HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
TV-Koch Christian Rach blickt hinter die Kulissen der Nahrungsmittelindustrie.

"Rach deckt auf": TV-Koch Christian Rach blickt hinter die Kulissen der Nahrungsmittelindustrie. - Foto © RTL / Frank Hempel

Christian Rach im Interview

Die Wahrheit über unsere Lebensmittel

Experteninterview: TV-Koch Christian Rach blickt hinter die Kulissen der Nahrungsmittelindustrie und kommt zu überraschenden Antworten.

TV-Koch Christian Rach

Jedes achte Lebensmittel, das wir einkaufen, landet in der Tonne. - Foto © RTL

Sternekoch und GOLDENE KAMERA-Preisträger Christian Rach testet wieder! Diesmal keine Restaurants, sondern Lebensmittel: In einer vierteiligen Dokumentation ("Rach deckt auf", Mo., 17.06., 20:15 Uhr, RTL) über Ernährung, Einkauf und Verbraucherschutz (siehe TV-Tipp rechts) ermittelt er etwa, woher unser Essen eigentlich kommt – und erfährt dabei, dass ein vermeintlich regionales Produkt auch aus Asien stammen kann. Wie das möglich ist, erklärt Rach hier im Interview.

HÖRZU: Lebensmittel aus der Region – was bedeutet das eigentlich?

Christian Rach: Für den Begriff Regionalität gibt es keine Definition. Ist regional nur das, was innerhalb von zehn Kilometern vor der Haustür wächst, oder auch das, was 100 Kilometer entfernt geerntet wurde? Ich weiß es nicht. Ich glaube, was wir damit eigentlich meinen, ist das Vertrauen, das wir in ein Gebiet haben, das wir zumindest dem Namen nach kennen. Doch dieses Vertrauen ist nicht immer unbedingt gerechtfertigt.

HÖRZU: Ist die Empfehlung, regionale Produkte zu bevorzugen, damit hinfällig?

Christian Rach: Eine deutsche Kartoffel zu kaufen ist großartig. Es spricht aber auch nichts dagegen, Erstlingskartoffeln aus Sizilien zu kaufen, wenn die früh da sind, oder den ersten Spargel aus Griechenland. Ich würde eher sagen: Kaufen Sie Produkte, von denen Sie garantiert wissen, wo sie herkommen.

HÖRZU: Aber wie kann man da sicher sein?

Christian Rach: Im Moment gucken wir in Deutschland bei Lebensmitteln nur auf den Preis. Das ist das größte Problem, das wir haben. Verbraucher sollten Hersteller auf Transparenz trimmen. Sie können aktiv werden und nachfragen. Wenn das nicht nur zwei, sondern tausend Leute machen, wird es irgendwann anstrengend für die Hersteller.

HÖRZU: Verlangen Sie da nicht ein bisschen zu viel von den Verbrauchern?

Christian Rach: Ja, der Schritt ist für viele zu groß. Ich weiß aber nicht, wie wir es anders hinkriegen.

HÖRZU: Warum sind wir so achtlos in Bezug auf unsere Lebensmittel?

Christian Rach: Weil Lebensmittel bei uns zu billig sind. So werden Verbraucher sehr anfällig dafür, vieles zu schnell wegzuschmeißen. Nehmen wir das Beispiel Joghurt: Wenn Handelskette A eine Anzahl von Paletten mit Ablaufdatum 15.6. bestellt, und Handelspartner B beim selben Produzenten das Ablaufdatum 23.6. anfordert – dann kriegt er Joghurt aus demselben Bottich, nur anders abgestempelt. Der Joghurt ist ja am 16. nicht schlecht, sondern mindestens noch vier Wochen haltbar – ohne Einschränkung des Genusses. Aber die Verbraucher schmeißen ihn trotzdem sicherheitshalber schon am 13. weg.

HÖRZU: Wissen wir zu wenig über Lebensmittel?

Christian Rach: Ja, das kann man wohl so sagen. Das, was früher als tradiertes Wissen von der Oma zur Mutter oder vom Vater zum Sohn weitergegeben wurde, geht uns innerhalb von zwei Generationen verloren. Wir haben eine flexible Arbeitswelt. Das ist gut so, beinhaltet aber auch, dass wir nicht mehr zusammen kochen und essen. Damit geht uns Ernährungswissen verloren.

HÖRZU: Wären an dieser Stelle also heute die Schulen mehr gefordert?

Christian Rach: Ja, wir müssen mehr Alltagswissen in unseren Schulen lehren. Es ist völliger Quatsch, dass man die fünfte Ableitung irgendeiner Differenzialrechnung beherrschen muss, aber Wissen über Zucker, Salz und Fett nicht vermittelt wird, weil es kein Fach Ernährungslehre oder Gesundheit gibt.

HÖRZU: Wie kann man heute mit gutem Gewissen einkaufen und essen?

Christian Rach: Indem man sich ausgewogen ernährt, würde ich sagen. Ich habe nichts dagegen, dass man mal Schokolade isst oder in einen Burger beißt, aber wer das zur täglichen Nahrungsgrundlage erhebt, wird ein Problem bekommen. Wir leiden unter der Einseitigkeit unserer Ernährung. Wer mit gutem Gewissen essen will, muss sich auch selbst mal an den Herd stellen.


Lebensmittel-Einkauf: Fünf Tipps von Christian Rach

1. Behalten Sie Ihre Vorräte im Blick
Schauen Sie vor dem Einkauf nach: Wie viel Milch oder Butter ist noch da? Ist die Wurst oder der Joghurt schon abgelaufen?

2. Kaufen Sie nur, was Sie brauchen
Sprich: Machen Sie sich vor dem Gang in den Supermarkt Gedanken, was Sie in den nächsten drei Tagen kochen wollen.

3. Schreiben Sie sich eine Liste
Das wird leider nur noch selten gemacht. Dabei ist es die einfachste Art, die Verschwendung von Lebensmitteln zu vermeiden. Zudem spart man so auch noch Geld.

4. Lesen Sie Verpackungsangaben
Ab und an verpackte Nudeln oder Tomatensauce aus dem Glas zu kaufen ist kein Problem – aber bitte nur, wenn man die Deklaration versteht. Denn nur dann weiß man, was wirklich drinsteckt.

5. Sprechen Sie sich ab
Bei vielen Paaren bestücken beide Partner den Kühlschrank, ohne Absprachen. So werden zu viele Produkte unnötigerweise doppelt gekauft.

Autor: Melanie Schirmann