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Die Wasserqualität bei Mineralwässern unterscheidet sich stark.

Die Wasserqualität bei Mineralwässern unterscheidet sich stark. / Foto: © picture alliance/chromorange

Die Wahrheit über unser Trinkwasser

Leitungswasser oder Mineralwasser - was ist besser?

Rein und unverfälscht, mit wichtigen Mineralstoffen und kalorienfrei – Mineralwasser gilt als Inbegriff von Gesundheit, Wellness, Natürlichkeit. Es ist der beliebteste Durstlöscher hierzulande und beschert der Branche einen jährlichen Umsatz von rund drei Milliarden Euro. Ein riesiger, für den Verbraucher teilweise unübersichtlicher Markt: Mehr als 500 verschiedene Mineralwässer stellen ihn vor die Qual der Wahl. Und während früher alle sprudelten, muss er sich heute zusätzlich zwischen den Varianten mit viel, wenig oder gar keiner Kohlensäure entscheiden.

Doch was macht Mineralwasser so besonders, dass die meisten Deutschen klaglos Kästen schleppen, statt zu Hause einfach den Wasserhahn aufzudrehen? Offenbar sind es vor allem die enthaltenen Mineralstoffe, die viele Verbraucher zur Flasche greifen lassen. Die Hersteller locken geschickt mit Werbeversprechen wie "weckt Vitalität", "besonders bekömmlich" oder "ausgewogen mineralisiert". Auch die natürliche Reinheit wird gern betont, sodass sich bei vielen Konsumenten der Eindruck verfestigt hat, Mineralwasser sei wertvoller und sauberer, eben einfach besser als unser normales Trinkwasser.


Video zum Thema:


Dabei hat Mineralwasser grundsätzlich den gleichen Ursprung wie der größte Teil unseres Trinkwassers. "Eine Quelle ist ja nichts anderes als überlaufendes Grundwasser", erklärt Dr. Christoph Külls, Hydrologe an der Universität Freiburg. "Und aus diesem Grundwasser speisen sich fast 70 Prozent unseres Trinkwassers."

Natürliche Quellaustritte finden sich inbesondere in Bergregionen mit festem Gestein wie etwa dem Bayerischen Wald. "Wo das Wasser unterirdisch nicht ablaufen kann, muss es oben raus", sagt Külls. Weil oberirdische Quellen die Gefahr der Verunreinigung bergen, bohrt man zur öffentlichen Wasserversorgung in die Erde und nutzt das tiefe Grundwasser. "Als Faustregel gilt: je tiefer und älter das Wasser, desto höher seine mikrobiologische Qualität", erläutert Experte Külls. Denn Niederschlagswasser, das in der Erde versickert, wird auf seinem Weg in die Tiefe durch die Filterwirkung der Gesteine sukzessive gereinigt. "Nach einer Fließdauer von fünfzig Tagen hat es in der Regel Trinkwasserqualität erreicht", so Külls. Vielerorts aber ist das Nass mehrere Jahre unterwegs – je nach Größe des unterirdischen Reservoirs und der Neubildungsrate durch Niederschläge oder Schmelzwasser.

Auf seinem Weg durch die Gesteinsschichten reichert sich das Wasser zudem mit Mineralien wie Kalzium, Magnesium oder Natrium an. "Dabei handelt es sich um aus dem Gestein gelöste Inhaltsstoffe", erklärt Hydrologe Külls. Da unser Körper diese Mineralien benötigt, aber nicht selber herstellen kann, ist mineralisiertes Wasser ein ideales Getränk. Je nach geologischen Gegebenheiten werden die verschiedenen Mineralstoffe in unterschiedlicher Zusammensetzung und Geschwindigkeit abgegeben. Insofern ist jedes Wasser – ob aus der Leitung oder der Flasche – auch ein Spiegelbild seiner Region.

"Salze und Carbonate lösen sich am schnellsten", so Külls. Kalk- oder gipsreiches Gestein bewirkt daher einen hohen Kalzium- beziehungsweise Sulfatgehalt des Wassers. Natriumchlorid verleiht ihm einen leicht salzigen Geschmack. In kristallinem Gestein wie Granit oder Basalt lösen sich die Stoffe dagegen deutlich langsamer. "Wässer aus dem Mittelgebirge, dem Schwarzwald oder dem Bayerischen Wald sind daher meist schwach mineralisiert", erklärt Külls.

Zu wenig Mineralstoffe

Für eine Anerkennung als natürliches Mineralwasser muss eine Vielzahl strenger Kriterien erfüllt sein, die durch die Mineral- und Tafelwasserverordnung festgelegt sind. Dazu gehört unter anderem, dass die Zusammensetzung des Wassers weitgehend konstant ist und nicht verändert wird. Es dürfen also keine Mineralien zugesetzt oder entzogen werden. Die Inhaltsstoffe werden regelmäßig überprüft und sind auf dem Etikett deklariert. Einen Mindestwert schreibt die Verordnung allerdings nicht vor. Das heißt: nicht mehr vor. Setzte die Bezeichnung Mineralwasser früher mindestens 1000 Milligramm Mineralstoffe pro Liter voraus, ist dies seit einer EU-Harmonisierung im Jahr 1980 nicht mehr nötig. Ob ein hoher (über 1500) oder ein geringer Mineralstoffgehalt (unter 500 Milligramm pro Liter) – es heißt Mineralwasser.

Dass so manche Marke diesen Namen nur bedingt verdient, zeigt eine Untersuchung der Stiftung Warentest, die kürzlich 29 stille Mineralwässer und ein Quellwasser unter die Lupe nahm. "Zwei Drittel davon enthielten nur wenig Mineralstoffe, viele sogar weniger als Leitungswasser", bemängelt Dr. Birgit Rehlender, Lebensmittelchemikerin bei der Stiftung Warentest. Einen wirklich hohen Mineralstoffgehalt hatte nur Contrex vorzuweisen.

Ein ähnliches Manko gilt auch für kohlensäurehaltige Wässer: Bei einem früheren Test erwies sich jedes zweite als kraftlos. Einzig Gerolsteiner, Apollinaris und Tip Tiefenfels Quelle zeigten sich reich an Mineralstoffen. Einige Marken hatten zumindest von einem Mineralstoff viel zu bieten – und eignen sich insofern für spezielle Anforderungen. Ein genauer Blick auf die Deklaration und ein Vergleich mit dem Trinkwasser vor Ort lohnt sich also, denn vielerorts enthält das H2O aus dem Hahn mehr Mineralstoffe als der teure Tropfen aus der Flasche. Eine gute Orientierung bietet der Härtegrad: je kalkhaltiger das Wasser, desto stärker ist es mineralisiert.


Die verschiedenen Wasserarten

Wasser ist nicht gleich Wasser: Herkunft, Behandlung und Abfüllung entscheiden, unter welcher Bezeichnung das Nass in den Handel kommt.

■ Natürliches Mineralwasser Es stammt aus unterirdischen Wasservorkommen, wird direkt an der Quelle abgefüllt. Mineralwasser muss natürlich rein sein, konstant in der Zusammensetzung und benötigt eine amtliche Anerkennung.

■ Quellwasser Wird am Quellort abgefülllt, braucht aber keine amtliche Anerkennung. Die Qualität muss mindestens der von Trinkwasser entsprechen.

■ Tafelwasser Mischung mehrerer Wasserarten wie Trink- und Meerwasser. Es darf überall abgefüllt und mit Mineralstoffen versetzt werden.

■ Trinkwasser Es wird je nach Region aus Grund- oder Oberflächenwasser gewonnen und in Wasserwerken aufbereitet. Seine Qualität wird in Deutschland laufend und strenger als bei jedem anderen Lebensmittel kontrolliert.

■ Heilwasser Unterliegt den gleichen Kriterien wie Mineralwasser. Sein spezieller Mineralstoffgehalt verleiht ihm zusätzlich eine heilende oder vorbeugende Wirkung, weshalb es als Arzneimittel gilt.


Auskunft über die genauen Werte erhalten Verbraucher bei ihrem Wasserversorger. Auch in puncto Hygiene waren die Tester keineswegs zufrieden: In jeder dritten Flasche stießen sie auf Keime. Zwar enthielten die Proben keinerlei Krankheitserreger und entsprachen damit den gesetzlichen Bestimmungen. Doch Stiftung Warentest prüfte über die Richtlinien hinaus auf eventuell krank machende Bakterien – und wurde in zwölf Fällen fündig. "Für Gesunde sind diese Keime völlig unproblematisch", erklärt Rehlender. "Aber Menschen mit geschwächtem Immunsystem raten wir, die betroffenen Wässer vorsorglich abzukochen."

Eine deutlich bessere mikrobiologische Qualität finden Verbraucher bei sprudelndem Mineralwasser. Grund dafür ist die Kohlensäure, die antibakteriell wirkt und das Keimwachstum hemmt. Der Inhalt angebrochener Sprudelflaschen ist daher etwa eine Woche haltbar, stilles Wasser hält nur zwei bis drei Tage.

Ursprüngliche Reinheit des Wassers

Überhaupt fiel das Ergebnis beim kohlensäurehaltigen Wasser, das im letzten Jahr getestet wurde, erfreulicher aus. Nur bei wenigen Marken wurde ein Geschmack nach Acetaldehyd festgestellt. Der Stoff entsteht bei der Herstellung von PET-Flaschen und geht bei zu warmer und heller Lagerung ins Wasser über. Gesundheitlich ist er zwar völlig unbedenklich, verleiht dem Inhalt jedoch ein süßliches Aroma. Da die meisten Flaschenhersteller inzwischen aber Acetaldehydblocker einsetzen, schmeckten die meisten Wässer tadellos. Vorbehalte gegenüber den Kunststoffflaschen sind also unbegründet.

Einziger Nachteil: Die Haltbarkeit des Wassers ist etwas kürzer, da mit der Zeit Kohlensäure entweichen kann. Ökologisch gesehen ist PET unbedenklich, sofern es sich um Mehrwegflaschen handelt – dann ist die Ökobilanz sogar besser als bei Glas-Mehrweg.

Eine der wichtigsten Eigenschaften von Mineralwasser ist seine ursprüngliche Reinheit. Laut Verordnung muss es aus unterirdischen, vor Verunreinigungen geschützten Wasservorkommen stammen. Orientierungswerte sollen sicherstellen, dass Pestizide oder Arzneimittelrückstände nicht oder allenfalls in minimalen Spuren enthalten sind.

Die Zeitschrift "Ökotest" hakte nach und ließ 105 stille Wässer im Labor untersuchen. In einem knappen Drittel fanden sich zwar keine Pestizide, wohl aber Abbauprodukte von Pestiziden, wobei der Orientierungswert von 0,05 Mikrogramm pro Liter in 17 Fällen überschritten wurde. Zwar bestätigen Experten, dass von diesen Abbauprodukten keinerlei gesundheitliche Gefährdung ausgeht, dennoch muss man den Begriff der "ursprünglichen Reinheit" hinterfragen. Schließlich zielt die Verordnung darauf ab, sämtliche von Menschen verursachten Verunreinigungen im Mineralwasser auszuschließen. Diesen Anspruch zu erfüllen wird immer schwieriger, denn selbst tief lagernde Quellen gehören zum Wasserkreislauf. Zudem werden die Messmethoden laufend verfeinert – die von "Ökotest" nachgewiesenen Pestizid-Abbauprodukte etwa sind erst seit einigen Jahren nachweisbar.

Welches ist das beste Wasser?

Ob man angesichts dieser Ergebnisse seinen Durst aus der Flasche oder aus dem Hahn löscht, muss jeder für sich entscheiden – je nach Anspruch und Geschmack. Immerhin ist unser Trinkwasser laut Bundesumweltamt das am besten kontrollierte Lebensmittel hierzulande. Alle gesetzlichen Grenzwerte für gesundheitsschädliche Stoffe sowie mikrobiologische und chemische Qualitätsanforderungen werden zu mehr als 99 Prozent eingehalten.

Die neue Trinkwasserverordnung beinhaltet zudem erstmals einen Grenzwert für Uran und reagiert damit auf die Kritik der Verbraucherorganisation Foodwatch, die vor zwei Jahren die Uranbelastung im Trinkwasser bemängelte. Ökologisch gesehen ist Leitungswasser sowieso nicht zu toppen: Damit es aus dem Hahn läuft, ist 90- bis 1000-mal weniger Energie nötig als bei Mineralwasser.

Autor: Judith Heisig