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Gesunde Ernährung, besonders die mediterrane Küche, hält unser Gehirn fit.

Bewegung, soziale Kontakte und gesunde Ernährung, besonders die mediterrane Küche, halten unser Gehirn bis ins hohe Alter fit. - Foto © picture-alliance / beyond/BreBa

Neueste Erkenntnisse

So schützen Sie sich vor Demenz

Weltweit erforschen Wissenschaftler, wie man Alzheimer stoppen kann. Jetzt machen neue Ansätze endlich Hoffnung. Vergesslichkeit ist immer unangenehm. Zum Beispiel wenn man am Bankautomaten kein Geld abheben kann, weil man sich nicht mehr an die Geheimzahl erinnert. Oder ratlos im Supermarkt steht und nicht mehr weiß, was man kaufen wollte. Oder wenn man einen Satz nicht zu Ende sprechen kann, weil einem ein bestimmtes Wort gerade nicht einfällt.

Doch mit zunehmendem Alter kommt zu diesem Ärger auch noch Angst hinzu: davor, dass man diese Informationen nicht einfach nur verlegt hat wie eine Brille, sondern dass sie für immer verloren sind. Und davor, dass man bald auch noch viel wichtigere Dinge vergessen wird. Wie Waschmaschine und Herd funktionieren. Wie die Familie aussieht. Wo man wohnt. Wer man ist.


Was das Gehirn länger jung und gesund hält

Natürlich kann niemand den Ausbruch von Alzheimer verhindern – aber das Risiko kann man senken. Wie sich die geistige Gesundheit möglichst lange erhalten lässt, haben zahlreiche Studien untersucht. Die wichtigsten Ergebnisse:

1. Auf den Blutdruck achten
Menschen mit erhöhtem Blutdruck haben ein schlechter durchblutetes Gehirn. Das allein ist zwar kein Auslöser von Alzheimer, kann aber die Schwere der Symptome erhöhen. Darum sind regelmäßige Kontrollen wichtig.
2. Bewusst ernähren
Immer wieder wird der gute Einfluss der mediterranen Küche betont – dazu gehören vor allem Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Getreide und Fisch. Auch B-Vitamine (etwa in Walnüssen, Rinderleber, Salzhering) können das Alzheimerrisiko senken.
3. Die Natur nutzen
Aktuelle Studien belegen, dass bestimmte Wirkstoffe des Ginkgo eine präventive Wirkung gegen die Entstehung von Demenz des Alzheimertyps haben können.
4. Den Kopf fordern
Damit ist nicht das Lösen eintöniger Kreuzworträtsel gemeint, sondern geistige Aktivität – also neugierig bleiben, Zeitung oder gute Bücher lesen, ins Theater gehen oder musizieren.
5. Lebensstil anpassen
Nichtraucher schützen neben ihrer Lunge auch die Gehirnzellen. Und gerade im mittleren Lebensalter sollte man Übergewicht vermeiden.
6. Gesellig sein
Anregende Gespräche geben dem Geist immer wieder neue Denkaufgaben, auch Gesellschaftsspiele wie Monopoly oder Scrabble können das Gehirn fit halten.
7. Sich bewegen
Durch Bewegung bildet das Gehirn neue Zellen. Gut sind Gleichgewichtsübungen sowie auch Tanzen, Radfahren, Spaziergänge oder Gartenarbeit.


Ursachen und Risiken von Alzheimer

Die Angst hat einen Namen: Alzheimer. An dieser häufigsten Form der Demenz sind in Deutschland aktuell rund 700.000 Patienten erkrankt, und jedes Jahr kommen etwa 120.000 neue Fälle hinzu. Eine Zahl, die mit zunehmendem Alter der Bevölkerung weiter ansteigen wird. Allgemein bedeutet Demenz die Minderung der geistigen Leistungsfähigkeit. Gedächtnis, Sprache, Orientierung und andere Fähigkeiten lassen nach. Bei der vaskulären Demenz sind Durchblutungsstörungen im Gehirn die Ursache dafür, andere Demenzen entstehen durch den Abbau von Hirngewebe, oft im Zusammenhang mit weiteren Krankheiten.

Anders ist es bei Alzheimer: "Dieser Prozess wird heute von der Wissenschaft so gesehen, dass im Gehirngewebe Eiweißablagerungen gebildet werden, sogenannte Amyloid-Ablagerungen“, sagt der Alzheimerforscher Prof. Konrad Beyreuther. "Dadurch werden die Kontakte zwischen den Nervenzellen zerstört." Zusätzlich bildet sich in den Nervenzellen vermehrt Tau-Protein, das nicht mehr abtransportiert werden kann. So verklumpt es zu sogenannten Neurofibrillenbündeln, und die Zellen sterben ab.

Warum die Krankheit bei manchen Menschen ausbricht, ist indes noch nicht ganz klar. Man weiß, dass sich die Zahl der Betroffenen ab einem Alter von 65 Jahren erhöht. Und es soll auch bestimmte Risikoveranlagungen geben, beispielsweise in Bezug auf das ApoE-Gen, das mit der Cholesterinbildung im Gehirn zu tun hat. "Die Hälfte aller Alzheimerpatienten hat die Variante ApoE4, obwohl dieses Gen in der Gesamtbevölkerung nur bei 15 Prozent der Bundesbürger vorhanden ist", so Konrad Beyreuther. Das heißt, diese Veranlagung erhöht das Erkrankungsrisiko um das Dreifache. Dazu der Wissenschaftler: "Wer von einem Elternteil das ApoE4-Gen vererbt bekommen hat, erkrankt möglicherweise auch eher, nämlich zwischen dem 70. und dem 80. Lebensjahr. Das mittlere Alter für den Ausbruch der Krankheit liegt sonst zwischen 80 und 90 Jahren.“

Die Krankheit Alzheimer aufhalten

Die Alzheimerkrankheit verläuft normalerweise in drei Phasen: Am Anfang sind die Beeinträchtigungen noch unauffällig, man muss sich häufiger notieren, was man sich merken will, und hat oftmals Schwierigkeiten, zwei Dinge gleichzeitig zu tun, etwa sich während eines Spaziergangs zu unterhalten. Nach durchschnittlich drei Jahren setzt die zweite Phase ein, in der man im Alltag vermehrt Hilfe von anderen braucht, etwa um sich morgens passende Kleidung auszusuchen oder sicher nach Hause zu finden. Nach rund drei weiteren Jahren beginnt die dritte Phase: Viele Patienten erkennen jetzt ihre Angehörigen nicht mehr und wissen immer weniger von sich selbst.

"Mittlerweile lässt sich auch relativ sicher voraussagen, ob ein Mensch in fünf Jahren Alzheimerpatient wird oder nicht", so Prof. Beyreuther. Die Diagnose kann mithilfe von Blut- und Hirnwasser-Tests sowie mittels Bildgebung durch einen PET-Scanner gestellt werden. Ein neurologischer Test kann zudem Merkfähigkeit, Orientierung und Sprachvermögen messen. Allerdings rät Beyreuther von allzu frühen Tests ab: "Davor warnen wir ausdrücklich – denn was soll man dann machen? Betroffene laufen Gefahr, depressiv zu werden. Erst wenn es eine wirksame Therapie gibt, kann die Diagnose nicht früh genug sein." Hinzu kommt, dass es Menschen gibt, die zwar Ablagerungen im Gehirn haben, aber keine Symptome aufweisen. Bei ihnen dauert die Phase, in der die Krankheit schlummert, ohne dass sie ausbricht, deutlich länger als bei anderen Patienten.

Statt sich zu testen, sei es besser, im Fall einer Erkrankung ihr Fortschreiten so lange wie möglich hinauszuzögern. Beyreuther empfiehlt dafür vor allem Doppelfunktionstraining: "Ich mache jeden Morgen mit jedem Bein je 100 angedeutete einbeinige Kniebeugen und zähle dabei zum Beispiel in Sechserschritten von 100 rückwärts." Solche Kombinationen von körperlicher und geistiger Stimulation sollen den Krankheitsverlauf verlangsamen und die Alltagskompetenz bewahren. Ebenfalls wichtig: Die richtige Menge Schlaf. "Eine Studie hat gezeigt, dass Menschen, die fünf Stunden und weniger schlafen, sowie Menschen, die neun Stunden und mehr schlafen, eine erhöhte Amyloid-Produktion haben verglichen mit Menschen, die sieben Stunden pro Tag schlafen. Also auch nicht zu viel schlafen! Sieben Stunden sind optimal.“ (Weitere Tipps siehe weiter oben.)

Hoffnungen der Forscher

Und was ist mit medizinischen Fortschritten? Wie stehen die Chancen für eine wirksame Behandlung von Alzheimer? "Diese Krankheit gehört zum Menschen – es sieht so aus, als sei sie unvermeidbar, wenn wir alt werden", meint der Professor. "Aber ich glaube, es wird gelingen, den Prozess so zu kontrollieren, dass die schwerste Phase nicht erreicht wird – wenn man rechtzeitig eingreift." Für besonders aussichtsreich hält Beyreuther die Behandlung mit einer Substanz namens Gammagard. In einer klinischen Studie konnte das Mittel die Minderung von Kognition, Gedächtnis und Stimmung stoppen und die Leistungen der Alzheimerpatienten über drei Jahre stabil halten.

Noch ist die Zahl der Studienteilnehmer zwar zu gering für aussagekräftige Daten, doch die nächste Phase mit einer größeren Probandengruppe läuft bereits. Beyreuther rechnet für Ende des Jahres mit weiteren Ergebnissen, glaubt aber heute schon: "Gammagard ist eine Bombe." Und selbst wenn nicht: "Es gibt weltweit rund 130.000 Neurowissenschaftler, etwa 25.000 haben über Alzheimer publiziert. Da kommt etwas raus." Die USA haben bereits einen nationalen Plan zur Bewältigung der Alzheimerkrankheit vorgestellt und es sich zum Ziel gesetzt, innerhalb der nächsten zehn Jahre eine Therapie zu entwickeln. Bis dahin heißt es Ruhe bewahren und am besten die Angst vor Alzheimer vergessen. Denn auch Stress und psychische Belastungen können die Entstehung von Alzheimer begünstigen, so die unbestätigte, aber allgemein anerkannte Hypothese.

Alzheimer ist heute noch nicht heilbar

Darum sollte man das Augenmerk lieber auf die positiven Meldungen legen. Zum Beispiel darauf, dass es nicht nur Genvarianten gibt, die Alzheimer begünstigen, sondern auch eine, die vor der Krankheit schützt. Das ist eine ganz neue Entdeckung aus Island. Menschen mit dieser genetischen Ausgangslage haben ein um 50 Prozent geringeres Risiko, an Alzheimer zu erkranken.

Überdies bestätigt die Wirkungsweise des bestimmten Gens auch die Behandlungsansätze der Forscher. Konrad Beyreuther geht mit der Angst vor Alzheimer pragmatisch um: "Probleme löst man, wenn sie da sind", sagt er. "Zwar ist Alzheimer heute noch nicht heilbar, aber man kann allen Betroffenen durch einen verständnisvollen Umgang viel Lebensqualität vermitteln." Er hält es für falsch, den Menschen nur vom Kopf her zu betrachten. "Ich denke, also bin ich", der berühmte Satz des Philosophen Descartes, ist für Beyreuther nicht mehr zeitgemäß. "Der Mensch hat auch einen Körper – ich bin, auch wenn ich nicht denke."

Autor: Melanie Schirmann