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Medizinischer Honig kann die Wundheilung unterstützen.

Medizinischer Honig kann die Wundheilung unterstützen. / Foto: © picture alliance/Bildagentur-online

Sanfte Therapien

Alternative Heilmethoden bei Krebs

Oft haben sie einen langen Leidensweg hinter sich, suchen nach anderen Lösungen. Bloß keine OP mehr, keine Bestrahlung, vor allem keine Chemotherapie. "Viele Krebskranke wollen raus aus dem schulmedizinischen Hamsterrad", sagt Dr. Axel Moormann. Der Facharzt für Innere Medizin kennt die Beweggründe seiner Patienten. Manche suchen neben der klassischen Krebsbehandlung zusätzlich einen ganzheitlichen Ansatz, manche wollen sich in der Nachsorge von anstrengenden Behandlungen erholen, neue Energie tanken und das Leben in dieser existenziellen Krise wieder selbst in die Hand bekommen.

"Andere setzen ihre letzte Hoffnung auf alternative Behandlungsmethoden, weil sie schulmedizinisch als austherapiert gelten", so Moormann, der in Hamburg praktiziert (www.dr-moormann.de). Mittlerweile wen den 60 Prozent der Krebspatienten solche Verfahren neben den Standardtherapien an. Und es werden immer mehr. "Dabei den richtigen Weg zu finden, ist für Arzt und Patient die Herausforderung", warnt Moormann. Denn der Markt an komplementärmedizinischen Therapien, so der Fachbegriff, ist unübersichtlich und für Betroffene oft undurchschaubar.

Solche Erfahrungen teilt auch Prof. Fintelmann, Facharzt für Innere Medizin und Spezialist für komplementäre Onkologie. Der "Ganzheitsmediziner" hat über die Jahre Grenzen und Defizite schulmedizinischer Therapien erlebt und fordert seit Langem neue Ansätze. "Eine Krebskrankheit beginnt meist viel früher, als man denkt: Mindestens ein Jahrzehnt lang entwickelt sich ein Tumor im Körper", so der Experte. In der Vorsorge und nach Erkrankungen haben Immuntherapien für ihn deshalb "großes Entwicklungspotenzial".

Sie könnten bei abwehrschwachen Menschen Krebstendenzen entgegenwirken und das Leiden auch heilen, sagt Fintelmann. "Die klassischen Adenokarzinome, die vom Drüsengewebe der Organe ausgehen und sich in Richtung Stadium der Metastasierung entwickeln, müssen oder sollten heute ergänzend komplementär behandelt werden", so der Experte. Die Resultate seien einfach besser: "Die konventionelle Therapie ist hier allein definitiv nicht erfolgreich." Fintelmann argumentiert weiter: "Ich möchte nicht wissen, wie viele Menschen durch konventionelle Therapien eine Verkürzung der Lebenszeit in Kauf nehmen mussten oder massive Einschränkungen der Lebensqualität."

Es gibt viele sanfte Methoden – von der Heileurythmie und der Rhythmischen Massage bis zur Kunsttherapie. Für Fintelmann ist die Mistel das Mittel der Wahl. Seine Erfahrungen im Bereich der Ganzheitsmedizin hat der Experte in einem neuen Gesundheitsprojekt gebündelt, in dem unter anderem alternative Krebstherapien zum Einsatz kommen (Institut Diogenes e. V., Theodorstr. 42–90, Haus 3, 22761 Hamburg, Tel. 040/ 851 79 26 80, www.institut-diogenes.de).

Wichtig: Bei allen im Folgenden genannten Methoden ist die Wirkung wissenschaftlich meist nicht nachgewiesen, viele werden von der Schulmedizin in Zweifel gezogen. Dennoch gibt es überraschende Erfolge.


Misteltherapie

Sie ist die am besten erforschte Form aller komplementärmedizinischen Ansätze. Und zwar mit Abstand. Mistelextrakte verursachen im Körper entzündliche Reaktionen und sorgen für leichtes Fieber mit immunstimulierender Wirkung. Alle bisherigen Studien zeigen eindeutig positive Auswirkungen auf das Allgemeinbefinden und die Lebensqualität, insbesondere bei Patienten mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen. Metastasen- und Rezidivprophylaxe (Rückfallvorbeugung) wurden in zahlreichen wissenschaftlichen Studien überprüft. Unter Mistelgaben konnte man eine Verlangsamung des Tumorwachstums, Wachstumsstillstand und Tumorrückbildungen beobachten.

Die Pflanze ist ein komplexes Heilmittel, das vom Arzt viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen verlangt: Welches Mittel richtig ist, hängt von der Tumorart, der Persönlichkeit des Patienten und dessen Lebenssituation ab. Meist werden im Lauf der Behandlung verschiedene Mistelpräparate eingesetzt.


Ayurveda

Die indische Volksmedizin bietet ein großes Arsenal an Anwendungen: von Ölmassagen, -güssen und Schwitzbädern über Einläufe und therapeutisches Erbrechen bis zu pflanzlichen Arzneien und einer individuell abgestimmten Ernährung. Ein ayurvedischer Arzt bestimmt die Therapievarianten je nach Konstitutionstyp und Diagnose (etwa anhand von Puls, Zungenbelag, Hautbeschaffenheit). Zur Anwendung kommen Phytotherapeutika mit zelltötender Wirkung, die etwa bei Darmkrebs helfen. Ähnliches wurde bei Leukämien beobachtet.

Durch verschiedene Pflanzenpräparate konnte zudem die Apoptose, also der programmierte Zelltod, wieder aktiviert werden. Vor allem aber eignen sich die Verfahren, um unerwünschte Nebenwirkungen konventioneller Therapien zu lindern und den Körper zu entgiften. Übelkeit wird etwa mit Ingwer bekämpft, Indischer Weihrauch (Boswellia serrata) hilft bei Ödemen, die durch Kopftumoren entstehen. Zudem lässt sich mit Ayurveda die Wirkung konventioneller Therapien verstärken: Im Tierversuch nimmt die Strahlensensibilität solider Tumoren zu, wenn Schlafbeere (Withania somnifera) ins Tumorgewebe injiziert wird.


Medizinischer Honig

Gute Ergänzung konventioneller Therapien, denn Zytostatika stören nicht nur die Vermehrung bösartiger Zellen, sondern auch die Wundheilung. Durch den Einsatz des Honigs wird totes Gewebe besser abgestoßen, die Wunde heilt schneller. Verbände lassen sich leichter entfernen, ohne dass dabei neu gebildete Hautschichten verletzt werden. Weiterer Vorteil: Bakterien bilden im Laufe der Behandlung keine Resistenzen gegen Honig – was bei Antibiotika der Fall sein kann.


Homöopathie

Sie ist äußerst umstritten: Um die Frage, ob sie wirkt oder nicht, ist ein wahrer Glaubenskrieg ausgebrochen. Aber was bedeutet das schon, wenn man ums Überleben kämpft und jede Chance nutzen will, die Hilfe verspricht. Im Übrigen existiert keine homöopathische Onkologie: Nach dem ganzheitlichen Ansatz der Lehre ist ein Tumor nur ein Symptom von vielen, das im Rahmen einer Krankengeschichte zwar eine Rolle spielt, aber meist nicht die Ursache des Leidens darstellt. Als Begleittherapie kann Homöopathie durchaus sinnvoll sein.

Mit der Behandlung kann man vor der OP beginnen, sie ist aber auch während der Strahlen- oder Chemotherapie möglich. Die Lebensqualität kann sich verbessern – und damit auch die Stimmung des Patienten. Wichtig: Die Erfahrung des Homöopathen ist entscheidend. Er muss wissen, wann die Therapie noch Sinn macht, darf keine Wunderheilung versprechen.


Sauerstofftherapie

Je besser Gewebe mit Sauerstoff versorgt ist, desto schlechter kann sich dort ein Tumor entwickeln. So weit die Theorie. Es gibt unter anderem die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie (SMT): Hier atmet man bei leichter körperlicher Betätigung über eine Atemmaske mit Sauerstoff angereicherte Luft ein. Teilweise wird das Verfahren mit einer Ganzkörperhyperthermie kombiniert, oft auch mit Zytostatika. Alle diese Ansätze sind umstritten!

Autor: Georg Francken