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Rheuma hat viele Symptome

Zur Behandlung von Rheuma gehört auch Krankengymnastik. Foto © iStock/Steve Debenport

Chronische Schmerzen

Rheuma hat viele Symptome

Rheuma kann nicht nur Gelenke und Muskeln betreffen, sondern auch die Haut, innere Organe und die Nerven. Mehr über rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew und Weichteilrheuma.

Habe ich Rheuma? Diese Frage stellen sich viele, die immer wieder Schmerzen in Gelenken und Muskeln haben, etwa bei kaltem, feuchtem Wetter. Doch Rheuma bezeichnet keine einzelne Krankheit, sondern ist ein Oberbegriff für rund 100 verschiedene Krankheiten, die alte und junge Menschen bekommen können, ja sogar Kinder.

Das Wort Rheuma stammt aus dem Altgriechischen „rhein“ für „fließen“ und bezeichnet damit das Leitsymptom ziehender Schmerz. Medizinisch wird Rheuma in vier Hauptgruppen eingeteilt:

1. Entzündliche rheumatische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis (RA, auch chronische Polyarthritis genannt), Morbus Bechterew und Polymyalgia rheumatica

2. Degenerative rheumatische Erkrankungen nicht-entzündlicher Natur wie Arthrose

3. Weichteilrheuma wie Fibromyalgie

4. Stoffwechselstörungen, die zu Beschwerden an Knochen und Gelenken führen, etwa Gicht

Rheumatoide Arthritis: Wichtiges Symptom sind Gelenkschmerzen

Dabei ist die rheumatoide Arthritis (RA oder chronische Polyarthritis) die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung, sie betrifft etwa ein Prozent der Bevölkerung. Die Ursache der rheumatoiden Arthritis konnte bis heute nicht ganz geklärt werden.

Vermutet wird eine erbliche Veranlagung, die dazu führt, dass das Immunsystem auf bestimmte Stoffe mit einem Angriff auf den Gelenkknorpel reagiert. Deshalb wird rheumatoide Arthritis auch als Autoimmunkrankheit bezeichnet. Als Auslöser kommt etwa Rauchen infrage.

Im Rahmen dieses Angriffs des Immunsystems auf körpereigenes Gewebe bildet der Körper bestimmte Eiweiße, die eine Entzündung anfeuern (Zytokine).

Die Symptome dieser Rheuma-Form sind:

• Morgensteifigkeit, vor allem der Finger- und Zehengelenke (typisches Anfangssymptom von RA)
• Entzündung der Sehnenscheiden
• Im Verlauf können sich Gelenkknorpel und Knochen vieler Gelenke entzünden, etwa der Wirbelsäule und der Schultern.
• Als Zeichen der Entzündung treten rheumatisches Fieber, Müdigkeit und Nachtschweiß auf.
• Es bilden sich bei etwa jedem fünften Patienten mit rheumatoider Arthritis sogenannte Rheumaknoten, also tast- und verschiebbare Knoten direkt unter der Haut, zum Beispiel an der Streckseite der Unterarme.
• Die Gelenke werden nach und nach zerstört.
• RA kann auch Augen, Herz, Lunge, Nerven und Blutgefäße betreffen und dort zu Entzündungen führen.

Rheumafaktor wenig aussagekräftig

Die Diagnostik bei Rheuma umfasst mehrere Möglichkeiten. Dazu gehören vor allem die Beschreibung der Symptome, ein Rheuma-Test per Fragebogen, der Tastbefund sowie bildgebende Untersuchungen wie Ultraschall. Die Blutuntersuchung gibt zusätzlich Aufschluss über Entzündungswerte, Antikörper und sogenannte Rheumafaktoren.

Allerdings weisen nicht alle Patienten mit rheumatoider Arthritis erhöhte Rheumafaktoren auf. Auch gesunde Patienten haben manchmal erhöhte Werte. Außerdem kann der Rheumafaktor auch bei anderen Erkrankungen nachgewiesen werden, etwa bei Hepatitis.

Die Behandlung rheumatoider Arthritis

Um diese Form von Rheuma zu behandeln, gibt es mehrere Optionen, die meist kombiniert werden:

• Krankengymnastik, um Beweglichkeit und Muskelkraft zu erhalten
• Ergotherapie, damit trotz eingeschränkter Gelenkfunktion alltägliche Dinge erledigt werden können, auch mit Hilfsmitteln
• physikalische Therapie, beispielsweise Kältetherapie gegen die Schmerzen
• lokale Therapie, etwa Kortison-Spritzen in die entzündeten Gelenke
• Medikamente zum Einnehmen (systemische Therapie), dazu gehören nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac, Ibubrofen und Naproxen. Gegen die fehlgeleitete Immunantwort und die Bildung der Zytokine verschreibt der Rheumatologe oft Methotrexat als Basistherapie. Zur kurzfristigen Behandlung wird auch Kortison angewendet. Helfen die Medikamente kaum, besteht noch die Möglichkeit, TNF-Blocker einzusetzen. Die Abkürzung TNF steht für Tumornekrosefaktor. TNF-Blocker greifen in die Aktivität des Immunsystems ein.
• Psychologische Therapie rundet die Behandlung ab.

Heilen lässt sich Rheuma damit nicht; die Therapie zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern und das Fortschreiten der Gelenkzerstörung abzubremsen.

Eine besondere Form rheumatoider Arthritis ist die juvenile idiopathische Arthritis. Das „Kinderrheuma“ betrifft Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren. Pro Jahr gibt es rund 1000 Neuerkrankungen.

Morbus Bechterew – Rückenschmerzen sind wichtigstes Symptom

Neben rheumatoider Arthritis ist Morbus Bechterew eine weitere, häufige Erkrankung, die zu den chronisch-entzündlichen, rheumatischen Erkrankungen gehört. Morbus Bechterew wird auch als "Spondylitis ankylosans" (versteifende Wirbelentzündung) oder "ankylosierende Spondylitis" bezeichnet.

Schmerzen im unteren Bereich des Rückens sind für Morbus Bechterew typisch. Ursache ist, dass sich die Kreuzdarmbeingelenke (Iliosakralgelenke) entzünden. Rund ein Drittel der Patienten mit Morbus Bechterew entwickelt zusätzlich spezielle Augenentzündungen, etwa eine Uveitis (Entzündung der mittleren Augenhaut) oder Iritis (Regenbogenhautentzündung).

Morbus Bechterew beginnt meist zwischen dem 25. und 30. Lebensjahr. Die Behandlung richtet sich gegen die Entzündung, es kommen genau wie bei rheumatoider Arthritis Schmerzmittel und Entzündungshemmer zum Einsatz.

Polymyalgia rheumatica – Anzeichen sind Muskelschmerzen

Polymyalgia rheumatica (PMR) gehört wie Morbus Bechterew zu den entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. In diesem Fall sind jedoch die Muskeln betroffen. Das äußert sich in Muskelschmerzen und zunehmender Steifigkeit.

Betroffen sind vor allem Menschen über 60 Jahre. Polymyalgia rheumatica spricht besonders gut auf die Behandlung mit Kortison an. Diese ist meist hochdosiert und zeitlich begrenzt. Auf diese Weise lassen sich die Entzündungen zurückdrängen und die Beschwerden verschwinden für lange Zeit.

Psoriasis-Arthritis – wenn Schuppenflechte auf die Gelenke geht

Bis zu 15 Prozent der Patienten mit Schuppenflechte (Psoriasis) entwickeln zusätzlich Psoriasis-Arthritis. Dann entzünden sich Finger- und Zehengelenke, auch die Wirbelsäule kann betroffen sein.

Behandelt wird Psoriasis-Arthritis mit den gängigen Rheumamedikamenten. Dabei wägt der Arzt genau ab, welche geeignet sind, weil manche der häufig eingesetzten Schmerzmittel wiederum einen Psoriasis-Schub der Haut auslösen können.

Arthrose – Rheuma ohne Entzündungen

Unter den degenerativen rheumatischen Erkrankungen ist Arthrose die Bedeutendste und zugleich die häufigste Gelenkerkrankung. Im Vordergrund steht eine Abnutzung der Gelenke, es handelt sich nicht um eine Entzündung. Die Abnutzung oder der Verschleiß kann altersbedingt sein, durch Übergewicht oder zu hohe sowie falsche Belastung entstehen. Arthrose betrifft Knorpel, Knochen, Gelenkkapseln und Bänder.

Das wichtigste Anzeichen einer Arthrose sind Schmerzen, die vor allem unter Belastung auftreten. Typisch sind etwa Schmerzen im Knie beim Treppensteigen oder Schmerzen in den Fingern beim Schreiben oder wenn man ein fest verschlossenes Glas aufdrehen möchte. Erst wenn die Arthrose fortschreitet, kommt es auch zu Ruheschmerz.

Die Behandlung der Arthrose richtet sich nach der Stärke der Beschwerden. Physikalische Therapie, falls nötig auch Schmerzmittel, mildern die Beschwerden. Bei Übergewicht ist es unbedingt ratsam, abzunehmen. So werden Wirbelsäule, Hüftgelenke, Knie und Füße von zu hoher Belastung befreit.

Fibromyalgie – dauerhaft Schmerzen wie bei Muskelkater oder Grippe

Fibromyalgie ist die bekannteste Form des Weichteilrheumas. Dabei entstehen chronische Schmerzen in den Muskeln und Sehnen. Die Anzeichen der Fibromyalgie sind sehr unspezifisch. Betroffene beschreiben sie ähnlich wie einen starken Muskelkater oder die Gliederschmerzen bei einer Grippe.

Die Ursache für das Fibromyalgiesyndrom ist noch nicht exakt bekannt. Vermutet wird eine veränderte Schmerzverarbeitung im Gehirn. Bereits sanfte Berührungen können zu einem starken Schmerz führen.

Mit Ultraschall, Röntgen oder Blutuntersuchung lässt sich Fibromyalgie nicht nachweisen. Ausschlaggebend sind also die beschriebenen Symptome sowie die besondere Schmerzempfindlichkeit der sogenannten Tenderpoints. Dabei handelt es sich um spezielle Druckpunkte auf der Haut, die über Sehnenansätzen liegen, also im Übergang von den Sehnen zu den Muskeln.

Behandelt wird Fibromylagie mit Bewegungstraining sowie Verhaltenstherapie.

Gicht – besonders schmerzhaft ist der Gichtanfall

Im weiteren Sinn zählt auch Gicht (Hyperurikämie) zu den rheumatischen Erkrankungen. Sie entwickelt sich schleichend über Jahre hinweg. Das erste Anzeichen für Gicht ist meist ein akuter Anfall: Ein einzelnes Gelenk, in den meisten Fällen das Großzehengrundgelenk, schwillt plötzlich an, wird extrem druckempfindlich und schmerzt.

Ein solcher Gichtanfall wird verursacht durch Harnsäurekristalle (Uratkristalle), die sich in den Gelenken anlagern und dort starke Entzündungen und Schmerzen auslösen. Die Kristalle bildet der Körper, wenn der Harnsäurespiegel im Blut zu hoch ist: Sieben Milligramm pro Deziliter gelten als oberer Grenzwert des Normbereichs.

Ein zu hoher Harnsäurespiegel kann zwei Ursachen haben:
Stoffwechselstörung: Der Körper baut zu wenig Harnsäure ab.
Ernährung: Der Speiseplan enthält zu viel Purin. Der Körper bildet daraus Harnsäure. Lebensmittel, die viel Purin enthalten, sind etwa Fleisch (vor allem Innereien) sowie Wurst, Muscheln und Krustentiere.

Oft kommen beide Risikofaktoren für Gicht zusammen – es liegt eine angeborene Stoffwechselstörung vor und zusätzlich hat der Betroffene eine Vorliebe für Wurst und Fleisch.

Mit entsprechender Diät sowie Tabletten, die den Harnsäurespiegel senken (Urikosurika), lässt sich Gicht meist gut in den Griff bekommen. Ein weiterer Gichtanfall wird verhindert und störende Gichtknoten (Tophi) entstehen erst gar nicht.

Autor: MONIKA PREUK