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Brustkrebsrisiken erkennen und senken

Normalgewicht, geringer Alkoholkonsum, bewusster Umgang mit UV-Licht, regelmäßige Früherkennung und natürlich Verzicht auf Nikotin halten das Krebsrisiko so niedrig wie möglich. Foto: © picture alliance / Robert Schlesinger

Krebsrisiko senken

Krebsleiden Brustkrebs

Haben Sie Krebserkrankungen in der Familie? Eine unangenehme Frage. Aber eine, die jeder sich und seinen Lieben stellen sollte, denn manchmal kann sie Leben retten.

Genetische Veranlagung

Forscher wissen heute mit Sicherheit, dass die genetische Veranlagung bei Brust-, Eierstock- und Darmkrebs eine wichtige Rolle spielt.

Aktuelles Beispiel: Angelina Jolie. Die Hollywooddiva schockte kürzlich die Welt mit der Nachricht, sie habe sich beide Brüste amputieren lassen. Vorsorglich. Weil sie Trägerin des Brustkrebsgens BRCA1 sei, das auch das Risiko für Eierstockkrebs erhöht. Die Angst habe sie getrieben, das lange Leiden und der Krebstod ihrer Mutter. Das wollte die Schauspielerin ihren Kindern und sich selbst ersparen.

Eine dramatische Vorsorgemaßnahme – die in England schon 50 Prozent aller betroffenen Frauen wählen. In Deutschland sind es derzeit rund 20 Prozent.

Wichtige Vorsorgeuntersuchungen

Angelina Jolies Schritt ist eine Möglichkeit, die Tumorgefahr zu bannen und so der Angst vor einer Erkrankung zu entkommen. Engmaschige Vorsorgeuntersuchungen sind eine weitere. „Das gilt besonders für Brust- und Darmkrebs. Wer familiär belastet ist, sollte schon in jungen Jahren die Früherkennungsangebote nutzen“, rät Dr. Leonhard Hansen, Vorsitzender des Fachausschusses Krebsfrüherkennung der Deutschen Krebshilfe.

Jeder, der weiß, dass bei engen Verwandten Karzinome auftraten, erhält die Chance, schon frühzeitig an Vorsorgemaßnahmen teilzunehmen. In speziellen Zentren können gefährdete Frauen sogar einen Brustkrebsgentest vornehmen lassen.

Diese Chancen sollte man nutzen, denn Dr. Hansen hat für alle Betroffenen eine gute Nachricht: „Immer weniger Menschen sterben daran.“

In den letzten 20 Jahren haben sich die Überlebenschancen bei Krebs um das Vierfache erhöht – dank innovativer Therapien und moderner Untersuchungsverfahren wie Darmspiegelung, Mammografie und Ultraschall.

2008 überlebten 86 Prozent aller Frauen, bei denen Brustkrebs festgestellt wurde. Problematisch entwickeln sich Tumorarten, für die keine aussagekräftige Früherkennung existiert – wie etwa bei Eierstöcken, Bauchspeicheldrüse und Speiseröhre.

Gefährliches Bauchfett abbauen

Dr. Hansen ist dennoch überzeugt: „50 Prozent aller Krebstoten ließen sich vermeiden: 17 Prozent durch Früherkennung, 33 Prozent durch einen gesunden Lebensstil.“ Immer stärker in den Mittelpunkt rückt dabei die Körpermitte, genauer das Bauchfett. Bislang wurde seine Rolle bei der Krebsentstehung dramatisch unterschätzt. Inzwischen stufen Experten Übergewicht als Risikofaktor ähnlich hoch ein wie Rauchen.

Das US-Fachmagazin „Science“ warnte jüngst, Fettleibige und Diabetiker hätten ein weit höheres Risiko für Krebs und würden auch häufiger daran sterben. Grund: Fettdepots, vor allem jene am Bauch, verändern den Stoffwechsel.

Bei Frauen führt Übergewicht zu höherer Östrogenproduktion, was Brust- und Gebärmuttertumoren fördern kann. Ein hoher Insulinspiegel, der meist mit Übergewicht einhergeht, pusht zudem Entzündungsfaktoren, die auch das Tumorwachstum anheizen. Dr. Hansen rät: „Ein normales Gewicht und regelmäßige Bewegung senken das Risiko enorm, bei dem Massenkiller Darmkrebs sogar zwischen 40 bis 60 Prozent.“

Weitere wichtige Vorsorgeschritte sind für ihn: geringer Alkoholkonsum, bewusster Umgang mit UV-Licht, regelmäßige Früherkennung – und natürlich Verzicht auf Nikotin, das nicht nur 95 Prozent aller Lungenkarzinome verursacht, sondern auch eine enorme Rolle bei anderen Tumoren etwa an Magen und Blase spielt. „Wer das macht, hält sein Krebsrisiko so niedrig wie möglich.“

Und wie beurteilt der Experte neue Theorien aus den USA: Dort behauptet Dr. David B. Agus, auch Cholesterinsenker und Aspirin könnten Krebs verhindern. Hansen ist skeptisch: „Die Idee ist interessant, muss aber noch genau erforscht werden.“


Die häufigsten Krebsarten kurz erklärt:

Brustkrebs

Mit jährlich 72.000 Neuerkrankungen ist er hierzulande häufigstes Krebsleiden bei Frauen. Neue Therapien und Früherkennung haben die Überlebenschancen in den letzten 20 Jahren deutlich verbessert. Übergewicht und hoher Alkoholkonsum erhöhen das Risiko, möglicherweise auch Hormonersatztherapien.

Hautkrebs

Fast 18.000 Menschen erkrankten 2008 an schwarzem Hautkrebs, dem malignen Melanom. Da Hautveränderungen gut sichtbar sind und Früherkennungsmaßnahmen angeboten werden, beträgt die Überlebensrate bei Frauen 90 Prozent, bei Männern 87 Prozent. UV-Licht gilt als wichtigster Auslöser.

Lungenkrebs

Tückisch, schwer zu entdecken, oft tödlich: In Deutschland ist Lungenkrebs heute die dritthäufigste Krebsart. Die Überlebensprognose ist meist ungünstig. Als Hauptrisikofaktor gilt immer noch Tabakrauch. Schadstoffe wie Asbest, Quarz- und Nickelstäube sowie Dieselabgase steigern ebenfalls die Gefahr zu erkranken.

Darmkrebs

Etwa jede siebte Tumorerkrankung in Deutschland betrifft den Darm. Mehr als die Hälfte aller Betroffenen sind älter als 70 Jahre. Als Risikofaktoren gelten eine ballaststoffarme, fettreiche Ernährung mit viel rotem Fleisch, zu wenig Gemüse sowie ein erhöhter Alkohol- und Tabakkonsum alles vermeidbare „Genusssünden“.

Autor: Esther Langmaack