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Lungenentzündung: Beim Abhorchen registriert der Arzt typische Geräusche.

Lungenentzündung: Beim Abhorchen registriert der Arzt typische Geräusche. Foto © iStock, Ridofranz

Pneumonie

Lungenentzündung – Symptom nicht immer Fieber

Lungenentzündung ist gefährlich. Resistente Keime machen Pneumonie zu einem weltweiten Problem, vor allem für Kleinkinder und ältere Menschen.

Fieber und Husten, Schüttelfrost, rasselnde Atemgeräusche in Bronchien und Lungen – das sind typische Symptome einer Lungenentzündung, medizinisch Pneumonie. Weiteres Anzeichen: Auswurf, der weiß, grau oder gelblich-grün bis braun sein kann. Manchmal entwickelt sich eine Lungenentzündung aus einem grippalen Infekt, der Virusgrippe oder einer Bronchitis. Je nach Alter und Gesundheitszustand des Patienten können die Symptome dramatisch oder weniger ausgeprägt ausfallen.

Dazu kommt allgemeines Schwächegefühl; vor allem bei älteren Menschen droht außerdem Atemnot. Denn nicht nur das Immunsystem arbeitet bei Senioren schlechter, sondern auch die Lungenfunktion ist eingeschränkt. Deshalb ist älteren Pneumonie-Patienten eine stationäre Behandlung häufig unumgänglich.

Symptome einer Lungenentzündung beim Kleinkind

Die zweite Risikogruppe für Pneumonie sind Kleinkinder. Doch die Lungenentzündung kann sich bei ihnen anders zeigen als bei Erwachsenen, weshalb Eltern oft nicht gleich an eine Lungenentzündung denken.

Gängige Anzeichen sind:

• Blähbauch
• hohes Fieber
• Appetitlosigkeit
• kein Durst, Trinken wird verweigert
• schnelle Atmung
• erhöhter Puls
• Husten (trocken oder mit Auswurf)

Auch bei Kleinkindern ist häufig eine intensive Behandlung nötig. Nach Berechnungen der WHO ist Lungenentzündung weltweit für rund 15 Prozent der Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren verantwortlich. Allerdings gilt dieses Risiko vor allem für Kinder in Entwicklungsländern, wo ein Mangel an medizinischer Versorgung und Hygiene herrscht.

Kalte Lungenentzündung ohne Fieber

Manchmal tritt bei einer Lungenentzündung gar kein Fieber auf oder die Temperatur ist nur leicht erhöht. Schlappheit und Husten sind dann die einzigen Symptome. Die Anzeichen dieser atypischen Pneumonie sind ähnlich wie bei einer Erkältung und werden deshalb oft übersehen.

Vor allem Senioren sind von der sogenannten kalten Lungenentzündung betroffen. Bei ihnen verläuft eine Lungenentzündung oft ohne Fieber, weil ihr Immunsystem nicht so stark auf die Krankheitserreger reagiert. Meist wird die atypische Pneumonie auch von anderen Erregern hervorgerufen als die klassische, typische Lungenentzündung.

Lungenentzündung kann schwer verlaufen

In Deutschland erkranken pro Jahr rund 500.000 Menschen an Lungenentzündung. Nicht eingerechnet sind die Pneumonien, die Patienten in Kliniken bekommen, etwa durch Krankenhauskeime (MRSA). Im Gegensatz zu diesen meist lebensgefährlichen Lungenentzündungen werden die nicht im Krankenhaus erworbenen auch als ambulante Pneumonien bezeichnet.

Bei Pneumonie entzünden sich Lungenbläschen und Lungengewebe. Drohende Komplikationen umfassen:

• Sauerstoffmangel
• Blutvergiftung (wenn die Erreger weitere Organe befallen)
• Hirnhautentzündung
• Lungenentzündung chronifiziert, wodurch irreparable Lungenschäden entstehen können.

Lungenentzündung ist in Westeuropa die häufigste Todesursache unter den Infektionskrankheiten.

Ursache sind meistens Bakterien wie Pneumokokken


Foto © iStock

Die mit Abstand wichtigsten Auslöser für Lungenentzündung sind Krankheitserreger wie

• Bakterien, darunter vor allem Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) – die häufigste Ursache für Lungenentzündung bei Erwachsenen – sowie Staphylococcus aureus bei Kindern. Der Keim Haemophilus influenzae Typ b (Hib), welcher früher bei Kleinkindern die häufigste Ursache für eine Lungenentzündung darstellte, ist durch die für alle Säuglinge empfohlene Impfung stark zurückgegangen.
• Mykoplasmen (besonders kleine Bakterien) wie Mykoplasma pneumoniae
• Bakterien wie Legionellen oder Chlamydien
• Viren
• Pilze (etwa Candida)

Die Lungenentzündung durch Pneumokokken ist dabei die häufigste Form der Atemwegserkrankung. Diese Bakterien können übrigens auch zu Entzündungen

• im Mittelohr (Otitis media),
• den Nebenhöhlen (Sinusitis) und
• Hirnhäuten (Meningitis)
führen.

Nur selten wird eine Lungenentzündung nicht durch Krankheitserreger ausgelöst. Dann spielen eingeatmete Reizstoffe oder Fremdkörper eine Rolle.

So ansteckend ist Lungenentzündung

Pneumokokken-Erkrankungen sind extrem ansteckend. Die Bakterien werden per Tröpfcheninfektion übertragen, also beim Niesen, Husten, Sprechen und Lachen. Die Erreger gelangen dabei in die Luft und werden von anderen Menschen eingeatmet.

Übrigens tragen viele Menschen diesen Keim, erkranken jedoch nicht daran. Ihr Immunsystem hält ihn in Schach. Ein hoher Prozentsatz von Kindern und Klinikpersonal soll beispielsweise Pneumokokken-Träger sein. Erst, wenn die Abwehrkraft schwach ist, vermehren sich die Pneumokokken und können zu Entzündungen führen.

Die Bakterien besiedeln zuerst die Schleimhaut in Nase und Rachen. Bereits wenige Tage nach der Ansteckung kann die Lungenentzündung ausbrechen. Behandelt mit Antibiotika dauert eine Pneumonie je nach Gesundheitszustand des Patienten, Alter und zusätzlichen Erkrankungen drei bis sechs Wochen. Schlagen die Antibiotika an, sind Betroffene etwa vier Tage nach Beginn der Antibiotikatherapie nicht mehr ansteckend.

Doch auch wer eine Lungenentzündung überstanden hat, ist meist nicht immun dagegen. Denn es gibt bis zu 90 verschiedene Pneumokokken-Typen, von denen mindestens elf besonders gefährlich für die Lunge sind.

Lungenentzündung erkennen – wie die Diagnose abläuft

Der Arzt sollte bei folgenden Warnsignalen hinzugezogen werden:

• Fieber über 38 Grad
• Rasselgeräusche beim Atmen
• Atemnot
• heftiger Husten mit buntem Auswurf
• Husten, der länger als eine Woche anhält

Die Anamnese gibt bereits Hinweise, ob eine Lungenentzündung vorliegt. Mittels Abhorchen und Abklopfen erkennt der Arzt, ob die Lunge frei ist oder ob Schleim die Atemwege verstopft und das Lungengewebe verdichtet ist. Oft reichen diese Befunde schon aus, um zur Diagnose Lungenentzündung zu gelangen. Zusätzlich wird der Blutsauerstoff gemessen. Die Sauerstoffsättigung im Blut zeigt an, ob die Funktion der Lunge eingeschränkt ist.

Gemäß der Sauerstoffsättigung im Blut wird die Lungenentzündung in verschiedene Stadien eingeteilt:

• leichte Pneumonie
• mittelschwere und
• schwere Pneumonie

Welche Erreger vorliegen, wird mit folgenden Tests untersucht:

• Urintest (Pneumokokken-Schnelltest)
• Sputum-Test (Untersuchung des Auswurfs)
• Bluttest

Nur in wenigen Fällen kommt zusätzlich Röntgen oder eine Computertomographie (CT) zum Einsatz, um mögliche Schädigung und deren Ausmaß in der Lunge zu erkennen.

Das Ergebnis des Urintests liegt ein bis zwei Stunden später vor, bei den anderen Untersuchungen dauert es Tage, bis der Erregernachweis vorliegt.

Behandlung von Lungenentzündung mit Antibiotika


Foto © iStock

Oft verordnet der Arzt dann ein Antibiotikum, das gegen die gängigsten Erreger der Lungenentzündung wirkt, die Pneumokokken. Die Behandlung wird hochdosiert begonnen. Mittel der Wahl sind Penicillinpräparate wie Aminopenicillin. Wer allergisch auf Penicillin reagiert, erhält stattdessen

• ein Fluorochinolon wie Moxifloxacin oder Levofloxacin,
• ein Makrolid wie Azithromycin oder Clarithromycin oder
• ein Tetracyclin wie Doxycyclin.

Bei schwererem Verlauf oder Zusatzerkrankungen wie COPD werden manchmal zwei Antibiotika miteinander kombiniert. Bei starker Lungenentzündung erfolgt die Behandlung meist im Krankenhaus und die Medikamente werden über eine Infusion gegeben.

Ist die Lungenentzündung durch Viren entstanden, etwa den Erreger der Grippe (Influenza), und verläuft sie schwer, stehen antivirale Mittel wie Oseltamivir zur Verfügung.

Selbstverständlich sollte auch bei leichter Lungenentzündung Bettruhe eingehalten werden. Bei erschwertem Abhusten helfen schleimlösende Medikamente. Zusätzlich heißt es: viel trinken und auf vitaminreiche Ernährung achten!

Impfung gegen Lungenentzündung

Rund 5.000 Menschen sterben allein in Deutschland jährlich an einer Infektion der Lunge mit Pneumokokken. Deshalb empfiehlt die Stiko (Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut) Senioren und Kindern ab zwei Jahren eine Impfung gegen Pneumokokken. Der Impfstoff schützt vor den wichtigsten Pneumokokkentypen, die für etwa 90 Prozent der Erkrankungen verantwortlich sind.

Bei Kindern ist die Impfung im Rahmen der Kombinationsimpfung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hepatitis B und Haemophilus influenzae Typ b (Hib) möglich. Senioren können bei der Grippeimpfung zusätzlich die Pneumokokkenimpfung erhalten.

Auch Menschen, die nicht zu diesen Altersgruppen zählen, aber gesundheitlich gefährdet sind, Lungenentzündung zu bekommen, wird die Pneumokokkenimpfung empfohlen. Dazu gehören Patienten mit

• Immunschwäche
• Diabetes
• Asthma
• COPD
• Nierenerkrankungen
• Herzerkrankungen

Allerdings sind nur 31 Prozent der Senioren in der Altersgruppe zwischen 65 bis 79 Jahren gegen Pneumokokken geimpft, wie die Deutsche Erwachsenengesundheitsstudie DEGS des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigt.

Lungenentzündung im Fokus der Forschung

In Deutschland ist eine Penicillin-Resistenz gegenüber Pneumokokken noch selten, weltweit sieht das jedoch anders aus. Deshalb – und weil Lungenentzündung so häufig auftritt und mitunter schwer verläuft – wird nach Alternativen zu Antibiotika sowie neuen Impfstoffen gesucht.

Mehrere Forschungsverbände beschäftigen sich mit diesen Themen, etwa das Kompetenznetz „Ambulant erworbene Pneumonie“ (CAPNETZ), das vom Bundesforschungsministerium gegründet wurde.

Ein Therapieansatz, der Antibiotika in Zukunft ablösen könnte, sind bestimmte Enzyme. Sie können Pneumokokken gezielt auflösen, wie Forscher der Charité herausgefunden haben. Dabei handelt es sich um das Enzym Cpl-1: Es wird von für den Menschen ungefährlichen Viren gebildet, die in Bakterien eindringen, sich in diesen vermehren und die Erreger zerstören.

Autor: MONIKA PREUK