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Verzicht tut gut. - Foto: © picture alliance / Bildagentur-o

Verzicht tut gut. - Foto: © picture alliance / Bildagentur-o

Fasten klug gestalten

So gesund ist Fasten

Lange war es umstritten, nun gilt: Wenn man es klug gestaltet, hat Fasten positive Effekte.

Ob notgedrungen oder freiwillig – Fasten ist so alt wie die Menschheit. Während unsere Vorfahren immer wieder Zeiten ohne Nahrung überstehen mussten, verzichten heute viele aus gesundheitlichen Gründen. Sie streben eine geistige und körperliche Reinigung an.

Dieser Ansatz ruft auch Kritiker auf den Plan. Ihr Vorwurf: Im Körper würden sich keine Schlacken ansammeln, die durch Fasten ausgeleitet werden müssten. "Das ist richtig", sagt Dr. Andreas Michalsen, Professor für Naturheilkunde an der Charité in Berlin. "Gleichwohl zeigen aktuelle Studien: Fasten wirkt der Zellalterung entgegen und regt Selbstheilungskräfte an."


Anti-Aging für die Zellen

Während des Fastens stellt der Körper seinen Stoffwechsel auf die sogenannte innere Ernährung um. Michalsen: "Kann er von der anstrengenden Verdauungsarbeit und der Fehl- und Überernährung pausieren, erholen sich viele Organsysteme." So fördert Fasten die Autophagie, eine Art Recyclingprogramm der Zellen, durch das altes und beschädigtes Material "gefressen" wird.
Die Energie für diesen Vorgang stellen Mitochondrien bereit, auch Kraftwerke der Zellen genannt. "Bei zeitweiligem Fasten nutzen die Mitochondrien weniger schnell ab", sagt Michalsen. "Das hält die Zellen jung und schützt wahrscheinlich vor alterungsbedingten Krankheiten wie Demenz."


Askese kann glücklich machen

Der Nahrungsverzicht ist nicht nur eine präventive Gesundheitsmaßnahme, sondern beeinflusst auch Herz- und Gefäßkrankheiten, Diabetes Typ 2, Rheuma und Migräne positiv. Was den Gewichtsverlust angeht, darf jedoch niemand Wunder erwarten. Der Effekt ist nur dann nachhaltig,wenn man nach der Kur seine Ernährung auf überwiegend vegetarische Kost umstellt.

Erfahrungen von Fastenärzten zeigen allerdings, dass viele Patienten im Alltag zu einem gesünderen Lebensstil finden. Wohl auch, weil die freiwillige Askese oft mit einer euphorisierenden und positiven Erfahrung verbunden wird.

Sogar bei Krebserkrankungen kann Fasten möglicherweise helfen. Prof. Michalsen untersucht gerade in einer Studie, wie sich kurzfristiger Nahrungsverzicht auf eine Chemotherapie auswirkt. Michalsen: "Normale Körperzellen kommen ohne Nahrung während der Chemotherapie sehr gut zurecht, Krebszellen geraten unter Stress." Es zeichne sich bereits ab, dass die Chemotherapie besser anschlage und die Patienten unter weniger Nebenwirkungen zu leiden hätten. Der Professor fastet übrigens selbst regelmäßig – für seine Gesundheit und weil es ihm guttut.


Fasten
Beim Fasten sollte man tagsüber mindestens 2,5 Liter stilles Wasser oder Kräutertee trinken. - Foto: © picture alliance / dpa Themendie

Darauf müssen Sie achten

Wer fasten will, sollte vorher einen Check-up beim Arzt machen lassen. Es gibt mehrere Techniken. Etabliert ist etwa das Saftfasten nach der Methode von Dr. Otto Buchinger

Vorbereitung
In der Regel fastet man fünf bis sieben Tage. Zu Beginn steht die Darmreinigung: Mithilfe von Einläufen oder Abführmitteln werden Speisereste aus dem Darm gespült.

Durchführung
Tagsüber sollte man mindestens 2,5 l stilles Wasser oder Kräutertee trinken. Zusätzlich gibt es mittags und abends Gemüsebrühe oder Obstsaft. Die tägliche Kalorienzufuhr sollte nicht mehr als 500 Kilokalorien betragen.

Ausklang
Auch Fastenbrechen genannt: Der Organismus wird langsam an die normale Kost gewöhnt. Zuerst isst man in Maßen frisches Obst und Gemüse, dann darf man allmählich wieder zu anderen Lebensmitteln greifen.


Fasten
Meist bricht man das Fasten mit einem Apfel. - Foto: © picture alliance / blickwinkel/G

Verzicht tut gut

Durch das Fastens stellt sich der Stoffwechsel im Körper um. Unter anderem wird im Blut und in der Leber Fett abgebaut, der Blutzuckerspiegel und die Insulinproduktion sinken

Gelenke

Der Arachidonsäurespiegel im Blut sinkt
bis auf die Hälfte – so verringern sich auch Entzündungsbotenstoffe, die die Schmerzentstehung in den Gelenken begünstigen.
Bei Rheumatikern schwellen die Gelenke ab, die Rheumawerte verbessern sich

Herz

Dieser wichtige Muskel bezieht seine Energie hauptsächlich aus Abbauprodukten des Fettstoffwechsels.
Daher kommt das Herz mit Nahrungsverzicht zurecht. Es profitiert sogar, weil der Blutdruck sinkt. Vorsicht: Zu langes Fasten und Null-Kalorien-Diät könnnen den Herzmuskel schädigen!

Darm

Durch Einläufe oder Abführmittel wird der Darm von Speiseresten gereinigt. Das lindert den Hunger und hilft bei der Stoffwechselumstellung

Muskeln

In geringem Maß wird Eiweiß aus den Muskelzellen abgebaut, es kommt also zu einem leichten Abbau von Muskelgewebe. Nach dem Fasten werden die Eiweißstrukturen wieder neu aufgebaut

Gehirn

Verstärkt ausgeschüttet wird das Glückshormon Serotonin. Die Stimmung hellt sich auf, es kann zur Fasteneuphorie kommen.
Von diesem Effekt können auch Patienten mit leichter Depression profitieren

Leber

Nach etwa 24 Stunden Fasten sind die Vorräte an Kohlenhydraten, also an Zucker, in der Leber verbraucht. Sie greift dann auf schnell verfügbare Eiweiße aus Magen-Darm-Trakt und Muskeln zurück. Schließlich gibt der Stoffwechsel das Signal zur "Fettverbrennung"

Fettgewebe

Nach einem Tag ohne Nahrung baut der Organismus zur Energiegewinnung zunehmend Fettgewebe ab. So wird Fett (95 %) zum Hauptbrennstoff, gefolgt
von Eiweiß (5 %)

Autor: Elke Polomski