HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Wo Bio wirklich besser

Bio-Gemüse: besser als konventionelle Ware? Foto: Daniel Naupold/dpa

Produkte im Vergleich

Wo Bio wirklich besser ist

Ob Kaugummi, Nagellack, Tiefkühlpizza oder Backmischung: Fast jedes Produkt ist inzwischen auch in Bioqualität zu haben. Bio boomt und ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

52 Prozent der Deutschen kaufen zumindest gelegentlich Biolebensmittel – und greifen dafür oft deutlich tiefer in die Tasche als bei Produkten aus konventioneller Produktion. "Bio ist teurer, weil es aufwendiger produziert wird", erläutert Christiane Huxdorff, Agrarexpertin bei der Umweltschutzorganisation Greenpeace. "Dafür ist Bio immer besser für Umwelt, Tiere und Menschen." Doch wie sieht es im Hinblick auf Geschmack und Qualität aus? HÖRZU gibt den Überblick.

Obst und Gemüse
Biofeldfrüchte wie Kartoffeln, Zwiebeln oder Erdbeeren sind gesünder als konventionelle, denn Biokost enthält bis zu 70 Prozent mehr gesundheitsfördernde Antioxidantien und mehr Vitamin C. Dies wiesen Forscher der Universität Newcastle 2014 in einer groß angelegten Studie nach. "Außerdem kann man bei Bio sicher sein, dass keine chemisch-synthetischen Pestizide und kein Mineraldünger verwendet wurden", sagt Christiane Huxdorff. Verbrauchern, die nur ab und zu Bio kaufen möchten, empfiehlt sie, zumindest bei Blattsalat, Weintrauben und Paprika auf konventionelle Ware zu verzichten. "Gerade diese drei Produkte können viele Pestizide enthalten." Auch Zitronen seien in Bioqualität deutlich besser.

Bei Stiftung Warentest fanden Prüfer in spanischen Biozitronen allerdings geringfügige Spuren von Pestiziden. "Das kann im Produktionsablauf vorkommen, ist aber die Ausnahme", sagt Greenpeace-Expertin Huxdorff. Noch ein Wermutstropfen: Biokost verliert bei längerer Lagerung die Nährstoffe genauso schnell wie konventionelle Ware. "Deshalb: in jedem Fall auf frische, möglichst in der Region erzeugte Ware achten." Übrigens: Beim Geschmack hält konventionell erzeugtes Gemüse mit Bio durchaus mit, befand TV-Koch Tim Mälzer bei seinem "Lebensmittel-Check" im Ersten.

Eier und Milchprodukte
Bei Eiern greifen Verbraucher besonders oft zu Bioware. Ihr Marktanteil liegt laut Foodwatch bei 14 Prozent. Greenpeace-Expertin Huxdorff rät, genau hinzusehen: "Häufig muss sich der Verbraucher leider entscheiden: Wählt er die Bioeier aus dem Ausland, die höhere Transportkosten verursachen, oder die Freilandeier aus der Region, die lediglich ohne gentechnisch hergestelltes Futter erzeugt werden?" Letztere sind oft von genauso guter Qualität wie Bioeier. Bei der Milch liegt Bio klar vorn, ergab eine aktuelle Untersuchung von "Öko-Test". Biokühe bekommen Grünzeug auf der Weide, die anderen manchmal nur Silofutter. Ergebnis: Biomilch hat rund dreimal mehr gesunde Omega-3-Fettsäuren. Das wirkt sich natürlich auch auf Milchprodukte wie Joghurt, Käse und Butter aus. Geschmacklich unterscheiden sich Bio und Nicht-Bio allerdings nicht unbedingt. Bei Stiftung Warentest fiel 2014 etwa Bioparmesan im Vergleich zu Discounter- und Supermarktware durch. Vorsicht bei Käse mit der Aufschrift: "Rinde nicht zum Verzehr geeignet"! Diese ist bei konventionell erzeugtem Industriekäse häufig mit Antibiotika behandelt, warnt Huxdorff.

Fleisch und Fisch
1238 Tonnen Antibiotika wurden deutschen Rindern, Schweinen, Hühnern und Puten im vergangenen Jahr laut Bundesamt für Verbraucherschutz verabreicht. Massentierhaltung ist nicht anders möglich. Trotzdem finden sich im Fleisch gefährliche, teils sogar antibiotikaresistente Keime, wie Stiftung Warentest kürzlich beim Test von Hack herausfand. Bio schlug Konventionell, vor allem bei abgepackter Ware. "Bei Biofleisch werden Antibiotika nur ganz vereinzelt eingesetzt, und den Tieren geht es besser als in der konventionellen Massentierhaltung", so die Greenpeace-Expertin Huxdorff. Trotzdem sei auch hier die Keimbelastung manchmal zu hoch, vor allem bei frei laufendem Geflügel.

Dass die Fleischqualität bei Bio nicht immer besser ist, zeigt ein aktueller Test von ZDF-Koch Nelson Müller. Für die Doku "Wie gut ist unsere Wurst?" verglich er Salami, Wiener und Leberwurst aus dem Supermarkt, vom Discounter und aus dem Bioladen. Im Labortest schnitten alle drei fast gleich ab. Und beim Bratwurst-Geschmackstest lagen Bio und eine Supermarkt-Billigmarke gleichauf. "Biofleisch schmeckt oft intensiver nach Tier – und das ist für einige gewöhnungsbedürftig", vermutet Huxdorff. Auch bei Zuchtfisch empfiehlt sie Bio, weil anderswo Industriefutter und Antibiotika zum Einsatz kommen. Allerdings schützt das Biosiegel auch nicht immer vor schwarzen Schafen, wie die MDR-Doku "Die Bio-Illusion" kürzlich zeigte: Vermeintliche Biogarnelen in Thailand bekamen Industriefutter. Das Biosiegel wurde der Farm mittlerweile entzogen.

Brot und Fertigprodukte
Tim Mälzer testete im Juni für den "Lebensmittel- Check" im Ersten Brot. Das Ergebnis: Bio hat deutlich weniger Zusatzstoffe als die konventionelle Konkurrenz, schmeckt besser und ist, ebenso wie die getesteten Laibe vom Bäcker, deutlich länger haltbar als Industriebrot. Im Frühjahr nahm Stiftung Warentest Salami-Tiefkühlpizza und Bioeis unter die Lupe. Hier schnitt die Bioware genauso gut ab wie konventionelle, ist aber deutlich teurer – und aufgrund des ähnlich hohen Fettgehalts auch kein besseres Lebensmittel. Dasselbe gilt für die nährstoffarmen Tütensuppen, süßes Müsli oder Gummibärchen. "Bio ist nicht automatisch gesünder", meint Greenpeace-Expertin Huxdorff.

Getränke
Auch bei Orangensaft ist Bio nicht besser, fand Stiftung Warentest heraus, jedoch in einigen Fällen sogar günstiger als konventionelle Produkte. Und der Sektvergleich, den die Zeitschrift "Öko-Test" 2014 veröffentlichte, ergab: Die teuren Bioschaumweine rangieren von "sehr gut" bis "ausreichend". Genau wie die konventionellen. Als Stiftung Warentest Darjeelingtee testete, fanden die Prüfer zwar keine Pestizide, wohl aber weitere Schadstoffe. Das Erschreckende: Die Biosorten waren noch höher belastet als Marken- und Discountertees.

Putz- und Waschmittel
Im Gegensatz zu den Lebensmitteln gibt es im Haushaltsbereich keinerlei Biosiegel. "Die Bezeichnung 'Bio' oder 'Öko' auf Reinigungsmitteln bedeutet nur, dass die Produkte auf Basis von Naturstoffen produziert sind", sagt Marcus Gast, Reinigungsexperte vom Umweltbundesamt. Leider stimmt oft die Qualität nicht. Das ZDF-Magazin "WISO" testete Vollwaschmittel. Ergebnis: Das teure Ökomittel schnitt bei der Waschkraft am schlechtesten ab. Auch Öko-Allzweckreiniger sind nicht die besten, stellte das Team der Sendung "Marktcheck" im SWR fest: Sie reinigen schlechter als die konventionellen, dafür aber weniger aggressiv, da sie auf pflanzliche Rohstoffe setzen. Die chemischen Tenside von Nicht-Biomitteln wiederum sind im Klärwerk vollständig abbaubar. Schlimmer sind die auch in einigen Ökoreinigern und -waschmitteln enthaltenen Duftstoffe. "Sie können Allergien auslösen", sagt Gast. "Verbraucher sollten auf das Europäische Umweltzeichen und den Blauen Engel achten." Diese Siegel bestätigen, dass ein Produkt die Gewässer nur gering belastet und gesundheitsverträglich ist. "Reiniger mit diesen Siegeln müssen sich außerdem in Gebrauchstests gegen marktführende konventionelle Mittel beweisen." Alle so ausgezeichneten Produkte stehen unter www.eu-ecolabel.de im Internet.

Kosmetik
Duschgel mit Rosenblüten, Shampoo mit Ananas, Zahnpasta mit Minze: Zahlreiche Pflegeprodukte werben mit "natürlichen" Inhaltsstoffen. Die Bezeichnung "Natur" ist nicht geschützt, es gibt kein einheitliches Siegel. "Handcreme kann etwa Bio-Olivenöl enthalten, zusätzlich aber auch Palmöl oder Silikon, was Bio nicht entspricht", sagt Christiane Huxdorff von Greenpeace. Beim Zahnpastavergleich von Stiftung Warentest landeten zwei teure Naturkosmetikprodukte auf dem letzten Platz, unter anderem, weil sie kein Fluorid enthalten. Günstige konventionelle Zahnpasta schnitt gut ab. Bei "Öko-Test" kamen Naturkosmetiklotionen und -cremes meist gut weg. Bei vielen konventionellen Produkten monierten die Tester bedenkliche Inhaltsstoffe. Etwa Paraben, das im Verdacht steht, Krebs zu begünstigen. Außerdem Silikon, das Hautirritationen auslösen kann, und umweltschädliches Paraffin. Aber: Naturcremes ziehen manchmal langsamer ein, Shampoo schäumt bisweilen schlechter als konventionelle Produkte.

T-Shirts, Hosen & Co.
Jedes Jahr veröffentlicht Greenpeace die Messergebnisse von Kleidung, die mit umwelt- oder gesundheitsgefährdenden Stoffen belastet ist. Auch "Öko-Test" fand in konventionell hergestellter modischer Markenkleidung schädliche Inhaltsstoffe wie PVC oder Chlor. Doch Chemikalien sind nicht nur in konventioneller Ware enthalten: "Wenn ich ein T-Shirt aus Biobaumwolle kaufe, kann es trotzdem mit schädlichen Farben oder Bleichmitteln behandelt worden sein", warnt Huxdorff. "Und eine Hose für zehn Euro kann nicht aus fairer Produktion stammen." Auch bei Kleidung sind die Kriterien für die Bezeichnung "Bio" oder "Öko" nicht einheitlich geregelt. Beruhigend: Sowohl Biotextilien als auch die konventionell produzierten sind viel besser geworden, meldete Greenpeace im März 2015. Denn 29 große Hersteller wie H&M, Adidas oder Primark haben sich freiwillig verpflichtet, bis zum Jahr 2020 giftige Substanzen aus der Produktion zu verbannen.

Schuhe
"Wenn neue Schuhe intensiv riechen, ist oft zu viel Chemie drin", erklärt Huxdorff. Dies betrifft nicht nur Billigschuhe, sondern auch Modelle namhafter konventioneller Hersteller. 2014 testete die Sendung "Haushaltscheck" im WDR Flip-Flops. Von zwölf Paaren fielen sechs wegen deutlich zu hoher Schadstoffbelastung durch. Bei Lederschuhen wird häufig giftiges Chrom zur Gerbung verwendet. Für Mensch und Umwelt gesünder sind Ökoschuhe aus pflanzlich gegerbtem Leder oder recyceltem Kunststoff. Bioprodukte sind oft teurer, der Gewinn liegt aber im Erhalt unserer Umwelt.


Die wichtigsten Bio-Siegel

Drei Siegel, auf die sich Verbraucher verlassen können.

Demeter
Das strengste deutsche Siegel für Lebensmittel: Die Höfe produzieren ausschließlich Bio, verwenden 100 % Biofutter und -saaten

Europäisches staatliches Biosiegel
Lebensmittel müssen zu 95 % aus Ökolandbau stammen, dürfen bis zu 0,9 % gentechnisch veränderte Zutaten enthalten

Naturtextil Best
Das strengste europäische Siegel für konsequente Ökoproduktion von Kleidung und Lederwaren

Autor: Kathrin Elsner/Alexandra Brunner