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Ärzte raten allen Frauen, einmal im Monat die Brust abzutasten.

Selbstschutz: Ärzte raten allen Frauen, einmal im Monat die Brust abzutasten. - Foto © picture alliance / Arco Images GmbH

Sanfte Heilung

Neue Therapien gegen Brustkrebs

Der Moment, der das Leben verändert, versteckt sich fast immer im Alltag: Silke P. hatte an diesem sonnigen Novembermorgen 2009 den achtjährigen Daniel und die sechsjährige Sandra in die Schule gebracht, ihren Mann Volker ins Büro verabschiedet, ihren Arbeitsplatz in einer Bankfiliale erreicht und genervt daran gedacht, dass der Teppich zu Hause dringend gesaugt, die Fenster geputzt werden müssten. Die Routineuntersuchung beim Frauenarzt passte ihr an diesem Tag gar nicht. "Die hätte ich auch beinahe abgesagt", erzählt die fröhliche Frau. Aber dann fuhr sie eben doch hin.

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Krebstherapien: Neue Wege gehen, überraschende Erfolge

OP und Chemo werden immer häufiger mit schonenden Maßnahmen flankiert.

Am Mammazentrum im Hamburger Krankenhaus Jerusalem behandelt man Brustkrebspatientinnen neuerdings mit Therapien aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Bundesweit einmalig! Ziel ist es, die Nebenwirkungen der Chemotherapie zu lindern. Ähnlich wirken Sportprogramme, wie Studien der Sporthochschule Köln ergaben.

Fall 1: Miriam Pielhau - Bewegung als Lebenselixier

Trotz Brustkrebs-OP und Chemotherapie gab Moderatorin Miriam Pielhau das Laufen nie auf. Auch wenn sie nur langsam vorankam – jeder Schritt schenkte ihr neue Kraft. Mediziner wissen heute, dass Sport Nebenwirkungen der Tumortherapie lindert. Pielhau beschreibt ihre Erfahrung im Buch "Fremdkörper" (mvg, 17,90 Euro; Bestellmöglichkeit hier).

Fall 2: Silke P. - Die Kraft der Kräuter

Begleitend zur Chemo setzte Silke P. auf Traditionelle Chinesische Medizin, nahm täglich eine auf sie abgestimmte Kräutermischung ein. Eine Studie der Universität Yale bestätigt, dass spezielle TCM-Kräuter die Nebenwirkungen der Chemotherapie lindern und den Behandlungseffekt verstärken können.

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So gesehen war es ein Zufall, dass der Arzt ihn entdeckte, den kleinen Knoten in der rechten Brust. Mammografie, Ultraschall, dann eine Gewebeprobe. Warten auf das Wort, das ihre Welt wieder in Ordnung bringen würde: "gutartig". Stattdessen das Wort "Krebs". Wieder bringt Silke P. die Kinder in die Schule, geht zur Arbeit, aber "plötzlich rauschte es in meinen Ohren, die Diagnose sackte in mich ein". Das Leben verwundet, die Farben grauer, ein Schleier auf der Seele, unter der Haut der Eindringling, die Krankheit. Der Knoten muss raus. Ihre große Hoffnung vor der OP: dass die Lymphknoten nicht befallen sind.

Stunden später weiß die 40-Jährige: Der Krebs war schneller, zwei Knoten tragen bösartige Zellen. "Das war ein richtiger Schock", erinnert sie sich. Sie denkt an ihre Kinder, die womöglich zu Halbwaisen werden. An ihren Mann, der vielleicht seine Frau verliert. Und an eine Freundin, die 15 Jahre zuvor an Brustkrebs gestorben ist. Der Tod, bisher ein Fremder, zieht in ihre Gedanken ein. Ihr Mann findet kaum noch Worte. "Red mit mir", bittet sie. Doch über alles kann er reden, nur nicht über die Diagnose. Freunde rufen nicht mehr an, aus Angst, etwas Falsches zu sagen. Dafür greift Silke zum Telefon: "Hey, ich bin dieselbe wie vorher."

Sie durchforstet das Internet, liest Bücher über ihre Krankheit. Sie muss eine Entscheidung treffen, was sie ihrem Körper zumuten will. Sie hört von Alternativmedizin, das erste Mal. Nicht als Ersatz für Chemotherapie, Bestrahlungen und Hormontherapie – aber als Begleitung, die den Körper stärken kann, die Nebenwirkungen lindert. Und sie entscheidet sich: Das wird mein Weg!

57.000 Frauen erkranken in Deutschland jährlich an Brustkrebs

Brustkrebs, eine Schockdiagnose. Jede achte Deutsche ist betroffen. Immer früher wird die häufigste aller Krebsarten erkannt, immer vielschichtiger sind die Heilungsmethoden. Mehr als 80 Prozent aller Frauen überleben die Krankheit. Zunächst aber lähmt die Angst, erdrückt die Unsicherheit: Welche Ärzte helfen mir, welche Therapieform ist die richtige? Mehr als drei Viertel aller Frauen entscheiden sich für die Chemotherapie, viele erhalten zusätzlich Bestrahlungen. Als weitere Möglichkeit setzt die Schulmedizin auf die antihormonelle Methode, bei der spezielle Enzyme die Bildung von Östrogen und anderen Hormonen, die Tumore wachsen lassen, unterdrücken.

Dagegen wartet die Alternativmedizin mit einem bunten Maßnahmenkatalog auf, darunter Krebsdiäten, indischer Ayurveda, Traditionelle Chinesische Medizin mit Kräutern und Akupunktur, Vitamine in hoher Dosierung, Mistelspritzen. Etliche Ärzte rümpfen darüber die Nase – verlässliche Studien zur Wirksamkeit gibt es kaum. Nur wenige Frauen setzen ausschließlich auf alternative Verfahren. Doch fast alle Betroffenen haben Angst vor der chemischen Keule. Vor der Erschöpfung, den Hautausschlägen, der ständigen Übelkeit, dem Gefühl, dem Körper seine Kraft zu nehmen. Ärzte wissen um diese Ängste. Und viele haben begriffen, dass Schul- und Alternativmedizin einander nicht ausschließen müssen. Dass man die harten Behandlungsmethoden mit den sanften abfedern kann. Gustav J. Dobos, Professor für Naturheilkunde an den Kliniken Essen Mitte, ist überzeugt: "Beide Methoden ergänzen sich großartig."

Schul- und Alternativmedizin werden kombiniert

In seiner Klinik bekommen die Frauen neben Antikörpern und Zellgiften auch Ringelblumensalbe gegen Strahlenschäden, Akupunktur gegen Nebenwirkungen. Sie lernen Yoga oder Meditation, und bei der Visite stehen Alternativärzte neben Schulmedizinern am Krankenbett. Komplementärmedizin nennt sich dieser goldene Mittelweg, der sich auch für Silke P. als Segen erwies. Sie stellte vor der ersten Chemo ihre Ernährung um, nahm spezielle chinesische Kräuter ein. Mit Erfolg: "Bei insgesamt sechs Chemo-Zyklen erlebte ich nur drei Tage, an denen es mir wirklich schlecht ging. Ansonsten habe ich relativ problemlos die Kinder versorgt und den Haushalt gemacht." Natürlich fielen ihr die Haare aus, die Wimpern und Augenbrauen. Natürlich musste sie sich vor Infektionen hüten, selbst ein Schnupfen hätte ihr gefährlich werden können. Die Kräuter aber waren ein Kraftpaket, mit dem sie alles besser wegstecken konnte.

Bewegung hilft, die Tumortherapie zu verkraften

Studien zeigen: Der Körper kann den Kampf gegen den Krebs mit eigenen Mitteln gewinnen – wenn man ihn unterstützt. "Wir ermutigen die Patienten, schon während der Behandlung wieder mit Bewegung zu beginnen", bestätigt Professor Wilhelm Bloch von der Deutschen Sporthochschule Köln. "Es hat sich gezeigt, dass sie die Tumortherapie damit besser verkraften." Drei bis vier 40-minütige Spaziergänge pro Woche genügen, damit die Genesungschancen steigen und die Gefahr neuer Metastasen sinkt. Bewegung hilft gegen die Erschöpfung nach der Strahlentherapie und gegen die Nebenwirkungen der Chemo.

Das erlebte auch Moderatorin Miriam Pielhau. Nach der Brustkrebsdiagnose 2008 ging die 35-Jährige durch Zweifel, Unsicherheit und Ängste. Krebs bedeutete für sie "lauter Dinge, für die ich mich viel zu jung fühlte". Sie hatte Todesangst, fühlte sich allein, betete: "Ich habe um Kraft gebetet, wenn ich mich schwach fühlte, um Mut, wenn ich hilflos war." Doch während der Chemo-Zyklen joggte sie unbeirrt weiter. Sogar die Ärzte wunderten sich über die Kraft, die ihr der Sport gab. Pielhau zeigte: Man kann den Nebenwirkungen der Krebstherapie davonlaufen.

Leben, endlich wieder. Im Bewusstsein, dass gesunde Tage kostbar sind. "Emotional bin ich dünnhäutiger geworden", gibt Miriam Pielhau zu. "Die Endlichkeit sitzt mir schon im Nacken." Aber es geht ihr gut, sie lebt, ist gesund. Und natürlich läuft sie noch immer. Silke P. hat den Krebs ebenfalls mit der Doppelstrategie aus harten und weichen Methoden besiegt: "Die Konzentrationsfähigkeit und das Gedächtnis sind aber noch nicht wieder auf der Höhe", sagt sie. Auch die Kraft muss noch zurückkommen. Sie wird es schaffen, sie weiß es. Ihr Körper wird ihr helfen, so wie sie ihm geholfen hat.

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Brustkrebs: Neues aus Vorsorge und Therapie

Die Hälfte aller Frauen zwischen 50 und 69 nutzen das Angebot der Krankenkassen und gehen alle zwei Jahre zur Mammografie. Mitunter lassen sich Tumoren aber besser durch andere Methoden erkennen:


Vorsorge per Ultraschall

Rund 30 Minuten kann dieser Check dauern, bei dem alle Gewebeschichten nach verdächtigen Knoten durchsucht werden. Speziell bei dichtem Brustgewebe können Spezialisten mithilfe eines hochauflösenden Ultraschallgeräts eventuelle Tumoren frühzeitiger erkennen als bei einer Mammografie. Weiteres Plus: Beim Ultraschall gibt es keine Strahlenbelastung. Bei der Mammografie liegt sie immerhin zwei- bis dreimal höher als bei einer normalen Röntgenaufnahme der Knochen.


Neue Tastuntersuchung

Im Rahmen des Projekts "Discovering Hands" (Entdeckende Hände) führen blinde Frauen, die speziell für das Aufspüren von Brusttumoren zur MTU (Medizinische Tastuntersucherin) ausgebildet wurden, den Check durch. Eine gute Alternative zur jährlichen Tastuntersuchung beim Frauenarzt. 16 MTUs arbeiten derzeit in Deutschland, u. a. in Erlangen, Hamburg, Berlin und im Ruhrgebiet (Infos: Projekts "Discovering Hands").


Minimal-OP

Nach neuen Studien ist die Entfernung der Lymphknoten unter den Achseln von Brustkrebspatientinnen oft unnötig. Bisher wurde zusammen mit dem Tumor meist auch der Wächterlymphknoten eliminiert, weil er dem Krebs am nächsten ist. Nun wird in jedem Einzelfall geprüft, ob das wirklich notwendig ist.

Autor: Silke Pfersdorf