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Das Pfeiffersche Drüsenfieber wird vor allem beim Küssen übertragen.

Das Pfeiffersche Drüsenfieber wird vor allem beim Küssen übertragen. Foto © iStock, Massonstock

Riskantes Epstein-Barr-Virus (EBV)

Pfeiffersches Drüsenfieber: Symptome unklar

Pfeiffersches Drüsenfieber ist nicht harmlos, auch bei leichten Symptomen. Nach überstandener Kusskrankheit bleibt ein Ansteckungsrisiko. Die Viren können Krebs auslösen.

Mit diesen Viren hat fast jeder schon Bekanntschaft gemacht: Rund 95 Prozent der europäischen Bevölkerung tragen das Epstein-Barr-Virus (EBV) in sich. Es gehört zur großen Gruppe der Herpesviren und löst das Pfeiffersche Drüsenfieber aus, medizinisch Mononukleose.

Die Eintrittspforte für EBV sind die Schleimhäute. Die Viren vermehren sich in den Schleimhautzellen und gelangen ins Blut. Dort dringen die Erreger in bestimmte Abwehrzellen – die B-Lymphozyten – ein und hinterlassen ihre DNA. Im Anschluss beginnen die veränderten Blutzellen, sich unkontrolliert zu vermehren – wie das auch für Krebszellen typisch ist.

Die veränderten Lymphozyten heißen Monozyten, daher die Bezeichnung Mononukleose. Mit dem Blutstrom erreichen sie alle Organe und können dort zu Schwellungen führen, vor allem in Leber und Milz. Spezielle Abwehrzellen (Killerzellen) bekämpfen Monozyten jedoch meist erfolgreich.

Epstein-Barr-Virus erhöht Risiko für bestimmte Krebsarten

Anders als viele andere Krankheitserreger bleiben die Viren jedoch auch nach einem Abklingen der Symptome ein Leben lang im Körper. Das ist für Vertreter der Herpesviren typisch. Sie bleiben zwar meist inaktiv, doch verfügen über ein gefährliches Potenzial. So kann EBV unter Umständen

unmerklich immer wieder so aktiv werden, dass dadurch eine Ansteckungsgefahr für jemanden besteht, der noch kein Pfeiffersches Drüsenfieber hatte. Außerdem kann die Krankheit erneut ausbrechen, etwa wenn das Immunsystem sehr schwach ist. Auch das Risiko für Lymphknotenkrebs (Hodgkin-Lymphom), Magenkrebs und Hautkrebs steigt durch EBV, worauf mehrere Studien hinweisen.

Die Viren haben zudem Einfluss auf die Entstehung von Multipler Sklerose (MS). Pfeiffersches Drüsenfieber könnte das Risiko für MS sogar verdoppeln.

Pfeiffersches Drüsenfieber – Symptome wie bei einem Infekt

Die Symptome der Mononukleose treten unterschiedlich stark ausgeprägt auf. In der Regel ähneln sie denen, die für einen grippalen Infekt typisch sind. Deshalb wird das Pfeiffersche Drüsenfieber auch häufig nicht entdeckt.

Symptome beim Pfeifferschen Drüsenfieber, die unspezifisch sind und leicht mit jenen einer Erkältung verwechselt werden:

• Fieber, das auf 39 Grad steigen kann

• Kopfschmerzen

• Halsschmerzen

• Gliederschmerzen

• Müdigkeit

• Appetitlosigkeit

Typische Symptome beim Pfeifferschen Drüsenfieber

Daneben gibt es noch weitere Symptome, die eher nicht bei einem grippalen Infekt auftreten. Sie weisen stark auf Pfeiffersches Drüsenfieber hin:

• Lymphknotenschwellungen am Hals, manchmal auch in den Achseln, im Brust- oder Bauchbereich

• rote Mandeln mit grauen Belägen

• vergrößerte Milz oder Leber

• rote, stecknadelkopfgroße Punkte am Gaumen, sogenannte Petechien

• scharlachroter Hautausschlag

Mononukleose: Ansteckung und Dauer

Die Viren finden sich vor allem im Speichel sowie in anderen Körperflüssigkeiten. Die Übertragung mit dem EBV erfolgt also über

• direkten Kontakt, etwa beim Küssen und beim Geschlechtsverkehr

• Tröpfcheninfektion, also mit der Luft beim Sprechen, Niesen und Husten

• Schmierinfektion über gemeinsam benutze Gläser, Besteck und Geschirr

Der Erkrankungsgipfel liegt bei Jugendlichen, also in dem Zeitraum, in dem sie die ersten Liebeserfahrungen sammeln. Doch auch Babys bekommen Mononukleose, etwa wenn die mit Viren infizierte Mutter den Breilöffel ableckt, bevor sie das Kind füttert.

Die Ansteckungszeit (Inkubationszeit) beträgt wenige Tage bis zu sieben Wochen. Bei vielen Betroffenen verläuft die Infektion so milde, dass sie kaum etwas von den Viren bemerken, sich nur etwas müde und abgeschlagen fühlen.

Manchmal sind die Symptome jedoch stark ausgeprägt. Dann kann das Pfeiffersche Drüsenfieber mit starken Rachenentzündungen einhergehen (Monozyten-Angina) und dauert oft etwas länger als drei Wochen. Typisch für die Krankheit ist, dass sich Betroffene danach noch für Monate schlapp und unbelastbar fühlen. Ärzte raten deshalb, acht Wochen lang auf Sport zu verzichten.

In seltenen Fällen wird Pfeiffersches Drüsenfieber chronisch. Das bedeutet, es kann sechs Monate dauern oder sogar noch länger, bis der Betroffene wieder einigermaßen gesund ist.

Mögliche Komplikationen des Pfeifferschen Drüsenfiebers

Etwa jeder Zehnte mit Mononukleose entwickelt eine zusätzliche bakterielle Infektion mit Streptokokken. In diesem Fall helfen nur ganz bestimmte Antibiotika, weil manche Präparate – etwa Amoxicillin – zu einem heftigen Hautausschlag führen können. Ursache ist eine bei Pfeifferschem Drüsenfieber typische Reaktion des Antibiotikums mit den Lymphozyten.

Weitere Komplikationen dagegen sind äußerst selten. Dazu zählen:

• Hirnhautentzündung (Meningoenzephalitis)

• Herzmuskelentzündung (Myokarditis)

• Leberentzündung (Hepatitis)

• Nierenentzündung (Nephritis)

• Milzriss (durch starke Schwellung)

Die Diagnose mit EBV-Test


Foto © iStock

Oft wird Pfeiffersches Drüsenfieber übersehen, weil die Symptome sehr wenig ausgeprägt sind und mit denen eines banalen grippalen Infekts verwechselt werden. Erst wenn EBV stärker verläuft, gehen die meisten zum Arzt.

Ein Mediziner erkennt an den typischen Lymphknotenschwellungen und den roten Mandeln, dass es sich vermutlich um Pfeiffersches Drüsenfieber handelt. Allerdings gibt es eine Reihe von anderen Krankheiten, die mit ähnlichen Symptomen einhergehen, etwa

• Bakterielle Infektionen wie Streptokokken-Angina (Tonsillitis, Mandelentzündung)

• Diphterie

Den exakten Beweis liefert nur ein Bluttest (EBV-Test). Typisch für das Epstein-Barr-Virus: das "bunte Blutbild" mit hoher Anzahl von Lymphozyten, darunter bis zu 80 Prozent Monozyten. Antikörper gegen das Epstein-Barr-Virus finden sich im Blut erst Wochen bis Monate nach der Ansteckung.

Pfeiffersches Drüsenfieber – die Behandlung

Ein Medikament, das direkt gegen EBV wirkt, gibt es nicht. Verläuft das Pfeiffersche Drüsenfieber ohne Komplikationen, beschränkt sich die Behandlung auf die normalen Maßnahmen wie bei einem Infekt:

• Bettruhe

• viel trinken

• Halswickel

• Lutschtabletten

• Medikamente gegen Fieber und Schmerzen wie Ibuprofen und Paracetamol

In schweren Fällen verordnet der Arzt Kortison, um die geschwollenen, oft stark schmerzenden Lymphknoten abschwellen zu lassen.

Gibt es Komplikationen, muss eine entsprechende Behandlung eingeleitet werden. Bei einem Milzriss etwa wird sofort operiert.

Allgemein gilt bei Pfeifferschem Drüsenfieber: Auch nach Abklingen des Fiebers sollten Sie sich noch einige Wochen schonen.

Infektion und Krebs mit einem Impfstoff verhindern?

Schützen können Sie sich vor dem Virus kaum, weil die Infektion oft nicht erkannt und deshalb weitergegeben wird. Am besten halten Sie Abstand zu akut Erkrankten, auch noch bis zu vier Wochen nach Abklingen der Beschwerden.

Eine Impfung gegen Pfeiffersches Drüsenfieber gibt es derzeit noch nicht. Allerdings arbeiten Forscher der Universität Zürich an einem Impfstoff. Dabei verwenden sie junge, natürliche Killerzellen, wie sie bei kleinen Kindern auftreten. "Diese Zellen scheinen besonders geeignet zu sein, die Zellen abzutöten, welche das EBV-Virus vermehren", so Christian Münz, Professor für Experimentelle Immunologie an der Universität Zürich. "Dadurch wird die Erstinfektion abgeschwächt und das Pfeiffersche Drüsenfieber bricht nicht aus."

Zusätzlich könnte diese Impfung verhindern, dass sich später ein Hodgkin-Lymphom entwickelt. Noch ist der Impfstoff nicht marktreif. Doch würde er kommen, gäbe es eine weitere Impfung gegen Krebs – neben der HPV-Impfung, die Gebärmutterhalskrebs, Vulva- und Peniskrebs verhindern kann, und der Hepatitis-Impfung, die das Risiko für Leberkrebs senkt.

Autor: MONIKA PREUK