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Frau traeumt

Der Mensch braucht die Nachtruhe, damit sich Körper und Geist erholen.
Foto: © picture-alliance/chromorange

Schöner träumen

Das Wesen der Träume

Unser Hirn ruht nie – auch wenn unser waches Ich dieses Doppelleben meist verschläft. Über das Wesen der Träume und wie sie sich lenken lassen.

Gehetzt von wilden Monstern schweben wir auf einer Wolke zum Mond und treffen dort – den Ehepartner. Quatsch? Nicht ganz, denn solche nächtlichen Hirngespinste haben häufig einen realen Kern. "Im Traum verarbeiten und vertiefen wir, was uns tagsüber beschäftigt. Aber nicht eins zu eins, sondern in stark übertriebener, auch mal bizarrer Form", erklärt Prof. Michael Schredl, Leiter des Schlaflabors am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Vielleicht ist der Partner auf Reisen, und wir vermissen ihn. Oder ganz anders: Wir wünschen ihn auf den Mond. "Traumdeutung ist stets individuell", so Schredl.

Die Schlafphasen

Der Nutzen der Träume ist nicht zweifelsfrei geklärt. Klar ist: Der Mensch braucht die Nachtruhe, damit sich Körper und Geist erholen. Die Deutschen verschlafen etwa ein Drittel ihres Lebens, im Schnitt 7,5 Stunden pro Tag. Wer zu wenig ruht, bekommt Lern- und Konzentrationsprobleme. Wir durchlaufen jede Nacht mehrere Schlafphasen, in denen sich Tiefschlaf-, Zwischen- und REM-Phasen abwechseln. REM steht dabei für "Rapid Eye Movement", schnelle Augenbewegungen. In dieser Phase träumen wir intensiv, und das Limbische System, unsere Gefühlszentrale, arbeitet auf Hochtouren.

Schlaf-Apps für das Handy

Neuerdings gibt es sogar Schlaf-Apps für das Handy. Die Idee: Das auf der Matratze liegende Gerät misst über Sensoren alle Bewegungen und Geräusche, leitet daraus die Schlafphasen ab und weckt uns morgens sanft zu einem günstigen Zeitpunkt. Die britische App "Dream:On", entwickelt nach der Idee eines Psychologen der Universität Hertfordshire, verspricht sogar schönere Träume. Der Nutzer wählt eine Klangwelt aus, etwa Meeresrauschen oder Waldgeräusche. Das Handy ermittelt die letzte, intensivste Traumphase und untermalt sie mit der ausgewählten Tonspur. Die Auswertung der Traumprotokolle von über 500.000 Nutzern, so der Hersteller, habe gezeigt, dass die wohligen Geräusche wirklich ihren Weg ins Reich der Träume fänden, die Nutzer kämen erholter in den Tag. Wissenschaftliche Belege stehen aber aus. Schredl sieht das Angebot kritisch: "Alle Studien zu akustischer Beeinflussung hatten wenig Erfolg. Zudem nutzen sich Effekte schnell ab, da das Gehirn vor allem auf Neues reagiert."

Traumtagebuch führen

Besser gefällt ihm, dass die Kunden online Traumtagebuch führen. "Träume spiegeln unsere Stärken und Schwächen, verraten viel über unser Gefühlsleben. Die Auseinandersetzung damit ist sehr erhellend." Doch lässt sich unser geheimes Doppelleben wirklich nicht lenken? Immerhin kann man am Tag Vorkehrungen treffen für eine erholsamere Nachtruhe.

Wer von Albträumen geplagt wird, kann diese aufschreiben und eine positive Wende einbauen. Das neue Drehbuch geht man dann immer wieder durch – und mit etwas Glück entschärft sich so der Nachtschreck.

Das Klarträumen

Ein erprobter Ansatz ist auch das Klarträumen: Dabei ist sich der Träumende seines Zustands bewusst und kann ihn sogar kontrollieren. Eine Methode: Man fragt sich über mehrere Wochen lang tagsüber fünf bis sechsmal kritisch "Wache ich, oder träume ich?". Irgendwann stellt sich das Gehirn aus reiner Gewohnheit diese Frage auch im Traum. So ist es Michael Schredl passiert: Eines Tages ging er die Straße entlang und stieg einen Baum hoch. "Da wusste ich: Ich träume – und kann tun, was ich will."

Autor: Dagmar Weychardt