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Depressionen / Foto: © iStock, elenaleonova

Depressionen bei Männern sind nicht immer offensichtlich. / Foto: © iStock, elenaleonova

Psyche unter Druck

Depressionen – Symptome lassen sich per Test bestimmen

Ist es nur ein Stimmungstief oder doch Depression? Die Symptome sind bei Frau und Mann verschieden. Ob man betroffen ist, lässt sich unter anderem durch einen einfachen Test bestimmen.

Jeder fünfte Deutsche erkrankt mindestens einmal im Leben an einer Depression, wie aktuelle Zahlen der Deutschen Depressionshilfe zeigen. Depressionen zählen aber auch weltweit zu den häufigsten Volkskrankheiten, wie eine Studie der WHO betont.

Vor allem Männer verdrängen ihre Depression

Doch Depressionen werden häufig unterschätzt und erst spät erkannt. Viele Betroffene spielen ihre Probleme herunter und gehen nicht zum Arzt – aus Unwissenheit oder Schamgefühl. Vor allem Männer möchten mitunter nicht wahrhaben, dass sie womöglich an einer Depression erkrankt sind – sie passt nicht zum Bild des starken Mannes.

Ursachen einer Depression

Doch woher kommt eine Depression? Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle:

Vererbung
Hat ein Verwandter ersten Grades eine Depression, ist das eigene Risiko im Vergleich zu erblich unbelasteten Menschen um 15 Prozent erhöht.

Funktionsstörungen im Gehirn
Neurotransmitter, also Hirnbotenstoffe wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin sind häufig weniger aktiv wie bei Gesunden. Die Ursachen dafür sind noch nicht bekannt.

Psychosoziale Faktoren
Der Erziehungsstil, mit dem ein Kind aufgewachsen ist, kann dabei zum Tragen kommen. Gehen die Eltern überängstlich und extrem fürsorglich mit dem Kind um, kann später das Risiko für Depression bestehen. Auch Traumata in der Kindheit wie sexueller Missbrauch, Verlust eines nahestehenden Menschen oder Krieg können im weiteren Lebensverlauf eine Depression auslösen.

Psychologiosche Faktoren
Chronische Belastungen, etwa am Arbeitsplatz, Stress und Mobbing oder ständige Konflikte in der Partnerschaft begünstigen Depressionen.

Hormonumstellungen nach Schwangerschaft oder während der Wechseljahre
Zwar zählt der Baby-Blues streng genommen nicht zu den echten Depressionen, kann sich jedoch zu einer auswachsen. Hormonbedingt sind häufig auch Depressionen in den Wechseljahren. Die absinkende Produktion von Sexualhormonen kann auch die Botenstoffe im Gehirn beeinflussen.

Altersdepression
Das Nachlassen der körperlichen und geistigen Fähigkeiten, chronische Schmerzen und das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden, lässt vor allem ältere Menschen an einer Depression erkranken.

Endogen, psychogen bis bipolar: Formen der Depression

Depressionen werden in verschiedene Formen eingeteilt. Die Altersdepression gehört etwa zu den "Depressionen in bestimmten Lebenslagen", wozu auch

• die klimakterische Depression,
• die Wochenbettdepression und
• die Winterdepression (hervorgerufen durch Lichtmangel)
zählen.

Typisch ist jedoch die Major-Depression oder endogene Depression. Sie entsteht sozusagen von innen heraus, ohne äußeren Anlass. Im Gegensatz dazu wird die psychogene oder reaktive Depression durch einen äußeren Anlass ausgelöst – wie materielle Probleme, enttäuschte Liebe und ähnliches. Sie kommt ebenfalls häufig vor.

Weitere Formen:

Symptomatische Depression
In diesem Fall ist die Depression Folge einer körperlichen Krankheit, etwa einer Lebererkrankung oder Schilddrüsenfunktionsstörungen und lässt sich heilen, indem die Grunderkrankung behandelt wird.

Bipolare Störung
Hier wechseln Phasen mit starker depressiver Stimmung und ausgeprägten Glücksgefühlen ab (manisch-depressiv). Diese Erkrankung gehört streng genommen nicht zu den Depressionen und wird anders behandelt.

Nach dem internationalen System zur Klassifizierung von Krankheiten (ICD-10) werden Depression entsprechend ihrer Schwere eingeteilt: als leichte, mittelgradige und schwere depressive Episode.

Symptome einer Depression

Depressionen haben typische Symptome. In den meisten Fällen treten Hoffnungslosigkeit und Antriebsmangel auf. Weitere Leitsymptome sind Interessenverlust und Freudlosigkeit sowie leichte Ermüdbarkeit.

Je nach Ausprägung können zusätzliche Symptome auftreten, wie

• Konzentrationsstörungen
• nachlassendes Selbstwertgefühl
• Schuldgefühle
• Zukunftsangst und pessimistische Zukunftsvorstellungen
• Appetitlosigkeit
• Schlafstörungen
• Suizidgedanken oder -handlungen

Symptome einer Depression bei Männern

Bei Männern treten mitunter andere Symptome auf, wie

• Ungeduld
• Reizbarkeit
• Aggressivität
• Wutanfälle
• hohe Risikobereitschaft
• hoher Alkohol- und Zigarettenkonsum

Beim Thema Depression und Alkohol ist jedoch nicht sicher, welcher Faktor den anderen beeinflusst. Bekannt ist, dass hoher Alkoholkonsum die Entstehung einer Depression begünstigt – und viele Menschen bei einer Depression vermehrt zu Alkohol greifen.

Depressionen erkennen per Test und App

Wenn eines oder mehrere dieser Symptome über mehrere Wochen bei Ihnen besteht, sollten Sie sich an einen Arzt, Neurologen oder Psychiater wenden.

Wer sich nicht ganz sicher ist und den Gang zum Spezialisten scheut, kann aber auch zuerst einen einfachen Test durchführen. Er wurde unter anderem von Experten der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) entwickelt und umfasst nur zwei Fragen:

1. Fühlten Sie sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig, bedrückt oder hoffnungslos?

2. Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die Sie sonst gerne tun?

Falls Sie beide Fragen mit Ja beantworten, sollten Sie auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.

Auch mehrere Apps widmen sich dem Thema Depression. Das kostenfreie "Moodpath"
https://itunes.apple.com/de/app/moodpath-depression-erkennen/id105221640...
überprüft zwei Wochen lang die Stimmungslage. Zusätzlich verfügt die App über einen interaktiven Selbsttest und vermittelt Informationen über Depressionen. Ziel der App ist die Früherkennung von Depressionen. Die App kann jedoch nicht den Arzt oder Psychiater ersetzen.

So werden Depressionen behandelt

Wer Anzeichen einer Depression bei sich feststellt, sollte sie mit einem Arzt besprechen.

Um die Diagnose zu stellen, wird der Arzt/Psychiater ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten führen, auf Belastungssituationen eingehen und mit bestimmten Fragekatalogen die Symptome abklopfen.

Danach wird der Behandlungsplan festgelegt, der sich aus Akuttherapie, Erhaltungstherapie und Rezidivprophylaxe zusammensetzt. Dabei kommen meist Psychotherapie und Medikamente (Antidepressiva) zum Einsatz.

In der Psychotherapie werden Informationen über die Krankheit vermittelt. Verhalten und Einstellungen, die mit der Entstehung der Depression in Verbindung stehen, werden erkannt und verbessert (psychoedukative Maßnahmen).

Nur die Akuttherapie, etwa nach einem Suizidversuch, erfolgt in der Regel stationär. In den meisten anderen Fällen kann die Behandlung ambulant durchgeführt werden.

Zu den empfohlenen Antidepressiva gehören:

• Trizyklische Antidepressiva
• Monoaminooxidasehemmer (MAO-Hemmer)
• Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)
• Selektive Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI)
• Duale selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI)

Die Medikamente sollen das Gleichgewicht der Botenstoffe wieder herstellen. Je nach Wirkstoff können Antidepressiva Nebenwirkungen haben, die sich jedoch mit der Dauer der Anwendung meist nach einiger Zeit legen.

Um das Risiko von Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit oder leichte Übelkeit möglichst gering zu halten, wird die Behandlung einschleichend begonnen. Das bedeutet: Die Dosis ist anfangs gering und steigert sich nach und nach auf die gewünschte Menge.

Das Risiko, abhängig zu werden, besteht übrigens nicht, selbst wenn die Medikamente dauerhaft eingenommen werden.

Bei einer Depression den Rückfall vermeiden

Die Behandlung einer Depression kann Monate bis Jahre dauern. Allerdings haben Depressionen die Tendenz, nach Zeiten ohne Beschwerden erneut aufzutauchen. Wichtig ist deshalb die Rezidivprophylaxe. Dazu gehört ein geregelter Tagesablauf mit Phasen von Ruhe im Wechsel mit Aktivitäten. Bewährt hat sich auch, einige Monate nach dem Abklingen der Symptome einer Depression noch im Abstand von mehreren Wochen mit dem Psychotherapeuten zu sprechen.

Quellen: Informationen und Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Informationen des Berufsverbands der Neurologen und Psychiater, Informationen der WHO, Fact Sheet Depression

Autor: Monika Preuk