnen
Sich einen neuen Krimi kaufen, zum Friseur anmelden, zum Kaffee eine Konditorei besuchen. Selbst Kleinigkeiten, die man sich gönnt, steigern das Wohlgefühl, weil sie Wertschätzung gegenüber sich selbst signalisieren.
6. Mit Freunden kochen
Bielefelder Wissenschaftler fanden heraus: Mit den Freunden oder der Familie zu kochen fördert das Wohlfühlklima und stärkt das Geborgenheitsgefühl.
7. Mit Silber und von Porzellan essen
Selbst wenn es nur ein Butterbrot ist! Holen Sie das gute Geschirr und das teure Besteck aus dem Schrank. Es wertet den Moment auf und stützt das Gefühl, sich selbst nicht zu vernachlässigen.
8. Aktiv werden
Möbel umstellen, heimwerken, die eigene Kreativität ausleben! Dann fühlen wir uns erfüllter – und es gelingt uns einfach mehr.
9. Ein Tier streicheln
Das Fell eines Tieres beruhigt, sagt Psychologin Anja Beetz. Zudem sinkt der Blutdruck, und Verspannungen lösen sich.
10. Im Grünen spazieren gehen
Schon fünf bis 15 Minuten heben laut einer Studie der britischen University of Sussex die Laune und die Selbstachtung und sorgen für Hochgefühl.


Die Faustregel des Glücksforschers Jan Delhey von der Bremer Jacobs University lautet: "Aktive Leute sind zufrieden, passive Leute weniger zufrieden." Der Grund: Aktive Menschen nehmen ihr Leben in die Hand, statt Änderungen zu erwarten. Damit arbeiten sie automatisch an ihrem Glück. Außerdem ist man im aktiven Zustand wachsamer und aufmerksamer für das Glück. Das Gefühl, ohnehin nichts ändern zu können und ohnmächtig auf Eingebungen des Schicksals zu warten, ist Aktiven fremd.

Glückspotenzial hat jeder

Glück ist machbar – zum Teil wenigstens. Zwillingsstudien US-amerikanischer, britischer und Schweizer Forscher bescheinigen aber: Auch unsere Gene haben ein gewisses Mitspracherecht. Ob wir unser Glückspotenzial ausschöpfen können, wird zu einem Drittel durch die Ausschüttung des körpereigenen, stimmungsaufhellenden Hormons Serotonin bestimmt.


"Glück ist Haben plus Lieben plus Sein"
Jan Delhey, Glücksforscher an der Jacobs University Bremen


Extrovertierte Menschen, die sich anderen leicht öffnen und schnell Kontakte knüpfen, scheinen auf dem Weg zur Zufriedenheit ebenfalls einen Vorsprung zu haben. Günstige Startvoraussetzungen ins Leben spielen dagegen kaum eine Rolle: Die US-Forscherin Emmy Werner war selbst überrascht von den Ergebnissen ihrer Studie, die eine ganze Generation umfasste: Wer aus einem perfekten Elternhaus ohne Geldsorgen und Probleme stammte, war als Erwachsener oft weniger glücklich als Kinder, die aus zerrütteten, schwierigen oder armen Familien kamen. Einer der entscheidenden Unterschiede: Wer kämpfen musste, hatte gelernt, selbst Verantwortung für sich und sein Glück zu übernehmen, war aktiver.

Bloß kein Millionär sein!

Was die Studie schon erahnen ließ: Mit Geld lässt sich Glück offenbar nicht kaufen. Glücksforscher Bruno Frey bestätigt: "Untersuchungen zeigen: Wenn man sich ein schönes Auto kauft, glaubt man zuerst, dies sei toll, man hat eine riesige Freude und schätzt sich glücklich. Aber schon nach ein, zwei Monaten hat man sich an den neuen Wagen gewöhnt. Ganz ähnlich ist es mit einer neuen Wohnung oder einem neuen Haus. Diese Dinge werden relativ schnell als selbstverständlich betrachtet.“


Interview mit Glücks-Coach Dr. Eckart von Hirschhausen

Glücks-Coach Dr. Eckart von Hirschhausen

"Glückliche Menschen kreisen nicht um sich selbst". - Foto © picture alliance / dpa

Dr. Eckart von Hirschhausen ist ein Arzt, der das Glück untersucht. Seine Erkenntnis lautet: Lachen macht tatsächlich gesund! Deshalb arbeitet der promovierte Mediziner auch nicht mehr im Krankenhaus, sondern als Glücks-Coach und Entertainer.

HÖRZU: Herr Dr. von Hirschhausen, Sie nehmen das Thema Glück sehr ernst. Aber ist es nicht eher Zugabe als Basis des Lebens, also eher der "Bonustrack"?
Eckart von Hirschhausen: Nein, die Glücksforschung hat zu einer der größten Revolutionen im Denken geführt und ist noch viel zu wenig angekommen. Wir müssen weg von der Blickrichtung: Was macht Menschen krank? Und hin zu den Fragen: Was macht ein gelingendes Leben aus? Wie können wir mehr genießen? Dieses Umdenken hat große Auswirkungen auf die Gesundheit. Es macht einen Unterschied, ob ich gestresst durch den Tag gehe oder mir Inseln von Genuss und Entspannung schaffe. Das Gegenteil von Glück ist nicht Unglück, sondern Ausgebranntsein.
HÖRZU: Sollen wir denn alle zu dauergrinsenden Gute-Laune-Zombies werden?
Eckart von Hirschhausen: Also, die Angst vor einer Glücksdiktatur halte ich für maßlos übertrieben. Wir leben in einer der reichsten Nationen der Welt – aber in Bezug auf das Glücksempfinden stehen wir Deutsche nur auf Platz 26.
HÖRZU: Woran liegt’s?
Eckart von Hirschhausen: Unser Gehirn beschäftigt sich zu viel mit Dingen, die nie eintreffen. Das hat mit unserer Entwicklung zu tun: Für den Neandertaler war eine übersehene Gefahr existenzieller als ein übersehener Glücksmoment. Wenn ich mich an einem Blümchen freue und der Säbelzahntiger kommt, überlebe ich nicht.
HÖRZU: Säbelzahntiger sind längst ausgestorben.
Eckart von Hirschhausen: Eben. Wir müssen gezielt gegen unsere Natur andenken, sonst verpassen wir unser Glück.
HÖRZU: Geben Sie uns bitte drei Beispiele: Was macht garantiert unglücklich?
Eckart von Hirschhausen:
1. Sich mit anderen zu vergleichen.
2. Zu glauben, man sei es gar nicht wert, glücklich zu sein.
3. Chronischer Schmerz und Arbeitslosigkeit.
Das Gefühl, keiner hilft mir bei Schmerzen, oder die Empfindung, ich werde nicht gebraucht, das sind die größten Glückskiller.
HÖRZU: Und was macht glücklich?
Eckart von Hirschhausen:
1. Freunde. Mach im Adressbuch einen roten Kringel um die Menschen, mit denen du lachen, weinen, schweigen kannst. Triff sie häufiger!
2. Finde heraus, wofür du Talent hast, und nutze deine Stärken. Wenn das im Beruf schwer ist, such dir einen anderen Bereich, in dem du dich einbringen kannst.
3. Halte zehn Minuten am Tag inne und mach dir klar, wofür du dankbar bist.
HÖRZU: Haben Glückliche etwas gemeinsam?
Eckart von Hirschhausen: Die glücklichen Menschen, die ich kenne, kreisen nicht nur um sich, sondern engagieren sich auch für andere. Geben ist seliger denn nehmen – wusste schon die Bibel.
HÖRZU: Mal angenommen, Sie wachen mit Zahnschmerzen auf, es regnet, die Quote ihrer Show war schlecht. Was dann?
Eckart von Hirschhausen: Dann gibt es einen ganz einfachen Trick: Ich ärgere mich bis 8.45 Uhr – und dann kommt etwas anderes. Man kann auch mit Ärger augenzwinkernd umgehen.

Interview: Angela Meyer-Barg


Auch ZDF-Journalist Wolfgang Herles, der vor einem Jahr mit einem Kamerateam durch die ganze Welt zog, um mit Nobelpreisträgern, Forschern und Staatschefs über das Glück zu reden, stellte fest: "Am Beispiel Chinas, wo übrigens seit 30 Jahren immer wieder das Glück des Volkes gemessen wird, kann man das sehr gut sehen: In den letzten Jahren hat es dort ein enormes Wachstum gegeben, trotzdem sank der Glückspegel.“

Ganz ohne Knete geht es allerdings auch nicht. Untersuchungen zeigen: Menschen, die nicht jeden Euro dreimal umdrehen müssen, sind zufriedener als jene, die ständig knapp bei Kasse sind. Nach Studien der US-Universität Princeton ist das Glücksmaximum bei rund 5000 Euro Monatsgehalt erreicht. Jenseits der 5000 nimmt das Glück schon wieder ab. Schlechte Botschaft für all die armen Millionäre!

Glück: eine Frage der Definition

Glück ist offenbar relativ. Und damit auch Ansichtssache. Die Menschen des kleinen asiatischen Königreichs Bhutan haben ihre ganz eigene Definition. In diesem Land – übrigens dem einzigen der Erde, in dem ein Glücksminister jährlich das Bruttoglücksprodukt ermittelt, also die Zufriedenheit der Einwohner – versteht man unter Glück nicht den Zustand großer Zufriedenheit, sondern jenen, in dem man keine bösen, gierigen, neidischen Gedanken hat.

Im Ranking der glücklichsten Länder der Welt stehen jene Staaten ganz weit oben, deren Bürger das Gefühl haben, in einer freien, gerechten und toleranten Gesellschaft zu leben, die auch die Geschlechter gleich behandelt. Spitzenplätze nehmen dort Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland ein. Und wer meint, Menschen, die nach einem Unfall behindert sind, empfänden grundsätzlich weniger Glück, irrt gewaltig. Umfragen zeigen, dass sich die ursprüngliche Zufriedenheit oft wieder einstellt.

Der Adelige Philippe Pozzo di Borgo, nach einem Unfall querschnittsgelähmt und Vorbild für den Kinohit "Ziemlich beste Freunde", überraschte Wolfgang Herles mit einem besonderen Glücksrezept: "Er hat mir gezeigt, dass Glück nicht von objektiven Dingen abhängt. Man sollte es nicht an der Vergangenheit ausrichten, da der Vergleich einen vielleicht traurig macht, aber auch nicht an Zukunftserwartungen, weil man dann das Glück daran misst, was noch nicht ist."

Glück hat Nebenwirkungen

Glück ist eine Lebenseinstellung. Man kann sie trainieren. Ganz einfach, indem man etwa einen Spaziergang durch den Wald macht, statt traurig vor dem Fernseher abzuhängen. Indem man aktiv wird, statt immer nur abzuwarten. "Glück ist Haben plus Lieben plus Sein", sagt Glücksforscher Delhey. Genug zum Leben haben, Familie und Freunde pflegen, an sich selbst glauben.

Das ist sie also, die neue Glücks-Formel, die alles verändert: Wer zufrieden ist, hat eine positivere Ausstrahlung, wirkt selbstbewusster und findet so oft leichter einen Partner. "Zudem lebt er gesünder und länger“, sagt Frey. Forscher der Columbia-Universität in New York wiesen nach: Das Risiko für Herzinfarkt wird umso geringer, je positiver die Lebenseinstellung ist.

Apropos: Bei einem Interview mit einem Glücksforscher in Bhutan stach Wolfgang Herles eine riesige Biene in den Zeh. Herles fluchte, der Glücksforscher aber strahlte: Jetzt hier, eine Biene – wie schön! Alles ist eben relativ.

Autor: Silke Pfersdorf