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Tim Mälzer in seiner neuen Doku im Ersten Tim Mälzer: Der Ernährungs-Check
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Tim Mälzer in seiner neuen Doku im Ersten "Tim Mälzer: Der Ernährungs-Check - Was ist wirklich gesund?" Foto: © NDR/Ali Saalehi

Neue Doku im Ersten

"Tim Mälzer: Der große Ernährungs-Check"

Eine deftige Schweinshaxe mit Kartoffelpüree und Sauerkraut – das klingt lecker! Aber ist das auch eine gesunde Mahlzeit? Oder wäre ein bunter Gemüseteller, vielleicht noch mit einer Portion Fisch, viel besser für den Körper? Und sind Pommes, Currywurst und Hamburger wirklich so schlecht wie ihr Ruf?

In den vergangenen Jahren gaben unterschiedliche Experten die unterschiedlichsten Ernährungstipps. Doch damit vergrößerte sich bei vielen Menschen nur die Unsicherheit: Kaum jemand vermag noch zu beurteilen, welche Kost besser oder gar wertvoller ist. Und wie könnte man das auch feststellen? Woran ließe sich messen, ob ein Essen gesund ist? Und was heißt das überhaupt: gesund?

Neue Doku "Tim Mälzer: Der große Ernährungs-Check" (ARD)

Diese Frage stellte sich auch Fernsehkoch Tim Mälzer. Für die neue Dokumentation "Tim Mälzer: Der Ernährungs-Check - Was ist wirklich gesund?" im Ersten wurde er selbst aktiv und startete einen großen Versuch: 45 ausgewählte Testpersonen zwischen 20 und 40 Jahren wurden vier Wochen lang dreimal täglich zu festgelegten Zeiten in Mälzers Studioküche verköstigt. Alle waren übrigens normalgewichtig – und männlich. Frauen konnten am Test leider nicht teilnehmen, da man befürchtete, hormonelle Schwankungen könnten das Ergebnis beeinflussen.

In den ersten 14 Tagen bekamen alle Probanden die gleiche Kost, um sicherzustellen, dass sich ihr StofFwechsel auf einem ähnlichen Level befand. Anschließend wurden die Teilnehmer in drei Gruppen eingeteilt: Die erste bekam klassische Hausmannskost, die zweite mediterranes Essen, die dritte fettreiches Fast Food. Die Kalorienzahl war mit 2900 Kilokalorien (kcal) pro Tag für alle gleich.

Ergebnisse nach dem Ernährungs-Check

Medizinisch begleitet wurde der Versuch von Prof. Peter Nawroth, Ärztlicher Direktor am Uniklinikum Heidelberg. Er analysierte die Ergebnisse der Blutproben, die den Probanden nach den ersten zwei Wochen und noch einmal am Ende des Versuchs abgenommen wurden. Besonderes Augenmerk galt dabei unter anderem der Vitaminversorgung und den Cholesterinwerten.

Erstaunliches Ergebnis: Unabhängig vom Vitamin-, Fett- oder Ballaststoffgehalt ihrer Nahrung zeigten die Blutwerte aller Testpersonen nach vier Wochen keine Veränderungen in signifikanter oder klinisch relevanter Form.

Tim Mälzer formuliert sein Fazit so: "Gesunde Ernährung gibt es nicht, wenn man damit eine lebensverlängernde, gesundheitsfördernde und krankheitsvermeidende Ernährung meint."

Einfluss der Ernährung auf Gehirn und Körper

Diese Schlussfolgerung irritiert zunächst einmal. Kann es tatsächlich sein, dass die Ernährung überhaupt keinen Einfluss auf den Körper hat? Dass es egal ist, ob man Vollkornbrot oder Weißbrot isst? Dass fettes Essen keinen messbaren gesundheitlichen Schaden anrichtet?

HÖRZU hat mit der Ernährungswissenschaftlerin Dr. Petra Forster über den Versuch gesprochen und dabei festgestellt, dass man das Ergebnis doch noch differenzierter betrachten sollte.

Petra Forsters erste Einschränkung betrifft die kurze Versuchsdauer. Viele Nährstoffe werden nämlich viel länger als vier Wochen im Körper gespeichert, sodass eine derart kurze Testphase keine echten Schwankungen sichtbar machen kann: "Bei Vitamin C etwa haben wir Reserven für zwei bis sechs Wochen. Die konnten in dem Versuchszeitraum gar nicht angebrochen werden", so Forster. "Sollten die Gruppen mit der Hausmannskost oder dem Fast Food zu wenig Obst und Gemüse erhalten haben, hätten sie das kaum bemerkt, weil der Körper die Stoffe, die er braucht, ins Blut nachschiebt." Jedenfalls solange noch Reserven da sind. Dr. Forster weiter: "Folsäure wird rund 100 Tage gespeichert, Vitamin E bis zu zwei Jahre und Vitamin B12 noch länger – da sagt eine vierwöchige Testphase gar nichts aus."

Die zweite Einschränkung der Ernährungsexpertin: Blutwerte sind nur bedingt geeignet, um einen Ernährungsstatus zu beurteilen. Denn: "Nahrungsfette schiebt der Körper schnell aus dem Blut heraus und lagert sie ins Fettgewebe oder in die Leber ein. Um da verlässliche Werte zu erhalten, müsste man alle zwei Tage eine Blutentnahme machen und sich den Kurvenverlauf dieser Fettwerte anschauen."

Die dritte Einschränkung von Dr. Forster: Der Wert einer Speise oder Kostform bemisst sich nicht nur nach den relativ leicht feststellbaren Inhaltsstoffen wie Fett-, Kalorien- oder Vitamingehalt. "Da gibt es beispielsweise noch die sekundären Pflanzenstoffe, die gerade die mediterrane Ernährung so wertvoll machen. Polyphenole oder Carotinoide etwa isst man dabei automatisch mit", sagt Dr. Forster.

Sekundäre Pflanzenstoffe wirken gesundheitsfördernd. Sie vermindern zum Beispiel Fettablagerungen in den Blutgefäßen und schützen Körperzellen vor freien Radikalen. "Diese qualitativen Eigenschaften der Blutbestandteile kamen aber gar nicht zur Sprache."

Genauso wenig wie der Einfluss der Ernährung aufs Gehirn. So bewirkt etwa die Aufnahme von Kohlenhydraten durch Zucker oder Weißmehlprodukte die Bildung von Tryptophan, einer Vorstufe des Glückshormons Serotonin. Bestimmte Omega-3-Fettsäuren können die Hirnleistung positiv beeinflussen. Umgekehrt kann ein Mangel der Fettsäuren Aufmerksamkeitsstörungen, Depressionen und Demenz begünstigen.

Autor: Melanie Schirmann