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Vorsicht, Falle! Nicht jedes Produkt ist, was es zu sein scheint!

Vorsicht, Falle! Nicht jedes Produkt ist, was es zu sein scheint! - Foto © picture alliance

Die Tricks der Industrie

Ernährungslügen

Vorsicht, Falle! Nicht jedes Produkt ist, was es zu sein scheint! Nur wer die Tricks der Industrie kennt, kann klug auswählen.
10 wichtige Hinweise

Hört das denn niemals auf? Mit ständig neuen Tricks gelingt es der Lebensmittelindustrie immer wieder, Kunden zu täuschen und ihnen minderwertige Produkte teuer zu verkaufen. In der ganzen EU weite sich Lebensmittelbetrug aus, heißt es in einem Bericht für den Ausschuss Lebensmittelsicherheit des Europaparlaments. Grund: Wegen mangelnder Kontrollen ist das Risiko, ertappt zu werden, gering. Und die Strafen sind niedrig.
Besonders hoch sei die Gefahr des Betrugs etwa bei Olivenöl, Fisch und Gewürzen. Aber auch andere Lebensmittel können betroffen sein. Zwar besteht meist keine gesundheitliche Gefahr. Aber wer will schon gern unreife, gefärbte Oliven essen statt reifer Früchte. Oder Schweinedarm statt Tintenfisch?


HÖRZU deckt neue Lebensmittelfallen auf:

1 Schummelfisch

Fisch gehört leider zu jenen Produkten, bei denen sich besonders leicht betrügen lässt. Das betrifft nicht nur die korrekte Deklaration des Fanggebiets, sondern auch den Fisch selbst. Für Laien ist es schon nicht einfach, ein rohes Seelachs- von einem Pangasiusfilet zu unterscheiden. Wie soll man dann fähig sein, die richtige Fischart zu erkennen, wenn sie unter einer Panade versteckt ist? Sowohl die Gastronomie als auch der Handel stehen im Verdacht, diesen Umstand gelegentlich auszunutzen. So richtet der europäische Einzelhandel gerade sein besonderes Augenmerk auf frittierte Tintenfischringe: Man vermutet, dass es sich bei einigen Produkten womöglich um in Scheiben geschnittene Enddärme von Schweinen handeln könnte.


2 Versteckter Alkohol

Bei Pralinen weiß wohl jeder, dass sie eventuell Alkohol enthalten – auch wenn dies nicht deutlich auf der Verpackung steht. Manchmal taucht er nur klein gedruckt in der Zutatenliste auf: als "Kirschwasser", "Amaretto", "Weindestillat" oder schlicht "Ethanol". Die Verbraucherzentrale weist aber darauf hin, dass auch in vielen anderen Lebensmitteln Alkohol stecken kann etwa in Erdbeerkonfitüre, Salatdressing, Waffeleis oder Eismeergarnelen in Dillsauce (siehe Buch-Tipp). Der Alkoholgehalt ist meist so gering, dass er keine körperliche Wirkung zeigt, doch viele haben gute Gründe, schon geringste Mengen oder auch nur den Geschmack von Alkohol durch entsprechende Aromen zu meiden – das gilt nicht zuletzt für Kinder. Achtung: Als Trägerstoff für Aromen muss Alkohol in der Zutatenliste nicht einmal extra erwähnt werden! Ein verarbeitetes Lebensmittel kann so bis zu 0,2 Prozent Alkohol enthalten – ohne dass man es erfährt.


3 Gefärbtes Brot

Helles Brot aus herkömmlichem Weißmehl ist nicht besonders gesund – das hat sich herumgesprochen. Doch auch wenn reichlich Körner auf der Oberfläche kleben, handelt es sich oft nicht um Brot aus ganzem Korn, sondern um normales Weißbrot. Gesundheitsbewusste Verbraucher kaufen deshalb verstärkt Brot mit dunkler Färbung – doch selbst das ist kein Hinweis auf Vollkorn. Da dunkles Brot immer beliebter wird, färben Bäcker oft Weißbrot mit Zuckerrübensirup, Karamellsirup, Malzextrakt oder Röstmalz. Das ist optisch nicht von Vollkornbrot zu unterscheiden, weil auch das ganze Korn sehr fein vermahlen sein kann. Wer echtes Vollkornbrot kaufen möchte, sollte bei abgepacktem Brot stets auf die Bezeichnung "Vollkorn" achten (nicht "Vollwert", "Mehrkorn" oder "Kraftkorn") und beim Bäcker am besten immer nachfragen. In einer herkömmlichen Bäckerei sind Vollkornbrötchen nämlich die Ausnahme.


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Wo Olivenöl wirklich herkommt, weiß man als Käifer nur selten ganz sicher - Foto © picture alliance / Hans Ringhofe

4 Gepanschtes Olivenöl

Dass es bei Olivenöl auf Qualität ankommt, haben die Deutschen schnell verstanden und, wie empfohlen, vermehrt zu "nativem Olivenöl extra" gegriffen. Fast alle anderen Sorten sind daraufhin sukzessive aus den Supermarktregalen verschwunden. Trotzdem ist damit nicht automatisch jedes erhältliche Öl, auf dem das Prädikat "nativ extra" prangt, wirklich hochwertig. So kann beispielsweise angeblich italienisches Öl tatsächlich aus Tunesien importiert und heimlich in Italien umgefüllt oder auch mit minderwertigem Öl gestreckt worden sein. Tipp: Kaufen Sie ein Öl mit DOP-Siegel – das ist eine geschützte Ursprungsbezeichnung und garantiert die italienische Herkunft.


5 Falsche Vital-Slogans

Rund 200 Gesundheitsslogans, sogenannte Health Claims, sind von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) offiziell zugelassen. Dazu gehört zum Beispiel die Aussage „Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“. Vielen Firmen ist das aber nicht werbewirksam genug. Sie schreiben lieber "unterstützt das Immunsystem" auf ihr Produkt oder "fördert die Abwehrkräfte". Vor Gericht wäre Letzteres wohl unzulässig, mutmaßt die Verbraucherzentrale. Bleiben Sie bei Gesundheitsversprechen skeptisch. Von den 4000 Werbeversprechen, die von der EFSA bereits geprüft wurden, sind rund 1600 abgelehnt worden – zum Beispiel, dass Cranberrys die Blasengesundheit fördern, Acerola vor freien Radikalen schützt oder Apfelessig hilft, das Körpergewicht zu normalisieren. Nichts davon konnte wissenschaftlich belegt werden.


6 Künstliche Aromen

Natürlich oder synthetisch? So ganz klar lässt sich das nicht immer unterscheiden. Denn Aromen sind keine einzelnen Stoffe, sondern ein bunter Mix, von dem nur ein kleiner Teil den Geschmack beeinflusst. Der Rest können Füllstoffe, Lösungsmittel oder Alkohol sein – ohne dass dies angegeben werden muss (siehe Punkt 2). Faustregel: Steht nur "Aroma“ auf der Packung, handelt es sich um chemisch im Labor hergestelltes Aroma, das rund zehnmal billiger ist als natürliches. Aber selbst wenn auf einem Erdbeerjoghurt "natürliches Aroma" steht, muss es nicht aus der Erdbeere gewonnen sein, sondern lediglich aus natürlichen Rohstoffen wie Pilzen oder Hefen. Nur wenn ein Lebensmittel explizit genannt wird (beispielsweise "natürliches Vanillearoma"), muss das genannte Aroma zu mindestens 95 Prozent aus diesem Lebensmittel stammen.


7 "Optimierte" Oliven

Grundsätzlich gilt: Die Farbe von Oliven hängt von ihrem Reifegrad ab. Werden die Früchte früh geerntet, sind sie noch grün, je länger sie jedoch am Baum bleiben, desto dunkler wird ihre Farbe, von Violett bis Schwarz. Wer schwarze Oliven fertig verpackt kauft, kann aber leider nicht davon ausgehen, dass er immer natürlich gereifte Früchte bekommt. Denn häufig befinden sich in der Packung noch nicht ausgereifte grüne Oliven, die mit Zusatzstoffen wie Eisen- II-Gluconat (E 579) oder Eisen-II-Lactat (E 585) gefärbt sind. Da unreife grüne Oliven milder schmecken, sind oft auch unnötige Geschmacksverstärker zugesetzt. Suchen Sie darum auf dem Etikett gezielt nach den farbgebenden Zusatzstoffen! Sie sind übrigens nicht als Farbstoffe, sondern als Stabilisatoren aufgeführt.


8 Verfälschte Gewürze

Chilipulver ist in der Vergangenheit mit Sudanrot verfälscht worden – ein Stoff, der im Verdacht steht, krebserregend und erbgutverändernd zu sein. Nicht nur das Pulver selbst war betroffen, sondern auch Produkte, in denen es verarbeitet war, zum Beispiel Worcestersauce, die wiederum Bestandteil von Fertigsuppen oder Pizzen war. Heute müssen EU-Lebensmittel nachgewiesenermaßen frei von Sudanrot sein. Doch natürlich kommen neue Tricks auf: So wird etwa teures Safranpulver gern gestreckt, zum Beispiel mit günstigem Kurkuma, bei gemahlenem Pfeffer oder Paprikapulver kann es Senfmehl sein. Und: In manchen Lebensmitteln soll auch schon Straßensalz statt Speisesalz verwendet worden sein.


9 Von wegen "ohne"

"Ohne Fett", "ohne Laktose", "ohne Zuckerzusatz": Diese Angaben klingen gut, irgendwie auch gesund, in Wirklichkeit sind sie aber nur eines: ohne Sinn. Denn häufig betonen diese Angaben nur das, was ohnehin schon immer selbstverständlich so war. Gummibärchen beispielsweise sind von Natur aus fettfrei – enthalten dafür aber jede Menge Zucker. Viele Käsesorten sind frei von Laktose, ebenfalls ganz natürlich. Es ist also überhaupt nicht notwendig, diese Produkte womöglich auch noch zu überhöhten Preisen zu kaufen. Wer Laktoverträgt, hat überhaupt keinen Vorteil von laktosefreien Produkten – sie sind nicht besser oder gar gesünder. Und die Angaben "ohne Zucker" oder "ohne Alkohol" bedeuten nicht, dass diese Produkte null Komma null Zucker oder Alkohol enthalten, denn kleine Mengen sind trotzdem erlaubt. Ähnliches gilt für Produkte "ohne Zuckerzusatz": Hier wurde zwar kein Trauben- oder Rübenzucker zugesetzt, es können aber zuckerhaltiger Fruchtsaft, Trockenfrüchte, Milch- oder Molkenpulver enthalten sein.


10 Tierischer Schwindel

Für Fetakäse existieren klare Regeln: Er wird aus Schafmilch hergestellt, eventuell mit einem Teil Ziegenmilch, und stammt vom griechischen Festland oder der Insel Lesbos. Doch einige Doppelgänger, die sich zum Beispiel „Hirtenkäse“ nennen, erwecken mit Griechenland-Motiven auf der Packung den Anschein von echtem Feta, obwohl nur einfacher Kuhmilchkäse in Salzlake enthalten ist. Auch hier lohnt ein Blick auf die Zutatenliste! Ebenso wie bei Fleischprodukten einer bestimmten Tierart, denn diese muss weder ausschließlich noch überwiegend enthalten sein. Eine Lammsalami etwa muss nicht zu hundert Prozent aus Lamm sein, sondern kann neben einem kleinen Anteil Lamm vor allem aus Schweinefleisch bestehen.

Autor: Melanie Schirmann