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Immer wieder lockt der Zucker - mal offensichtlich, mal gut getarnt.

Immer wieder lockt der Zucker - mal offensichtlich, mal gut getarnt. / Foto: © picture alliance/chromorange

Wer profitiert vom Zuckerkonsum?

Die Zuckermafia: Darum sollen wir Süßes essen

Hundert Gramm. So viel Zucker isst jeder Deutsche im Durchschnitt – und zwar täglich. Diese Menge entspricht rund 33 Stückchen Würfelzucker. Nur eine kleine Portion davon fügen wir unserer Nahrung selbst zu, zum Beispiel den Löffel Zucker im Tee oder Kaffee. Den größeren Teil, nämlich rund 83 Prozent, nehmen wir unbewusst zu uns: über zahlreiche Lebensmittel, die weit mehr Zucker enthalten, als man ahnt.

Gesund ist das auf Dauer nicht. Industriezucker macht dick, schwächt Verdauung und Immunsystem und kann als Spätfolge auch Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Leberschwäche auslösen. Die gängige Verzehrempfehlung liegt deshalb bei 50 bis 60 Gramm Zucker täglich, wenn man körperlich mäßig aktiv ist. Ein Wert, der auch ohne Naschen schnell erreicht ist, etwa mit 25 Gramm Konfitüre, einem Becher Fruchtjoghurt und 100 Gramm Rotkohl aus dem Glas.

Ziemlich dick im Geschäft

Mehrere Studien legen den Schluss nahe, dass Zucker eine Art Sucht nach Süßem auslöst. Da wundert es nicht, dass sich der Zuckerkonsum in den vergangenen 50 Jahren weltweit verdreifacht hat. Ganz nach dem Geschmack all jener Firmen, die gut daran verdienen. "Das sind auf der einen Seite Zuckerbauern, Süßwaren-Produzenten und alle anderen, die Zucker in die Welt bringen – zehn Prozent gehen allein auf das Konto von Coca-Cola" so Autor Hans-Ulrich Grimm (siehe Buch-Tipp). "Auf der anderen Seite macht auch die Medizinindustrie großen Umsatz mit den Folgen des Zuckerkonsums: Allein mit Diabetes sind es in Deutschland 48 Milliarden Euro im Jahr."

Hans-Ulrich Grimm

Autor Hans-Ulrich Grimm hat ein Buch über die Methoden der ''Zuckermafia'' geschrieben. / Foto: © picture alliance / Jazz Archiv

Zwar will Grimm keiner Firma direkt die bewusste Schädigung der menschlichen Gesundheit zugunsten des Profits vorwerfen, doch macht er unterschwellig sehr deutlich, dass auch niemand Interesse hat, die Konsumenten vor zu viel Zucker zu schützen. Die Branche hat einflussreiche Lobbyverbände, etwa die International Sugar Organization, die World Sugar Research Organisation oder in Deutschland die Wirtschaftsvereinigung Zucker.

"Wenn jemand vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vorschlagen würde, den Zuckerverbrauch einzuschränken, brächte die Lobby sicher sofort Studien hervor, die jede schädliche Wirkung von Zucker in Zweifel ziehen", sagt Hans-Ulrich Grimm. Neutrale Expertise ist nach seiner Erfahrung in der Ernährungsforschung kaum zu haben: "Es gibt hierzulande keinen Wissenschaftler, der die Datenlage unabhängig beurteilt. Soll Forschung von der EU finanziert werden, muss man gleichzeitig Gelder von der Industrie vorweisen können."

Selbst die Weltgesundheitsorganisation werde manipuliert: Als sie einst offiziell empfehlen wollte, am Tag höchstens 60 Gramm freie Zucker zu verzehren, zehn Prozent der täglichen Kalorien, machte die Lobby Druck. Ergebnis: "40 Botschafter der Zuckernationen schrieben an die WHO, dass die Empfehlung die Wirtschaft der sich entwickelnden Welt schädige." Folge: Die Empfehlung wurde modifizert, die zehn Prozent verschwanden.

Bittersüße Erkenntnisse

Es ist schwer, den Zuckermarkt zu durchschauen. "Es geht da um massive, in Europa sehr gut verankerte wirtschaftliche Interessen", so Grimm. Gerade wurde die Zuckermarktordnung, die den Zuckerrübenbauern der EU hohe Garantiepreise sichert, bis 2020 verlängert. Im Gegenzug werden auch Süßwarenfirmen wie Ferrero, Haribo oder Storck weiter subventioniert. "Weil sie hier so viel für Zucker zahlen und deshalb auf dem Weltmarkt nicht konkurrenzfähig sind." Die süßen "Drogen" werden also staatlich gefördert.

Als Verbraucher fühlt man sich etwas hilflos. Auch angesichts der Tatsache, dass jedes Jahr weltweit bis zu 30 Millionen Menschen indirekt an ihrem Zuckerkonsum sterben. Was tun? Hans-Ulrich Grimm hat mit vielen Experten gesprochen: "Alle haben angefangen, ihren Zuckerkonsum bewusst zu reduzieren." Am wichtigsten sei, die Kontrolle zurückzugewinnen: "Dass ich selbst entscheide, wann ich Zucker esse, und ihn nicht unwissentlich zu mir nehme."


Die Zuckermafia

Cover: © Droemer Verlag

Buch-Tipp

Hans-Ulrich Grimm: ''Garantiert gesundheitsgefährdend: Wie uns die Zucker-Mafia krank macht'', Droemer Verlag, 304 Seiten, 18,00 Euro


Vorsicht, Zuckerfalle! Nicht nur Süßigkeiten enthalten eine Menge Zucker, auch in vielen anderen Lebens mitteln ist er verdeckt enthalten. Deshalb: Immer Nährwertangaben lesen!

Mars
Der Schokoriegel mit Candycreme und Karamell schlägt mit 224 Kalorien zu Buche. Nicht zuletzt durch die drei enthaltenen Zuckerarten: 1 Riegel (51 g) = 11 Würfel Zucker (32 g)

Fruchtbuttermilch
Buttermilch kennt man als Schlankmacher, Früchte als Vitaminlieferanten. Doch das täuscht. Dieses Produkt ist überzuckert: 1 Flasche (500 g) = 22 Würfel Zucker (66 g)

Coca Cola

Coca-Cola / Foto: © dpa

Coca-Cola Deutschland hat 2011 rund 3,7 Milliarden Liter seiner Getränke verkauft, obwohl ihr hoher Zuckergehalt bekannt ist: 1 Flasche (500 ml) = 18 Würfel Zucker (54 g)

Nutella
Der beliebte Nugataufstrich von Ferrero ist eine Zuckerbombe. Auf einen Esslöffel umgerechnet enthält er etwa 8,4 g Zucker, also drei Würfel: 1 Glas (450 g) = 84 Würfel Zucker (252 g)

Apfelkompott
Früchte enthalten von Natur aus Zucker. Industriellen Produkten wird allerdings zusätzliche Süße beigefügt. So ergibt sich: 1 Glas (370 ml) = 21 Würfel Zucker (63 g)

Red Bull
Den Energydrink verbindet man mit Abenteuer, Fitness und den Wachmachern Koffein und Taurin. Zucker ist aber auch reichlich drin: 1 Dose (250 ml) = 9 Würfel Zucker (27 g)

Fertigpizza
Wer hätte das gedacht: Auch so herzhafte Gerichte wie Pizza enthalten als Tiefkühlware Zucker – und das in nicht mal geringer Menge: 1 Packung (350 g) = 4 Würfel Zucker (12 g)

Volvic Orange
Sieht aus wie Wasser, aber schmeckt nach Orange – und irgendwie hält man es für gesund. Ein Irrtum, wie ein Blick auf die Süße zeigt: 1 Flasche (1,5 l) = 12 Würfel Zucker (36 g)

Kellogg’s Frosties
Die als "Powerflakes" angepriesenen Frühstücksflocken enthalten pro Portion (30 g) laut Packung 11 g Zucker (entspricht vier Würfeln): 1 Packung (375 g) = 46 Würfel Zucker (139 g)

Haribo

Haribo / Foto: © picture-alliance / maxppp
Bei Süßigkeiten wundert es nicht, dass Zucker enthalten ist. Aber so viel?! Schon eine halbe Tüte würde die empfohlene Menge decken: 1 Tüte (200 g) = 30 Würfel Zucker (91 g)

Autor: Melanie Schirmann