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Zwangsstörung: Männer entwickeln häufiger als Frauen einen Kontrollzwang.

Zwangsstörung: Männer entwickeln häufiger als Frauen einen Kontrollzwang. - Foto © picture alliance / dpa

Selbsttest Zwangsstörungen

Bin ich noch normal?

Marotten und Ticks hat doch jeder – aber wann werden daraus Zwänge? Und was kann man dagegen tun?
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Geben wir’s zu: Irgendeine Macke hat jeder. Der eine kontrolliert allabendlich Türen und Fenster in einer festgelegten Abfolge, ein anderer sortiert die Ablage im rechten Winkel, ein Dritter meidet die Zahl 13, ein Vierter muss alles symmetrisch anordnen – einfach nur Marotte oder schon krankhaft? Wo verläuft die Grenze zwischen skurriler Angewohnheit und Zwangsstörung (Selbsttest siehe unten)?


Zwangserkrankungen: Hier gibt es Hilfe

Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen e. V. (www.zwaenge.de
Auskunft: Mo. – Fr. 10 – 12 Uhr unter Tel. 040/68 91 37 00

Spezialambulanz für Zwangsstörungen, Institut für Psychologie der Humboldt-Universität zu Berlin: www.hochschulambulanz.hu-berlin.de


"Krankhaft sind solche Handlungen erst dann, wenn sie das soziale Leben und das Wohlbefinden massiv beeinträchtigen", erklärt Norbert Kathmann vom Institut für Psychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Wer mehrmals täglich das Kellerlicht kontrolliert, dauernd den Tisch abwischt oder auf der Straße Laternenpfähle zählt, zeigt zwar vielleicht ein zwanghaftes Verhalten, ist aber keineswegs gestört. "Nehmen die Handlungen jedoch mehr als eine Stunde am Tag ein, kann dies ein Warnzeichen sein", sagt der Professor für Psychologie.

Suche nach Sicherheit

Mehr als eine Million Deutsche leiden laut der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen (DGZ) an einer entsprechenden Störung. Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen. Die Art ihrer Zwänge unterscheidet sich indes. So entwickeln Frauen häufiger einen Reinigungszwang. Angst vor Bakterien treibt die Betroffenen zu stundenlangen Wasch- und Putzritualen. Männer dagegen bilden oft einen Kontrollzwang aus, bei dem sie Türen, Fenster, elektrische Geräte oder auch Arbeitsunterlagen immer wieder neu überprüfen müssen.

Neben diesen zwei häufigsten Zwangsarten unterscheidet man noch den Ordnungs- oder Symmetriezwang, Zähl- und Sammelzwänge sowie die Trichotillomanie, bei der sich die meist weiblichen Patientinnen die Haare ausreißen. Zwangsstörungen treten meist im jüngeren Erwachsenenalter auf und entwickeln sich schleichend. "Oft litten die Betroffenen schon als Kind unter Ängsten und Unsicherheiten", erläutert Experte Norbert Kathmann. "In den Zwangshandlungen manifestiert sich die Suche nach Sicherheit." Mitunter kann auch ein belastendes Erlebnis die Störung auslösen.

Das Fatale: Obwohl die Betroffenen um die Sinnlosigkeit ihres Verhaltens wissen, können sie nicht anders. Zu den oft zeitraubenden Zwangshandlungen gesellt sich Scham, die die Patienten weiter in die soziale Isolation treibt. Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten für eine Behandlung. Prof. Kathmann: "Die wirksamste und nachhaltigste Methode ist die Verhaltenstherapie, bei der die Patienten lernen, mit zwangsauslösenden Situationen anders umzugehen."

Die medikamentöse Behandlung mit sogenannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmern zeigt ebenfalls Erfolge. "Bei bis zu zwei Dritteln der Patienten bessern sich die Symptome deutlich." Wobei längst nicht jede Marotte ein Symptom ist. Gerade ältere Menschen halten gern an Ritualen und starren Abläufen fest, ohne dass dies eine Zwangsstörung nahelegt. "Im Zweifel sollte man sich fragen: Ist dieses Ritual störend für mich und andere?", rät Experte Kathmann. Ein kurzer Selbsttest (siehe unten) kann dabei helfen.


Selbsttest Zwangsstörungen

Marotte, Spleen oder schon Zwang? Diese sechs Fragen geben Ihnen einen Hinweis:

1. Waschen und putzen Sie sehr viel?

2. Kontrollieren Sie sehr viel?

3. Haben Sie quälende Gedanken, die Sie loswerden möchten, aber nicht können?

4. Brauchen Sie für Alltagstätigkeiten sehr lange?

5. Machen Sie sich viele Gedanken um Ordnung und Symmetrie?

6. Stört Sie eine oder mehrere der oben genannten Verhaltensweisen in Ihrem Alltag erheblich?

Auswertung:

Bei mindestens einer Ja-Antwort auf die Fragen 1 bis 5 plus einer Ja-Antwort auf Frage 6 besteht die Möglichkeit, dass eine Zwangsstörung vorliegen könnte. Eine Diagnose ist aber erst bei genauer Abklärung durch einen Fachmann möglich, zum Beispiel durch einen Psychotherapeuten.

Autor: Judith Heisig