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Der jüngste Dioxin-Skandal war nur die Spitze eines Eisbergs.

Der jüngste Dioxin-Skandal war nur die Spitze eines Eisbergs. Viele Lebensmittel-Pfuschereien kommen nie ans Licht. / Foto: © picture alliance

So schützen Sie sich beim Einkaufen

Lebenmittel: die miesen Spartricks der Industrie

Manche Wahrheiten brauchen den Deckmantel eines Witzes, um gehört zu werden. In dem französischen Dokumentarfilm "Good Food, Bad Food" sagte der marokkanische Agrarökologe und Schriftsteller Pierre Rabhi: "Wenn wir zu Tisch sitzen, sollten wir uns nicht ‚Guten Appetit!‘ wünschen, sondern ‚Viel Glück!‘. Man weiß nämlich nie, was man seinem Körper zuführt oder seinen Kindern zu essen gibt."

Rabhi sprach zwar über Methoden in der industriellen Landwirtschaft, über Pestizide und gentechnisch veränderte Pflanzen. Der Gedanke lässt sich aber auf jede Nahrung übertragen, wie kürzlich der Dioxin-Skandal zeigte. Selbst in Grundlebensmitteln wie Eiern, Fleisch, Obst und Gemüse ist man vor Giften nicht sicher. Und keiner weiß, wie sie im Körper genau wirken.

Erst recht gilt das für all jene designten Produkte der Lebensmittelindustrie, die in den Supermärkten die Regale füllen. Mit originärer Nahrung haben sie oft nicht mehr viel zu tun: Frühstücksflocken und Fruchtjoghurt, Fertigsuppe und Tiefkühlpizza – alles lässt sich ohne Mühe zubereiten und verzehren. Der Verbraucher soll es so leicht wie möglich haben beim sogenannten Convenience-Food, dem "bequemen Essen". Dieses Angebot wird dankbar angenommen: Fertiggerichte boomen nach wie vor. Allein der Verbrauch an Tiefkühlkost hat sich seit Ende der 70er-Jahre fast verdreifacht.

Wechselwirkungen bei Zusatzstoffen noch unbekannt

Doch die Lebensmittelindustrie ist kein karitativer Verein und selten auf das Wohl des Verbrauchers aus. Ausnahmen bestätigen die Regel: Industriekost muss nicht per se schlecht oder ungesund sein, manches Tiefkühlobst oder -gemüse ist sogar vitaminreicher als frisches. Und einige Hersteller bemühen sich tatsächlich, hochwertige Produkte anzubieten. In der Regel wird aber getäuscht, was das Zeug hält.

Eine Aufstellung von Stiftung Warentest zeigt das eindrucksvoll: "test" erinnerte an die dreistesten Fälle von Etikettenschwindel bei Lebensmitteln seit 2008: Basmatireis, der keiner war; Smoothies, die mit falschen Früchten lockten; Rahmspinat ohne Rahm; dazu Werbelügen und irreführende oder kaum wahrnehmbare Kennzeichnung. Von den insgesamt 749 getesteten Lebensmitteln erreichte nur ein Prozent die Note "sehr gut". Die meisten waren nur Mittelmaß, elf Prozent sogar "mangelhaft". Von Einzelfällen kann also keine Rede sein, denn auch Verbraucher- und Umweltschützer berichten regelmäßig über Missstände. Bequemlichkeit hat ihren Preis.

Viele der hoch verarbeiteten Produkte kommen nicht mehr ohne eine Vielzahl von Zusatzstoffen aus, selbst Brot, Käse oder Wurst nicht. Je stärker sie verarbeitet sind, desto mehr Zusätze enthalten sie. Und die sind alles andere als unumstritten. Ein Beispiel: Es ist kein Jahr her, seit Lebensmittel mit bestimmten synthetischen Farbstoffen (Azofarbstoffe) folgenden Warnhinweis tragen müssen: "Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen". Meist handelt es sich um Süßigkeiten oder Getränke. Die möglichen Wechselwirkungen dieser Stoffe sind kaum erforscht, bei Zusätzen so wenig wie bei Pestiziden oder sonstigen Chemikalien, etwa jenen, die über die Verpackung in Lebensmittel gelangen.

"Die große Frage ist: Was macht das alles in der Summe?", sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Auch wenn ein bestimmter Stoff nicht akut gesundheitsgefährdend ist, wie es etwa im Dioxin-Skandal geheißen hat, sind wir einer Belastung ausgesetzt, die aus vielen kleinen Teilen besteht. Was das bedeutet, ist kaum zu begreifen."

Autor: Sonja Popovic