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Labdrador-Mischling Valentin hilft Alzheimer-Patienten in einem Seniorenheim.
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Labdrador-Mischling Valentin hilft Alzheimer-Patienten in einem Frankfurter Seniorenheim. / Foto: © dpa - Report

Lebensretter auf vier Pfoten

Blindenhunde, Krebsspürhunde, Therapiehunde

Sie heißen Danco, Feria oder Rocky. Ihre Loyalität ist einzigartig. Ihre Nase ebenso. Während wir Menschen über rund fünf Millionen Riechzellen verfügen, sind es beim Schäferhund, Labrador, Bernhardiner und Golden Retriever über 220 Millionen. Das ist nicht nur für das Aufspüren von Kaninchen von Vorteil. Es kann auch Leben retten.


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Barbara Puhl ist sich dessen schon lange bewusst. Seit 1988 züchtet die 64-Jährige Therapie- und Behinderten-Begleithunde. Was sie nicht ahnte, war, dass einer ihrer Schützlinge ihr selbst einmal aus großer Gefahr helfen würde: Puhl ist Diabetikerin. Meist hat sie die Krankheit gut im Griff. "Bei einem Kinobesuch im Frühjahr merkte ich allerdings nicht, dass ich völlig unterzuckerte", erzählt sie. "Erst als mein Golden Retriever Danco nervös wurde und mich immer wieder anstupste, registrierte ich, dass ich heißhungrig war. Und schon total schweißüberströmt. Dancos feine Nase hatte die Unterzuckerung gerochen. Zum Glück half mir ein Stück Traubenzucker schnell wieder auf die Beine."

Danco hat keine spezielle Ausbildung zum Diabetikerhund. Durch die enge Bindung zu seinem Frauchen spürte er jedoch schnell, dass etwas nicht in Ordnung war. Eigentlich bildet Puhl ihre Collies und Golden Retriever eher dafür aus, Herzinfarkt-Patienten bei der Rehabilitation zu helfen oder psychisch Kranken Lebensmut zurückzugeben. Als Therapiehunde gehen sie unter anderem in Altenheime und Kindergärten, Rehazentren und Sterbekliniken, manchmal sogar ins Gefängnis.

Begleithunde erledigen für ihre Besitzer kleine Alltagsaufgaben: Sie helfen beim An- und Ausziehen, tragen Einkäufe, öffnen Türen. Manchmal müssen sie aber auch größere Verantwortung übernehmen, etwa wenn sie im Straßenverkehr unterwegs sind und erkennen sollen, ob eine Ampel auf Grün steht oder beim Überqueren der Straße Gefahr droht.

Wichtig für diese Form der Zusammenarbeit zwischen Tier und Mensch ist eine sehr enge Bindung. Barbara Puhl erkärt: "Ein Therapie- oder Behindertenbegleithund muss seinem Herrchen oder Frauchen absolutes Vertrauen entgegenbringen und ihm in jeder Situation gehorchen. Optimal ist es deshalb, die Ausbildung schon beim Welpen zu beginnen. Auch der Grundstein für die Bindung zum späteren Besitzer sollte früh gelegt werden."

Wer einen Hund von Puhl kauft, lernt ihn schon in den ersten Lebenswochen kennen. Zwei Jahre lang begleitet die Züchterin ihre Schützlinge und deren neue Herrchen meist, bevor sie die beiden allein auf sich gestellt ins neue gemeinsame Leben entlässt.Beim Training von Alltagsaufgaben oder beim Schärfen von Spezialtalenten steht stets die Freude am Lernen im Vordergrund. Wenn Barbara Puhl Danco beibringt, ihr beim Ausziehen der Socken zu helfen, läuft dies ganz spielerisch ab.

So ist das auch beim Trainer Wolfgang Gleichweit, obwohl der 65-Jährige bei seinen Hunden ganz andere Fähigkeiten fördert: Der Österreicher gründete 1996 die weltweit erste Ausbildungsstätte für Krebsspürhunde. Wolfgang Gleichweit erklärt: "Krebszellen enthalten, unabhängig von der Art des Karzinoms, typische Inhaltsstoffe wie Benzole und alkalische Gerüche. Für Hundenasen sind diese erkennbar und unterscheidbar."

In der Praxis bedeutet das, Gleichweits Hunde können den Krebs erschnüffeln, manchmal sogar schon, bevor er für Ärzte diagnostizierbar ist. Sehr gut geeignet für diesen Job sind Rassen, die aufgrund ihrer langen Nase besonders viele Riechzellen haben.

Eine Nase für Gefahr

Den hervorragenden Geruchssinn der Tiere nutzt auch der Verein Menschen für Hunde – Hunde für Diabetiker e.V. Er setzt sich für die Ausbildung von Assistenzhunden für Zuckerkranke vom Typ 1 ein, also für jene Patienten, deren Bauchspeicheldrüse nicht das lebensnotwendige Insulin produziert. Diabetiker- Warnhunde nehmen wahr, wann ihr Herrchen oder Frauchen unterzuckert und dadurch in Lebensgefahr gerät – und greifen ein. Sie wecken es dann etwa aus dem Schlaf oder stupsen es – wie bei Barbara Puhl geschehen – im Kino unsanft an. Oft bringen sie auch ein lebensrettendes Getränk, Traubenzucker oder das Blutdruckmessgerät.

Wie Blinden- oder Behindertenbegleithunde dürfen auch Diabetiker-Warnhunde ihrem Herrchen überallhin folgen: in die Kirche, ins Theater, ins Kino – also auch dorthin, wo es sonst heißt: "Wir müssen leider draußen bleiben!"

Da der Verein nicht nur Menschen mit Diabetes helfen will, sondern auch Hunden in Not, werden hier neben eigens gezüchteten Welpen auch junge Hunde aus Tierheimen ausgebildet. Sie müssen allerdings folgende Voraussetzungen erfüllen: ein ausgeglichenes Wesen haben, körperlich fit sein und keinerlei Aggressionen zeigen. Ihr Trainung dauert dann im Schnitt 18 Monate.

Während die deutschen Krankenkassen die Kosten für einen Blindenhund übernehmen, ist dies bei anderen Assistenzhunden nicht der Fall. Allerdings kann man sämtliche Ausgaben, etwa die für einen anerkannten Behindertenbegleithund, voll von der Steuer absetzen. Ein Welpe aus der Zucht von Barbara Puhl kostet 2400 Euro, dazu kommen rund 3000 Euro für Ausbildung und Prüfungen. Klingt erst einmal viel – doch was die Hunde leisten, ist mit Geld gar nicht aufzuwiegen.

Autor: Nicole Stroschein