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Schmeckt das Bio-Frühstück besser?

Schmeckt das Bio-Frühstück besser? / Fotos © picture-alliance

Der Ökolebensmittel-Check

Wie gut ist Bio wirklich?

Bio ist in aller Munde. Rund 94 Prozent der Deutschen haben schon einmal ein Bioprodukt gekauft. Vorbei die Zeiten, als man im Bioladen nur überzeugte Ökofans antraf, die sich schrumpelige Äpfel in die Jutebeutel packten. Denn heute kommt kein Supermarkt oder Discounter mehr ohne eigenes Bioregal aus.

Die Gründe, warum Menschen in den vergangenen Jahren immer häufiger zu Bioware greifen, sind unterschiedlich. Laut einer Emnid-Umfrage wollen sich 78 Prozent der Menschen damit gesünder ernähren und außerdem einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. "Biolebensmittel sind doch gesünder", sagt Katja Knoll aus Berlin. "Es werden keine chemischen Pflanzenschutzmittel verwendet", so die 36-Jährige. "Naturkost schmeckt mir einfach besser", sagt auch die 64-jährige Wiltrude Appel aus Hamburg. "Außerdem haben die Ökolandwirte eine ganz andere Beziehung zu ihren Waren als die Bauern aus der konventionellen Landwirtschaft. Das gefällt mir."

Aber was genau ist so anders an Bioware?

Friedlich grasende Kühe, glückliche Hühner, so stellen wir uns Bio vor. Aber wie funktioniert die Ökolandwirtschaft wirklich? Wer sich die Bioplakette aufkleben will, muss sich an die Richtlinien und Vorschriften der sogenannten EG-Öko-Verordnung halten. Diese legt genau fest, wie landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lebensmittel, die als Ökoprodukte gekennzeichnet werden, erzeugt und hergestellt sein müssen: nämlich auf der Grundlage umweltschonender Produktionsweisen.

Das bedeutet: Verzicht auf den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln, Wachstumsförderern, Mineraldünger, wie sie in der konventionellen Landwirtschaft zum Einsatz kommen. Es ist laut dieser Verordnung erlaubt, nur einen Teil des Betriebes nach Bioregeln zu führen und den Rest konventionell. Das gilt allerdings nicht für landwirtschaftliche Betriebe, die den deutschen Anbauverbänden des ökologischen Landbaus (zum Beispiel Demeter, Bioland) angehören – und die weitaus strengere Bioregeln haben. Dort legt man beispielsweise Wert auf das Kreislaufprinzip: Die Bauern halten nur so viele Tiere, wie sie mit ihren eigenen Feldern ernähren können. Die Tiere wiederum liefern den Dünger für die Felder. Boden, Tiere und Pflanzen sind also im Gleichgewicht, von außen muss nichts dazugekauft werden, wie zum Beispiel Futter oder Dünger.

Ist Biopflanzenanbau immer ganz natürlich?

Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel sind bei Bio nicht erlaubt. Gedüngt wird hauptsächlich mit Ökodung. Allerdings erlaubt die EG-Öko-Verordnung den Zukauf von Gülle, Jauche und Geflügelmist aus konventionellen Betrieben und den Einsatz von Blut- und Knochenmehlen, ebenso von Guano-Dünger. Die Anbauverbände sind auch hier restriktiver und verbieten diesen Zukauf.

"Fest steht, dass nachhaltige Landwirtschaft der Umwelt guttut", sagt Andrea Danitschek, Ernährungswissenschaftlerin von der Verbraucherzentrale Bayern. "Denn Bioflächen sind nicht überdüngt und bleiben weitgehend pestizidfrei, dadurch wird das Grundwasser weniger stark belastet", so die Expertin. Ein dicker Pluspunkt auch für das Klima, denn ein Ökohof erzeugt weitaus weniger Treibhausgase und verbraucht nicht so viel Energie. Übrigens: Gentechnik ist im Bioanbau strengstens verboten. Es werden weder gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut noch an die Tiere verfüttert.

Haben Tiere beim Biobauern ein besseres Leben?

Schweine wollen sich im Schlamm suhlen, Kühe auf der Weide grasen – die Chancen auf ein Leben, bei denen die Tiere ihre artgerechten Verhaltensweisen ausleben können, sind auf einem Biohof wesentlich höher. Allerdings gibt es Unterschiede: Landwirte, die einem Anbauverband angehören, haben strengere Kriterien für die Haltung der Tiere zu erfüllen, als die EG-Öko-Verordnung vorsieht. Diese besagt, dass pro Hektar und Jahr zum Beispiel 230 Legehennen und 14 Mastschweine gehalten werden dürfen.

In einem Biolandbetrieb hingegen sind es nur 140 Hennen und zehn Mastschweine. Außerdem hat jedes Tier Zugang zum Freiland. Maßnahmen wie Zähneschleifen oder das Kupieren von Schwänzen, wie es in der konventionellen Mast geschieht, sind auf einem Biohof nicht erlaubt. Die EG-Öko-Verordnung genehmigt dagegen Ausnahmen, etwa die Entfernung der Hörner bei weiblichen Kühen. Für Fische, die in ökologischer Aquakultur gezüchtet werden, gibt es mehr Bewegungsfreiheit, weil weniger Fische im Becken sind.

Werden Biotiere mit Biofutter versorgt?

Es gilt der Grundsatz: Die Tiere erhalten Futter, das ihren Bedürfnissen nahekommt. Es sollte möglichst vom eigenen Hof stammen. Laut EG-Öko-Verordnung dürfen Biobauern Schweinen und Geflügel bis zu fünf Prozent Nicht-Ökofutter in den Trog schütten. Gibt der eigene Hof allerdings nicht genug her, darf Ökofutter in beliebiger Menge von anderen Höfen zugekauft werden. Das gilt aber nicht für Bauernhöfe, die einem Anbauverband wie Bioland angehören. Der Landwirt muss 50 Prozent seines Futters selbst anbauen. Die Zugabe von Antibiotika und mastbeschleunigenden Hormonen ist bei allen Biobauern tabu. Das gilt auch für die Biofischzucht.

Autor: Antje Raupach