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Viele Erwachsene weisen Impf-Lücken aus ihrer Kindheit auf.

Viele Erwachsene weisen Impf-Lücken aus ihrer Kindheit auf. / Foto: © dpa

Plus: Impfkalender

Welche Impfungen brauche ich?

Eigentlich sollten sie ausgerottet sein, die Masern. Doch jetzt sind sie wieder auf dem Vormarsch: 1670 Krankheitsfälle registrierte das Robert-Koch-Institut (RKI) bislang für 2013 – zehnmal so viele wie im vergangenen Jahr. Interessant: Waren vor zehn Jahren vor allem Kinder betroffen, sind inzwischen fast 40 Prozent der Patienten älter als 20.


Hier Experten-Interview mit Dr. med. Michael Gesche


"Noch deutlicher ist der Trend bei Mumps und Keuchhusten", so Dr. Jan Leidel, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (STIKO). "Hier ist der Anteil der erwachse nen Patienten so hoch, dass der Begriff Kinderkrankheit kaum noch passend scheint."

Eine bedenkliche Entwicklung, denn für die meisten typischen Kinderkrankheiten gilt: je älter die Betroffenen, desto schwerer der Verlauf. Beispiel Masern: 40 Prozent der erwachsenen Patienten landen im Krankenhaus. Dass überhaupt so viele Menschen betroffen sind, liegt an einer Impflücke. "Die betrifft vor allem junge Erwachsene, die nach 1970 geboren sind", sagt Leidel.

Hintergrund: Der Masernimpfstoff wurde 1973 in Deutschland eingeführt. Da den ersten Jahren nur ein Teil de Eltern der Impfempfehlung folgte, sind Bürger dieser Jahrgänge oft ungeschützt. Zudem zeigte sich erst später, dass für einen wirksamen Schutz eine Nachimpfun nötig ist – die 1991 eingeführt wurde. Fast alle vor 1970 Geborenen, so nimmt man an, hatten bereits als Kind Masern und sind dadurch immunisiert.

Allen später Geborenen empfiehlt die STIKO die Impfung – sofern sie die Masern nicht hatten. "Wer nicht sicher ist, sollte sich vorsichtshalber impfen lassen", rät der Experte. Der kleine Piks hat große Wirkung, da der heute verwendete Kombinationswirkstoff neben Masern zugleich vor Mumps und Röteln schützt.


Impfausweis

Nicht jeder hat einen Impfausweis. / Foto: © picture alliance/chromorange

Impfungen: sinnvoll oder gefährlich?

Impfgegner halten eine Immunisierung durch medizinische Impfstoffe für riskanter als die Krankheit selbst. Sie gehen davon aus, dass eine natürliche Immunisierung, die beim Durchleiden der Krankheit entsteht, wirksamer ist. Und dass Kinder in Fieberphasen wichtige Entwicklungsschübe erleben. In manchen Regionen Deutschlands werden sogar sogenannte Masern- oder Windpocken-Partys veranstaltet, um Kinder gezielt mit den Erregern in Kontakt zu bringen.

Impfbefürworter verweisen auf mitunter schwere, vereinzelt sogar tödliche Komplikationen bei Kinderkrankheiten. Der Vorteil der natürlichen Immunisierung stehe in keinem Verhältnis zum Risiko. Studien in Entwicklungsländern belegen: Nach der Einführung von Masernimpfungen gibt es dort einen drastischen Rückgang der Kindersterblichkeit.


Was vielen nicht bewusst ist: Alle diese Kinderkrankheiten sind keineswegs harmlos! Masern etwa bergen die Gefahr einer tödlichen Gehirnentzündung als Spätfolge. Nach jüngsten Berechnungen trifft die gefürchtete Komplikation eines von 3300 Kindern, die vor ihrem fünften Lebensjahr an Masern erkranken. Aber auch Erwachsene sind gefährdet: Bei ihnen kommt es zudem oft zu schweren Durchfällen, Mittelohr- und Lungenentzündungen.

Ähnliches gilt für das Mumps-Virus, das zu einer Meningitis und Taubheit nach Innenohrentzündung führen kann. Junge Männer tragen das Risiko einer Hodenentzündung und können in der Folge unfruchtbar werden.

Junge Frau laesst sich impfen

Vor einer geplanten Schwangerschaft sind Nachimpfungen oft sinnvoll. / Foto: © picture alliance / Arco Images GmbH

Vorsicht: Röteln und Windpocken

Der Schutz vor Röteln wiederum ist ganz besonders für Frauen wichtig: Erkranken sie in der Schwangerschaft, ist das Risiko für Fehlgeburten und Fehlbildungen des Kindes stark erhöht. Da eine schwangere Frau nicht mehr geimpft werden darf, sollten alle Frauen mit Kinderwunsch ihren Impfschutz überprüfen und sich gegebenenfalls nachimpfen lassen.

Das empfehlen die Experten ebenso in Bezug auf Windpocken als auch Keuchhusten. Denn ähnlich wie Röteln sind Windpocken vor allem für Schwangere gefährlich. Auch bei Neurodermitikern treten hier gehäuft Komplikationen auf.

Keuchhusten dagegen nimmt bei Erwachsenen eher selten einen schweren Verlauf, kann aber für Säuglinge tödlich sein. Da man nach einer Infektion nicht lebenslang, sondern lediglich etwa zehn Jahre immun ist, steigt die Zahl der Erkrankten seit Jahren an. Um kleine Kinder nicht ungewollt anzustecken, sollten Erwachsene sich daher bei der nächsten Tetanus-Auffrischung gegen Keuchhusten mitimpfen lassen – einen Einzelimpfstoff gibt es nicht.

Ursprünglich hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO angestrebt, die Masern in Europa bereits bis zum Jahr 2010 auszurotten. "Bei den Kindern sind wir mit einer Impfquote von deutlich über 90 Prozent auf einem guten Weg", so Experte Jan Leidl. Aufgrund der Impflücke und einiger Impfgegner in der Bevölkerung konnte das Ziel der WHO hierzulande allerdings noch nicht erreicht werden.

"Deutschland sucht den Impfpass" heißt daher eine aktuelle Kampagne des Bundes, die für das Thema sensibilisieren und die Impfbereitschaft erhöhen will. Denn das neue Zeitziel der WHO ist nicht mehr fern: Bis 2015 sollen die Masern nun endgültig besiegt sein.

Der Impfkalender

Autor: Judith Heisig