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Langschläfer oder Frühaufsteher? Unsere innere Uhr entscheidet.

Foto © froodmat/polylooks.de / Grafik © Felix Hoffman

HÖRZU-Experte Chronbiologe Prof. Till Roenneberg

Das Geheimnis unserer inneren Uhr

Der Wecker auf dem Nachttisch zeigt 2.30 Uhr an. Doch Luise Herder ist noch putzmunter. Neben ihrem Bett liegen ein Stapel Bücher, Zeitungen und Zeitschriften. Damit vertreibt sich die 45-Jährige die Zeit, bis sie endlich einschlafen kann. "Doch an Entspannung oder gar Tiefschlaf ist nicht zu denken", sagt sie. Schon in vier Stunden wird der Wecker klingeln, und die Bürokauffrau aus Münster weiß, wie schwer ihr dann das Aufstehen fällt. Schließlich ist das nicht die erste kurze Nacht, sondern eher eine von vielen.

Herder: "Am Morgen fühle ich mich dann benommen, unausgeruht und gerädert." Außer einer Tasse Tee kann sie nichts zu sich nehmen. Und einer Zigarette – von dieser Sucht kommt sie einfach nicht los. Bereits um acht Uhr beginnt für sie der Büroalltag. Nicht ungewöhnlich früh für die meisten Arbeitnehmer in Deutschland, aber für Luise Herder eben noch mitten in der Nacht. Denn sie ist ein Nachtmensch, eine "Eule", die sich in einer "Lerchen-Gesellschaft" von Frühaufstehern zurechtfinden muss. Das aber bringt ihre innere Uhr gehörig aus dem Takt.

Wer auf einem Langstreckenflug mehrere Zeitzonen durchflogen hat, weiß, was das bedeutet und wie der Reise-Jetlag den Lebensrhythmus stören kann: Man ist müde, unkonzentriert, fröstelt. Alles Symptome, die Luise Herder nur allzu gut kennt. Sie leidet unter einem "sozialen Jetlag". So nennen Chronobiologen wie Prof. Till Roenneberg das Phänomen. Roenneberg, einer der weltweit führenden Experten auf diesem Gebiet, erforscht mit seinem Team am Institut für Medizinische Psychologie der Universität München den physiologischen Zeitmesser, den jeder Mensch in sich trägt und der sich nicht nach dem Wecker oder dem Arbeitsbeginn richtet. Unser inneres Uhrwerk ist von Geburt an programmiert und bestimmt nicht nur, ob wir Frühaufsteher oder Langschläfer sind, sondern regelt auch die Körperfunktionen.

"Es reguliert etwa Blutdruck, Herzfrequenz, Körpertemperatur und die Konzentrationsfähigkeit", so Roenneberg. In seinen Arbeiten konnte er nachweisen, dass etwa zwei Drittel der Bevölkerung zu den "Spättypen" zählen, die morgens nur schwer aus dem Bett kommen. Unsere auf acht Uhr getrimmte Arbeitswelt orientiert sich aber an dem einen Drittel "Frühtypen" – für das Heer der Spätstarter ziemlich problematisch.

Wo aber tickt unsere innere Uhr? Und welche Mechanismen steuern sie? "Der Dirigent unseres inneren Uhrwerks sitzt im Gehirn. Dort befindet sich der Suprachiasmatische Nucleus, eine Ansammlung spezieller Nervenzellen", sagt Prof. Dr. med. Horst-Werner Korf, Direktor des Senckenbergischen Chronomedizinischen Instituts der Goethe-Universität Frankfurt am Main. "Das ist die Hauptuhr des Körpers. Sie tickt autonom mit einem Rhythmus, der etwa 24 Stunden beträgt." Sie gibt den Takt vor für die vielen Nebenuhren, die praktisch in jeder Zelle unseres Körpers sitzen. Die Hauptuhr steuert die Mechanismen des gesamten Körpers, indem sie ihre Signale über Nervenbahnen oder über Hormone vermittelt. Der Takt der Körper-Uhr ist genetisch festgelegt, wird Tag für Tag durch das Sonnenlicht angepasst und entscheidet darüber, ob wir früh am Morgen oder spät gegen Mittag aufstehen. "Die Länge unseres Schlafes, also unser Schlafbedürfnis, wird hingegen von anderen Zentren des Gehirns beeinflusst", so Korf.

Autor: Antje Raupach