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Schwindel – alles über Ursachen und Behandlung

Schwindel ist nur beim Karussellfahren angenehm. Foto © iStock/Ogovorka

Vertigo

Schwindel – alles über Ursachen und Behandlung

Im Stehen oder Liegen: Wenn sich plötzlich alles dreht, treten oft Angst und Panik ein, manchmal auch Übelkeit. Schwindel ist keine Krankheit an sich, kann aber Symptom verschiedener Krankheiten sein.

Schwindelgefühle kennt jeder. Kinder etwa lieben es, sich rasch im Kreis zu drehen und danach zu fühlen, wie die Welt um sie herum schwankt. Auch Achterbahn- und Karussellfahren führen für viele zu angenehmem Schwindel. Die Ursache für das Schwindelgefühl: Das rasche Drehen des Körpers irritiert das Gleichgesichtssystem. Der Schwindel legt sich in kürzester Zeit, sobald alles wieder ruhig ist.

Ganz anders der Schwindel, der ohne diese äußeren Reize auftritt. Die medizinische Bezeichnung dafür lautet Vertigo. Die Schwindelanfälle können immer wieder kommen, nur Sekunden, aber auch Stunden anhalten. Oft gibt es keinen erkennbaren Auslöser. Manchmal tritt die Schwindelattacke nur in bestimmten Situationen, im Liegen, beim Kopfdrehen oder während anderer Bewegungen auf.

Schwindelanfälle und Augenzucken (Nystagmus)

Häufig zucken die Augen bei einem Schwindelanfall unwillkürlich. Dieser Nystagmus entsteht, wenn der Körper versucht, die durch das Schwindelgefühl vermittelten vermeintlichen Richtungsänderungen mit den tatsächlichen Eindrücken zu überlagern und sozusagen wieder zurechtzurücken.

Schwindelformen – Einteilung je nach Symptomen

Schwindel kann also ganz unterschiedlich ausgeprägt sein, weist aber dennoch typische Muster auf. Dementsprechend teilt die Medizin Schwindel in verschiedene Formen auf.

• Lagerungsschwindel (Altersschwindel)
Dabei handelt es sich um die häufigste Form von Schwindel. Wie der Name bereits verrät, tritt er auf, wenn Sie Ihre Haltung verändern – wenn Sie den Kopf wenden, in den Nacken legen, sich hinlegen oder im Bett auf die andere Seite legen. Dann haben Sie das Gefühl, als würde sich alles um Sie herum drehen. Begleitet ist Lagerungsschwindel oft von Nystagmus. Manchmal führt er auch zu Schweißausbrüchen und Übelkeit. Lagerungsschwindel dauert meist nur wenige Sekunden bis Minuten.

• Drehschwindel (Morbus Menière und anhaltender Drehschwindel)
Hier unterscheidet man medizinisch zwischen dem anfallartigen Drehschwindel (Morbus Menière) und dem anhaltendem Drehschwindel. Der anfallartige Drehschwindel ist nach dem Arzt Prosper Menière (1799-1862) benannt, der die Symptome dieser Schwindelform als Erster beschrieb: Plötzlicher Schwindel, dabei Hörminderung auf einem Ohr, Ohrgeräusche (Tinnitus) sowie Übelkeit. Dieser Anfall kann bis zu 48 Stunden anhalten.

Im Gegensatz dazu zeigt sich der anhaltende Drehschwindel mit ständigem Schwindel, dazu Übelkeit mit Erbrechen sowie Nystagmus. Es besteht eine starke Fallneigung. Egal, in welcher Position sich der Betroffene befindet: Alles um ihn herum scheint sich zu drehen. Diese Form von Schwindel kann mehrere Wochen anhalten.

• Schwankschwindel (Bewegungsschwindel, Angstschwindel)
Typisch für diese Form von Schwindel ist das Gefühl, dass der Boden unter den Füßen schief oder weich wird und zu schwanken scheint. Oft meinen die Betroffenen sogar, selbst zu wanken. Deshalb spricht der Arzt in diesem Fall auch von einem Bewegungsschwindel. Die Schwindelattacken treten für Sekunden auf. Manchmal ist diese Gleichgewichtsstörung an bestimmte Situationen gekoppelt, die Angst auslösen. Dann spricht man von Angstschwindel oder psychogenem Schwindel. Bei dieser Form von Schwindel tritt übrigens kein Nystagmus auf.

Wie Schwindel entsteht

Alle Formen von Schwindel sind ein Zeichen dafür, dass eine Störung im Gleichgewichtssinn oder -system (vestibuläres System) aufgetreten ist. Dabei handelt es sich um ein Zusammenspiel von drei Bereichen:

1. Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr, gemeinsam mit dem Gleichgewichtsnerv und den betreffenden Schaltzentren im Gehirn. Das Gleichgewichtsorgan besteht aus Gängen und Säcken, die eine Flüssigkeit enthalten. Diese Flüssigkeit schwingt mit jeder Lageveränderung und Bewegung. Dabei übt die Flüssigkeit unterschiedlichen Druck auf Sinneszellen in den Wänden des Gleichgewichtsorgans aus. Diese Reize leitet der Gleichgewichtsnerv an das Gehirn weiter.
2. Die Augen
3. Das Lageempfinden (Tiefensensibilität in Muskeln, Sehnen und Gelenken)

Bereits die Störung nur einer dieser Komponenten kann zu Schwindel führen.

Die Ursachen für Schwindel

Schwindel kann harmlose Ursachen haben, aber auch Anzeichen einer ernsthaften Krankheit sein. Nicht immer sind die Ursachen so gut untersucht wie beim

• Lagerungssschwindel: Hier sind die Auslöser sogenannte Ohrsteinchen oder Otolithen (Kalzitsteinchen), die ähnlich wie Kristalle strukturiert sind. Sie bilden sich – oft als Alterserscheinung – in den Bogengängen des Gleichgewichtsorgans. Bestimmte Bewegungen oder Lageveränderungen bringen die winzigen Kalzitsteinchen in Bewegung. Sie lösen falsche Reize an den Sinneszellen aus. Der Gleichgewichtsnerv leitet diese Fehlinformationen an die Schaltzentralen im Gehirn weiter. Beim Abgleich mit den Seheindrücken und dem Lageempfindungen treten Widersprüche auf. Diese Irritation äußert sich durch Schwindel.

• Drehschwindel: Herpes-Viren als mögliche Auslöser für Morbus Menière: Die Ursachen dieser Form von Drehschwindel sind noch nicht ganz geklärt. Vermutlich gibt es eine genetische Vorbelastung. Doch auch Viren könnten Ursache für Morbus Menière sein, etwa Herpes, manche Erkältungs- und Grippeviren. Fest steht, dass die meisten Morbus-Menière-Patienten im Innenohr zu viel Flüssigkeit bilden. Es entsteht ein Überdruck im Innenohr, der zu falschen Sinnesreizen führt.

• Nervenentzündung als Ursache für anhaltenden Drehschwindel: Die Gleichgewichtsstörung wird häufig durch eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs (Neuritis vestibularis) ausgelöst. Eine sehr seltene Ursache des anhaltenden Drehschwindels kann ein Hirntumor sein.

• Ursachen für Schwankschwindel (Bewegungsschwindel, Angstschwindel): Meist liegen Verspannungen diesen Schwindelanfällen zugrunde, etwa verspannte Muskeln im Nackenbereich. Aber auch psychische Faktoren kommen in Frage, zum Beispiel Stress und Angst. Dieser Schwindel kann auch im Rahmen einer Depression oder Angststörung auftreten.

Weitere Ursachen für Schwindel – von Alzheimer bis Zuckerkrankheit

Daneben gibt es noch eine Reihe von weiteren, möglichen Ursachen für Schwindel allgemein. Das sind beispielsweise:

• Alzheimer
• Bluthochdruck (Hypertonie) sowie niedriger Blutdruck (Hypotonie)
• Diabetes (Zuckerkrankheit), wenn der Blutzuckerspiegel schlecht eingestellt ist
• Epilepsie
• Fieber
• Schlaganfall
• Vitamin-B12-Mangel

Die häufigsten Ursachen für Schwindel, außer Lagerungsschwindel, sind Durchblutungsstörungen und Verspannungen. Beides kann eine Minderdurchblutung der feinsten Blutgefäße im Innenohr nach sich ziehen.

Diagnose von Schwindel

Wer öfter unter Schwindel leidet, sollte das vom Arzt abklären lassen. Ansprechpartner ist der Hausarzt. Nach eingehender Anamnese wird er den Patienten zu einem entsprechenden Facharzt überweisen, meist dem HNO-Arzt. Anhand von einfachen Gleichgewichtsprüfungen, Tests zur Funktion des Gleichgewichtsorgans und einem Hörtest kann er meist eine Diagnose stellen.

In manchen Fällen ist es sinnvoll, weitere Fachärzte hinzuzuziehen, etwa den Orthopäden, außerdem den Neurologen oder den Internisten.

Behandlung von Schwindel

Je nach Ursache wird der Arzt eine gezielte Therapie des Schwindels vorschlagen. Angstschwindel lässt sich durch Psychotherapie in den Griff bekommen. Schwindel, der durch Bluthochdruck entstanden ist, legt sich, wenn der Blutdruck mit Bewegung und Blutdrucksenkern wieder normale Werte erreicht hat. Sind Verspannungen die Ursache, ist Krankengymnastik das Mittel der Wahl.

Medikamente gegen Schwindel

Im Akutfall, etwa bei Morbus Menière, eignen sich Antivertiginosa. Das sind Medikamente, die Schwindel und Übelkeit auflösen. Zur langfristigen Einnahme oder Vorbeugung von Schwindel sind pflanzliche Arzneimittel wie Ginkgo sinnvoll.

Befreiungsmanöver gegen Lagerungsschwindel

Eine spezielle Behandlung wirkt gegen die Ursache des Lagerungsschwindels. Mit dem sogenannten Befreiungsmanöver werden die Ohrsteinchen wieder in eine Position gebracht, in der sie die Sinneszellen weniger reizen und den Hörnerv nicht mehr irritieren. Dabei handelt es sich um einfache Körperübungen, zum Beispiel aufrecht hinsetzen und dann rasch auf die Seite legen. Solche Übungen kann der Patient dann zu Hause regelmäßig fortsetzen, bis die Schwindelanfälle nicht mehr auftreten. Oft ist das bereits nach ein bis zwei Wochen der Fall.

Autor: MONIKA PREUK