HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Lavendel: Als Tee sorgt das Heilkraut für entspannte Stunden.

Eine Tasse Tee aus Lavendelblüten sorgt für entspannte Stunden und Einschlafhilfe. - Foto © picture alliance / Bildagentur-o

Wohlfühlduft und Heilmittel

Lavendel

Der würzige Duft durchzieht die ganze Provence. Genau jetzt, denn im Juli ist Erntezeit für das lila Wunder. Nirgendwo sonst wird der Lavendel in so großem Stil angebaut wie im Rhonedelta im Süden Frankreichs. Wiegen sich seine üppigen Büsche sanft im Wind, ist das nicht nur ein Fest für die Augen. Dem Lippenblütler haftet auch das Odeur des beliebtesten Heil- und Schönheitskrautes an. Und das seit Tausenden von Jahren.

Video über die Heilkraft des Lavendels


Geschichte des Lavendels

Schon der Naturhistoriker Plinius (23 bis 79 n. Chr.) erwähnte, dass vornehme Römer Lavendel benutzten, um daraus duftende Badeessenzen zu gewinnen. Davon leitet sich wohl auch der Name ab: "lavare" ist das lateinische Wort für "waschen, baden". Aufzeichnungen über die Pflanze finden sich später auch bei Hildegard von Bingen (1098 – 1179). Die mittelalterliche Kräuterkundlerin bezeichnete Lavendel wegen seines heilenden Effekts als Muttergotteskraut und empfahl ihn etwa gegen Läuse. Auch als Mottenschreck hat er sich mehr und mehr durchsetzen können. Als die Pest in Europa wütete, sollte der reinigende Blütenduft gar den Schwarzen Tod fernhalten. Was wohl teilweise auch funktionierte: Immerhin vertrieb das ausgestreute Kraut Ratten und Flöhe, die neben anderen als Krankheitsüberträger galten. Als probates Mittel gegen häufige Migräneanfälle entdeckte Königin Elizabeth I. von England (1533 – 1603) Lavendeltee für sich, die Verwundeten im Ersten Weltkrieg wiederum nutzten die antiseptische Wirkung des ätherischen Öls. Nicht zuletzt dank dieser vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten wurde der lila Alleskönner im Jahr 2008 sogar zur Heilpflanze des Jahres gewählt.

Wohlfühlelixier Lavendel

Für die einen ruft der Duft Erinnerungen an Großmutters Kleiderschrank wach, für die anderen ist er eher eine zuverlässige Entspannungshilfe. Denn Lavendel wirkt beruhigend und schlaffördernd, weil er die Reizverarbeitung des Nervensystems wieder ins Gleichgewicht bringt. Auf das Kopfkissen geträufelt können schon ein paar Tropfen Lavendelöl das Ein- und Durchschlafen nachhaltig erleichtern. Wegen seiner stark desinfizierenden Wirkung ist das Mittelmeer-Kraut auch ein überaus wichtiger Bestandteil von Seifen, Bädern oder Tinkturen gegen Hautunreinheiten. Und die Herrenkosmetik nutzt den herb-holzigen Duft als Zusatz für Rasierwasser oder Aftershave-Balsam. Selbst kulinarisch weiß Lavendel zu begeistern. Akzente setzt er seit jeher in der französischen und mittlerweile auch deutschen Küche. Weil sehr geschmacksintensiv, genügen schon wenige Blüten, um südlichen Gerichten mit Tomate oder Feta, Fleisch oder Fisch eine besondere Note zu verleihen – sogar Eiscreme und Fruchtsalat.

Heilmittel Lavendel

Inzwischen haben Wissenschaftler Lavendel auch als natürliche Alternative zu klassischen Beruhigungsmitteln und Antidepressiva erforscht. Danach sorgen die Wirkstoffe der Lavendelart Lavandula angustifolia dafür, dass die bei Angst- und Unruhezuständen übererregten Systeme der Reizweiterleitung und Informationsverarbeitung wieder ins Gleichgewicht kommen. In einer aktuellen klinischen Studie mit 280 Patienten erwies sich dabei der Wirkstoff Silexan (zum Beispiel "Lasea", Apotheke) als ebenso angstlösend wie ein niedrig dosiertes und häufig verschriebenes synthetisches Arzneimittel. Unruhe und Sorgenkarussell, unter denen Angstpatienten häufig leiden, verschwanden bereits binnen einer Woche.

Ein weiterer Pluspunkt: Anders als chemische Mittel macht der Lavendelwirkstoff weder abhängig noch tagsüber müde. Eine neue Studie zeigt jetzt, dass die Pflanze auch eine Waffe gegen hartnäckige Pilzerkrankungen sein kann. Portugiesische Forscher entdeckten, dass das aus Grünem Lavendel (Lavandula viridis) gewonnene ätherische Öl die Zellwände von Hefe- und Schimmelpilzen zerstören kann – und das schon bei niedriger Dosierung. Generell sind Hefepilze bei gesunden Menschen harmlos. Ist das Immunsystem jedoch geschwächt, kann es zu lebensgefährlichen Komplikationen kommen. Weitere Studien stehen noch aus, bis der Pilzkiller wirklich einsatzbereit ist. Die Beispiele zeigen aber, dass Lavendel weit mehr ist als nur eine Duftpflanze. Damit erleben wir jeden Tag unser lila Wunder – in der Küche, als Parfum, als Badezusatz und als Heilmittel.

Autor: Anne-Kathrin Hasse