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Ein Loewe liegt in der Mittagssonne im Zoo Zoom Erlebniswelt in Gelsenkirchen

Ernährung kann das Risiko für bestimmte Krebsarten senken. - Foto: © picture alliance/chromorange

Bewusst ernähren

Ernährung gegen Krebs

Lebensmittel, die Krebszellen killen, gibt es nicht. Aber bewusste Ernährung unterstützt und schützt unseren Körper im Kampf gegen Krebs.

Krebszellen mögen keine Himbeeren." Schlagzeilen wie diese wecken meist falsche Hoffnungen. Ernährungswissenschaftlerin Prof. Silya Ottens, die Brustkrebspatientinnen am Hamburger Krankenhaus Jerusalem berät, weiß um die Wirkung solcher Meldungen: "Eine Patientin erzählte mir, sie habe täglich ein Pfund Himbeeren gegessen." Auch ihr machte die Expertin deutlich, dass sie sämtliche sogenannten "Krebsdiäten" nicht für sinnvoll halte.

Ernährung gegen Krebs

Fakt ist jedoch: Richtiges Essen kann in Verbindung mit anderen Faktoren das Krebsrisiko deutlich senken. Inzwischen verweisen zahlreiche internationale Studien darauf, dass bestimmte Inhaltsstoffe von Nahrungsmitteln sogar das Potenzial haben, Krebszellen in ihrem Wachstum zu hemmen. "Aber das eine, einzige Lebensmittel gegen Krebs, das gibt es nicht", betont Prof. Ottens.

Wie sehr kann Ernährung gegen Krebs helfen? Auf der Suche nach einer Antwort auf diese Frage durchforsten Wissenschaftler bereits seit Jahren buchstäblich unsere Teller. Ein schwieriges Unterfangen, für das Langzeitstudien nötig sind.

Mehr Gemüse als Obst

Zumindest wird unterdessen klarer, wie Ernährung das Risiko für bestimmte Krebsarten senken kann. Studien zeigen etwa: Menschen, die viel Obst und Gemüse verzehren, schützen sich auf diese Weise wahrscheinlich vor Speiseröhren-, Dickdarm-, Mund- sowie Rachen und Kehlkopfkrebs. Möglicherweise auch vor Mastdarm- und Nierenkrebs. Auf Lungenkrebs scheint vor allem der Genuss von Obst großen Einfluss zu haben.

Ausgewertet wurden für diese Ergebnisse Studien aus der US-Datenbank Pub Med des National Center for Biotechnology Information (NCBI), die 2008 bis 2011 durchgeführt wurden. Weitere Erkenntnis: Ein hoher Konsum von Fleisch begünstigt wahrscheinlich Dick- und Mastdarmtumoren und erhöht möglicherweise das Risiko von Magen-, Nieren- und Speiseröhrenkrebs.

Sekundäre Pflanzenstoffe

"Es gibt Hinweise darauf, dass sekundäre Pflanzenstoffe in pflanzlichen Nahrungsmitteln protektive Effekte bei chronischen Krankheiten haben", erklärt Ottens. Der Fokus liege deshalb auf diesen Phytochemikalien.

Weltweit wird deren präventive Wirkung bei Krebsleiden erforscht, etwa jene von Lykopin in Tomaten. Dieser Farbstoff soll krebserregende freie Radikale vernichten. Sulforaphan, das in Brokkoli und anderen Kohlsorten steckt, soll vor Tumorzellen in Bauchspeicheldrüse, Brust und Prostata schützen. Ebenfalls antikanzerogen scheinen Karotinoide in Möhren und Spinat zu wirken, Polyphenole in Früchten sowie Sulfide in Lauch, Zwiebeln und Knoblauch. Auch den Isoflavonen von Soja wird eine wachstumshemmende Wirkung bei hormonabhängigen Tumoren nachgesagt, etwa bei Brustkrebs.

Wie sinnvoll ist es, gezielt Lebensmittel zu essen, die große Mengen solcher Krebsschützer enthalten? "Es gibt keine Pauschalempfehlungen", sagt Ottens. "Jeder Mensch hat einen individuellen Stoffwechsel. Insgesamt scheint der Schutzeffekt im Zusammenwirken all dieser Substanzen zu liegen – und zwar in Form einer bunten, vielfältigen Kost, die reich an Obst und Gemüse ist."

Optimal seien fünf Portionen am Tag, wie sie auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt. Ottens ergänzt: "Bitte mehr Gemüse als Obst – wegen des Zuckers." Erklärung: "Zucker ist zwar kein Gift, aber es kommt auf die Menge an. In Deutschland wird eindeutig viel zu viel Zucker konsumiert."

Grundsätzlich gilt: möglichst wenig Zucker und Kohlenhydrate mit hohem Ballaststoffanteil! Dazu viele Fette, allerdings hochwertige Pflanzenöle mit einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie Oliven-, Raps- und Leinöl. Wichtig sind auch die besonders langkettigen Omega-3-Fettsäuren, zum Beispiel aus Makrele und Lachs. Studien deuten darauf hin, dass sie entzündungshemmend wirken.

Vollkorn und wenig Salz

Obendrein gehört Getreide auf den Speiseplan, etwa in Form von Vollkornbrot, denn dieses entfaltet im Magen-Darm-Trakt einen schützenden Effekt. "Studien belegen, dass Ballaststoffe das Risiko für Darmkrebs senken", so Ottens. "Mindestens 30 Gramm sollten es pro Tag sein."

Zudem empfiehlt es sich, Gerichte so oft wie möglich mit Gewürzen wie Curry, Zimt, Ingwer, Cayennepfeffer und Kräutern wie Rosmarin, Petersilie und Salbei zu verfeinern. Salz darf nur in Maßen verwendet werden – nicht mehr als fünf bis sechs Gramm am Tag.

Grüner Tee

Trinkt man zusätzlich viel Wasser und ungesüßte Tees, können Giftstoffe leichter ausgeschieden werden. Ottens empfiehlt: "Einen Liter grünen Tee am Tag, der zehn Minuten gezogen hat. Er ist besonders reich an Katechinen, die sich erst dann aus dem Blatt lösen." Zahlreiche Studien legen nahe, dass Grüntee eine Art Schutz vor Brustkrebs entfaltet. Auch Frauen, die bereits erkrankt sind, können davon profitieren. Wichtig ist nicht nur, was wir essen und trinken, sondern auch wie viel. "Es geht um die Menge und die Energiebilanz", erklärt Ottens. Jeder zweite Bundesbürger sei übergewichtig oder gar fettleibig. "Wir wissen, dass dadurch das Risiko etwa für Brustkrebs nach der Menopause, Darmkrebs, Speiseröhrenkrebs, Leber- oder Nierenkarzinome steigt."

Die Expertin führt einen weiteren essenziellen Faktor an: "Nur in Verbindung mit einem gesunden Lebensstil kann ausgewogene Ernährung das Krebsrisiko deutlich senken. Das bedeutet zum Beispiel: viel Bewegung sowie Verzicht auf Alkohol und Nikotin."


Sendehinweis: "Welt der Wunder"

So, 21.7., RTL 2, 19.00 Uhr
"Gesundes auf dem Teller" - Dokumentarfilm über bewusste Ernährung

Autor: Anja Matthies