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Rheumatische Arthritis verursacht oft große Schmerzen.

Gegen rheumatoide Arthritis steht ein Wirkstoffblock kurz vor der Zulassung: die Kinasehemmer. - Foto © picture alliance / dpa Themendienst

Neue Therapien

Starke Knochen und gesunde Gelenke

Millionen Deutsche leiden unter Arthritis, Arthrose und Osteoporose. Neueste Studien zeigen, was den Bewegungsapparat stabil hält. HÖRZU nennt Ihnen neue Therapien von Top-Experten. Plus: Die besten Schmerzblocker.

Probleme mit den Knochen sind keine Frage des Alters. Und schon gar nicht naturgegeben. Zwar wird unser Skelett mit den Lebensjahren ein wenig instabiler. Doch das muss nicht zwangsläufig zu Schmerzen oder Krankheiten wie Arthrose, Arthritis oder Osteoporose führen. Wer beweglich bleiben will und bis ins hohe Alter von gesunden Knochen und heilen Gelenken durchs Leben getragen werden möchte, kann selbst viel dazu beitragen. Auch die Rheumaforschung hat große Fortschritte gemacht. Innovative Behandlungsstrategien und Wirkstoffe machen berechtigte Hoffnung auf ein beschwerdefreies Leben.

Osteoporose: Substanz stärken!

Osteoporose zählt laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den zehn wichtigsten Erkrankungen unserer Zeit. Jahr für Jahr gehen allein in Deutschland mehr als 500.000 Knochenbrüche auf das Konto des schleichenden Knochenabbaus, darunter etwa 120.000 der gefürchteten Frakturen des Oberschenkelhalses. Dabei muss es kein großer Unfall sein, der die Knochen wie Streichhölzer knicken lässt. Oft reicht schon eine feste Umarmung – und eine Rippe knackst. Oder ein kleiner Fehltritt – und der Knöchel ist durch.

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Calcium, z.B. in Milch, ist wichtig für Knochen und Zähne. - Foto © picture-alliance / Denkou Images


Wo Arthrose am häufigsten auftritt

Fünf Millionen Deutsche leiden an der schmerzhaften Schädigung der Gelenkknorpel. Als Hauptursache gilt Fehlbelastung. Am häufigsten betroffen: das Knie. Das ergab eine Umfrage, bei der Arthrose-Patienten angaben, welche Gelenke bei ihnen geschädigt sind (Mehrfachnennungen waren möglich). Das Risiko steigt mit dem Alter. Zwei Drittel aller Kranken sind über 65.

Quelle: Deutsche Arthrose-Hilfe e. V.; Mehrfachnennungen möglich


25% der Frauen leiden nach der Menopause an Osteoporose

Von Osteoporose betroffen sind etwa acht Millionen Deutsche, vor allem Frauen nach der Menopause. Prof. Reiner Bartl vom Osteoporosezentrum in München: "Durch den drastischen Abfall des Östrogenspiegels verlieren ihre Knochen rapide bis zu vier Prozent Knochensubstanz pro Jahr. Das bedeutet, dass die Frau vom 40. bis zum 70. Lebensjahr im Durchschnitt etwa 40 Prozent ihrer Knochenmasse einbüßt." Männer verlieren im gleichen Zeitraum nur etwa zwölf Prozent.

Insgesamt erleidet jede dritte Frau, aber nur jeder achte Mann im Alter mindestens einen durch Osteoporose verursachten Knochenbruch. "Auslöser der Osteoporose ist eine Störung im Knochenstoffwechsel, die zu einem schleichenden Abbau von Knochenmasse führt", sagt der Osteologe. Der Knochen werde, so ergänzt Bartl, porös, morsch und verliere zusehends an Stabilität. Diesen Prozess hoffen Dresdner Wissenschaftler nun stoppen zu können.

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Calcium, z.B. in Käse, ist wichtig für starke Knochen und Zähne. - Foto © picture alliance

In einem internationalen Team hat Prof. Lorenz Hofbauer, Hormon- und Osteoporose-Experte an der Medizinischen Klinik und Poliklinik 3 des Uniklinikums Carl Gustav Carus, mit seinen Mitarbeitern neue Behandlungsmethoden erforscht. Hofbauer erklärt: "Sie setzen direkt bei der Knochenbiologie an und verfolgen damit einen vollkommen neuen Therapieansatz." Dabei arbeiten die Forscher mit Antikörpern, etwa dem Wirkstoff Denosumab (siehe auch weiter unten).

Arthrose: den Schmerz stoppen!

Auch in der Arthrose-Forschung ist die Wissenschaft mit großen Schritten vorangekommen. Nach aktuellen Schätzungen leiden in Deutschland fünf Millionen Menschen an dieser degenerativen Deformation der Gelenkknorpel, die die häufigste rheumatische Erkrankung darstellt. Während Osteoporose schleichend und unbemerkt entsteht, macht Arthrose auf sich aufmerksam: Die Gelenke schwellen an und sind morgens nach dem Aufstehen steif. Vor allem jetzt, bei der winterlichen, nasskalten Witterung, leiden Betroffene oft unter heftigen Schmerzen.

Über Jahre hinweg werden bei Arthrose etwa durch Übergewicht oder Überbeanspruchung die schützenden Knorpelkappen der Gelenke geschädigt. "Wenn die Schmerzen und die Funktionseinschränkungen so groß sind, dass der Patient nicht mehr im Alltag zurechtkommt, wird das natürliche Gelenk oft durch ein künstliches ersetzt, also durch eine Prothese", sagt Prof. Ulrich Nöth, Leitender Oberarzt Endoprothetik der Orthopädischen Klinik König-Ludwig-Haus in Würzburg.


Neueste Forschung bei Arthrose, Rheuma und Osteoporose

Weltweit arbeiten Wissenschaftler an neuen Wirkstoffen und Behandlungswegen zu Gelenkproblemen. Viele Innovationen stammen auch aus deutschen Kliniken.

Wundermittel für Arthrose: Stammzellen
Gegen den Knorpelverschleiß haben Würzburger Wissenschaftler der Orthopädischen Klinik König-Ludwig-Haus erstmals in Deutschland Arthrose-Patienten "mesenchymale Stammzellen" ins Knie injiziert, also Vorläuferzellen des Bindegewebes. Sie wurden zuvor aus dem Fettgewebe entnommen und aufbereitet. Die insgesamt 18 Patienten hatten sich alle schon zu einer Operation entschlossen. "Über die ersten drei Monate hinweg gaben alle Testpersonen an, dass sie deutlich weniger Schmerzen verspürten als zuvor", sagt Prof. Ulrich Nöth. Auch ihre Mobilität habe deutlich zugenommen. Sie gingen wieder einkaufen, selbst Treppen steigen klappte besser. Wie die Stammzellen diese Veränderungen genau vollziehen, ist derzeit noch unklar. "Wir wissen nur, dass die Zellen gegen den Entzündungsreiz wirken und damit die typischen Symptome deutlich lindern", sagt Nöth. Bestenfalls sollen sie sogar neue Knorpelzellen wachsen lassen.

Forschung Osteoporose

Im Labor: In internationalen Testreihen werden neue Mittel gegen Arthritis, Arthrose und Osteoporose erprobt. - Foto © picture alliance / dpa

Hoffung für Rheumakranke: Kinasehemmer
Gegen rheumatoide Arthritis steht ein Wirkstoffblock kurz vor der Zulassung: die Kinasehemmer. Sie entfalten ihre Wirkung in den immunologisch aktiven Zellen selbst, wo sie am Zellkern bestimmte Enzyme blockieren und so die Entzündung verhindern sollen. Kinasehemmer sind kleine Eiweißmoleküle, die nicht durch die Magensäure zerstört werden. Daher können sie oral verabreicht werden.

Neue Wege bei Osteoporose: Antikörper
Der in der Osteoporose-Therapie nun zugelassene Stoff Denosumab schützt die Knochen, indem er das sogenannte RANKL-Molekül im Blut bindet, mit dessen Hilfe knochenabbauende Zellen entstehen. Die Behandlung ist denkbar einfach: "Zwei Injektionen unter die Haut pro Jahr versorgen den Körper ausreichend mit dem Wirkstoff, sodass von nun an die tägliche oder wöchentliche lästige Einnahme von Osteoporose-Tabletten entfällt", so Prof. Hofbauer. Auch soll Denosumab besser verträglich sein als bislang verfügbare Osteoporose-Medikamente (wie etwa Bisphosphonate), die den Kieferknochen schädigen und Magen-Darm-Beschwerden auslösen können.

Proteinhemmer
Noch nicht zugelassen, aber bereits in der Zielgeraden der klinischen Testung befindet sich ein zweiter Antikörper. Er soll das Knochenprotein Sklerostin blockieren, das im Körper den Knochenaufbau hemmt. "Fehlt das Sklerostin, wird vermehrt Knochen gebildet und damit die Knochenstabilität verbessert", erklärt Prof. Lorenz Hofbauer. Derzeit wird der Proteinhemmer in klinischen Studien getestet, die ersten Ergebnisse sind äußerst vielversprechend.

Autor: Susan Junghans-Knoll