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Kosmetische Operationen nehmen immer mehr zu.

Ob Lidstraffung oder Nasenkorrektur – wenden Sie sich bei kosmetischen Eingriffen grundsätzlich an einen Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie und lassen Sie sich ausführlich beraten. - Foto © picture alliance

Geheimnis Schönheit

Schönheitsoperationen

Schönheit ist ein kostbares Gut. Ein Geschenk der Natur, welches das Leben tatsächlich einfacher macht, wie verschiedenste Studien belegen. So werden hübsche Babys öfter auf den Arm genommen, gut aussehende Schüler erhalten die besseren Aufsatznoten, und attraktive Menschen werden nicht nur für klüger, fleißiger und freundlicher gehalten als ihre weniger begünstigten Mitmenschen, sie sind auch beliebter und verdienen mehr. Kein Wunder also, dass Menschen seit Urzeiten daran gelegen ist, sich zu verschönern.

Attribute für Schönheit: Jugend und Gesundheit

Anthropologen gehen davon aus, dass Frauen schon in der Steinzeit Hennarot als eine Art Make-up verwendeten. Heutzutage sind die Möglichkeiten, der Natur nachzuhelfen, nicht nur vielfältiger, sondern auch nachhaltiger: Neben der schier unendlichen Produktvielfalt der Kosmetik- und Wellnessindustrie lockt die kosmetische Chirurgie mit dem Versprechen, äußere Makel dauerhaft zu korrigieren.

Doch wer oder was entscheidet eigentlich darüber, was wir als schön empfinden? Liegt Schönheit nicht im Auge des Betrachters? "Nicht nur", sagt Dr. Martin Gründl, Attraktivitätsforscher an der Universität Regensburg. "Es gibt durchaus einen Konsens für Attraktivität – sowohl innerhalb einer Kultur als auch kulturübergreifend." Wichtigste Attribute sind dabei Jugend und Gesundheit. "Das Alte und Kranke gilt nirgendwo als anziehend", sagt der Psychologe. Ein entscheidendes Schönheitskriterium ist daher glatte, makellose Haut – vor allem bei Frauen.

Um besonders attraktiv zu sein, gehört bei ihnen noch eine Portion Kindchenschema dazu: große Augen, hohe Stirn, zierliche Nase, voller Mund, kleiner Unterkiefer. Letzterer sollte bei Männern wiederum eher ausgeprägt sein. "Ein markanter Unterkiefer und ein markantes Kinn sind die wichtigsten Merkmale für ein attraktives Männergesicht“, sagt Experte Gründl. Zu hart und kantig dürfen die Züge allerdings nicht sein – auch einige weibliche Attribute tragen zur Anziehung bei.

Unsere Auffassung von Schönheit hat viel damit zu tun, was wir als normal empfinden. Das veranschaulichen die Prototypen von attraktiven Gesichtern, die Gründl per Computer erstellte. Diese Durchschnittsgesichter erhielten bei Befragungen größere Zustimmung als die zugrunde liegenden Einzelgesichter. Dennoch sind sie nicht das Maß der Dinge. "Die wirklich Schönen weichen leicht vom Durchschnitt ab, haben etwas Unverwechselbares", sagt Gründl. Und natürlich liege Schönheit bis zu einem gewissen Grad eben doch im Auge des Betrachters. Schließlich gibt es einen "shared" und einen "private taste", den allgemeinen und den individuellen Geschmack. "Beides beeinflusst unser Urteil zu etwa gleichen Teilen."

Übergewicht gilt als unattraktiv, Schlankheit als schön

Schönheit ist also nur bedingt objektiv – und auch von Moden abhängig. "Zwar ist unsere Vorstellung von einem schönen Gesicht eher konstant geblieben", sagt Gründl. "Beim Körpergewicht aber gibt es Veränderungen." Galten fülligere Formen in früheren Mangelzeiten als Zeichen von guter Versorgung und damit Gesundheit, werden sie in der heutigen Überflussgesellschaft mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes assoziiert. Damit geht eine ästhetische Umbewertung einher: Übergewicht gilt als unattraktiv, Schlankheit als schön. Ein Idealbild, das sich nicht zuletzt durch die Medien nahezu weltweit etabliert hat. "Medien schaffen zwar kein Schönheitsideal, doch sie verstärken und verbreiten Trends", sagt Gründl. Und sie gaukeln uns eine Makellosigkeit vor, wie sie gar nicht existiert. "Indem die Medien perfekte Körper und Gesichter nachbilden, verschiebt sich die Wahrnehmung fürs Realistische", sagt Gründl.

Der Druck, der Perfektion nahezukommen, steigt entsprechend. Mit den Möglichkeiten wächst auch die Bereitschaft, der Natur nachzuhelfen. Davon zeugt die seit Jahren ansteigende Zahl kosmetischer Operationen. Genaue Zahlen liegen nicht vor, da die Eingriffe nicht zentral erfasst werden. Experten schätzen aber, dass sich 2011 knapp 1,1 Millionen Deutsche einer Schönheitsoperation unterzogen haben, kleinere Eingriffe wie Botoxspritzen oder Lasern inbegriffen. Jeder sechste Patient ist männlich, Tendenz steigend.

Die gefragtesten Operationen sagen viel über das herrschende Schönheitsideal aus: Bei den Männern steht die Fettabsaugung an erster Stelle, bei den Frauen die Brustvergrößerung. "Brust-OPs werden vor allem von Frauen nachgefragt, deren Brust nach dem Stillen an Fülle und Straffheit verloren hat", erklärt Dr. Regina Wagner, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie in Hamburg. Zugleich lasse sich ein deutlicher Trend zu mehr Oberweite erkennen: "Die durchschnittliche Implantatgröße ist in den letzten zehn Jahren von 200 auf 300 Milliliter angewachsen." Die meisten Eingriffe aber betreffen bei Männern wie bei Frauen das Gesicht – es ist schließlich unser Aushängeschild. Bei beiden Geschlechtern unter den OP-Favoriten: die Lidstraffung. "Ein Eingriff mit großem Effekt, weil er das Gesicht frischer wirken lässt", sagt Expertin Wagner.

Autor: Judith Heisig