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Die Jungformel: Wer gesund lebt, altert langsamer – äußerlich wie innerlich.

Humor: Lachen ist ein Lebenselixier. Vor allem, wenn man es gemeinsam tut. - Foto © picture-alliance / Denkou Images

Neueste Erkenntnisse

Jung bleiben

Alt werden, aber nicht alt sein. Aktuelle Forschungen beweisen: Eine gesunde Lebensführung kann den Körper verjüngen.

Plattwurm müsste man sein – dann bliebe man ewig jung. Tatsächlich sind die schneckenförmigen Winzlinge quasi unsterblich. Nicht allein weil ihre Körperzellen nicht altern. Die Tiere können sich zudem komplett regenerieren. Schneidet man einen Plattwurm in zwei Teile, wächst aus jedem ein neues Exemplar – schneidet man ihn in 200 Teile, entstehen 200 Würmer.

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Die älteste Turnerin der Welt: Die 86-jährige Johanna Quaas (rechts) aus Halle. - Foto © picture alliance / dpa

Eine erstaunliche Regenerationsfähigkeit, die die Wunderwürmer in den letzten Jahren zum begehrten Forschungsobjekt avancieren ließ. Wissenschaftler erhoffen sich wichtige Erkenntnisse, die dem Menschen zu einem längeren Leben verhelfen könnten – vor allem aber dazu, länger gesund zu bleiben.

Hohes Alter hat seinen Preis

Die Menschen in den westlichen Industrienationen werden schon heute immer älter. Als Faustregel gilt, dass die durchschnittliche Lebenserwartung jedes Jahr um drei Monate zunimmt. Setzt sich der Trend hierzulande fort, wird ein im Jahr 2060 geborenes Mädchen bereits 91,2 Jahre alt, ein Junge 87,7 Jahre.

Die Deutschen werden immer älter: Seit 1900 hat sich die Lebenserwartung fast verdoppelt. Die Zahlen für 2060 gehen davon aus, dass sich der Trend so fortsetzt wie ab 1970.


Der Experte Prof. K. Lenhard Rudolph im HÖRZU-Interview

Prof. K. Lenhard Rudolph ist Stammzellforscher und leitet das Leibniz-Institut für Altersforschung in Jena.

HÖRZU: Warum altert der Mensch?
Prof. Rudolph: Das hängt vermutlich mit der Fortpflanzung zusammen. Fast alle Organismen, die sich vermehren, altern auch.
HÖRZU: Das Altern ist also der Preis für unsere Fortpflanzungsfähigkeit?
Prof. Rudolph: Im Prinzip ja. Die Evolution hat das Ziel, dass eine Art sich vermehrt, und hat unsere Gene dafür selektioniert. Nach der Reproduktion und der Aufzucht des Nachwuchses ist unsere Aufgabe eigentlich erfüllt. Evolutionsbiologisch gesehen ist es insofern ein Unfall, dass wir danach noch älter und immer älter werden.
HÖRZU: Von der Natur ist dieser Prozess also gar nicht vorgesehen?
Prof. Rudolph: Vermutlich nicht. Unser genetisches Entwicklungsprogramm läuft mit den Jahren zunehmend aus dem Ruder. Die gleichen Gene, die für unsere Fortpflanzungsfähigkeit sorgen, werden dann schädlich. Dass der Mensch überhaupt alt wird, ist ja erst seit etwa 200 Jahren der Fall und verdankt sich nur den verbesserten Lebensbedingungen.
HÖRZU: Wie stark bestimmen äußere Faktoren den Alterungsprozess?
Prof. Rudolph: Auf welche Weise wir alt werden, können wir in großem Maße durch unser Verhalten in puncto Ernährung, Bewegung, Umwelt- und Genussgifte sowie Stress beeinflussen. Eine gute Lebensführung hat immer positive Effekte auf die Gesundheitsspanne.
HÖRZU: Auch auf die Lebenserwartung?
Prof. Rudolph: Grundsätzlich ja. Allerdings setzt die eigene genetische Verlagung einen gewissen Rahmen für das Alter. Ein gesundes Leben hilft, diesen individuellen Rahmen auszuschöpfen.
HÖRZU: Worauf sollte man besonders achten?
Prof. Rudolph: Die größten Sünden sind sicherlich Fettleibigkeit, Rauchen und Bewegungsmangel. Damit verkürzt man seine Lebenserwartung und riskiert eine Vielzahl von Krankheiten, die die Lebensqualität im Alter stark einschränken.
HÖRZU: Aber, kann ich denn noch Wesentliches bewirken, wenn ich mit 65 anfange zu joggen oder aufhöre zu rauchen?
Prof. Rudolph: Im Alter kann der Körper schädliche Einflüsse am wenigsten verkraften, weil er bereits vorgeschädigt ist und weniger Regenerationsmöglichkeiten hat. Insofern lohnt sich eine gute Lebensführung im Alter ganz besonders!


Doch das längere Leben hat auch seinen Preis. Denn mit dem Anstieg der Lebenserwartung geht ein Anstieg von Krankheiten wie Krebs, Alzheimer oder Arteriosklerose einher. "Der Alterungsprozess begünstigt grundsätzlich die Entstehung von Krankheiten", erklärt Prof. Karl Lenhard Rudolph, Leiter des Leibniz-Instituts für Altersforschung – Fritz-Lipmann-Institut e. V. in Jena. Warum ist das so? Was genau passiert eigentlich beim Altern? Wie und in welchem Maß kann man diesen Prozess beeinflussen?

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Der Lebensstil ist sehr wichtig, um sich bis ins hohe Alter jung und fit zu fühlen. - Foto © picture-alliance/ ZB

"Das Altern hängt vermutlich mit einem Nachlassen der Zellteilungsfähigkeit zusammen", sagt der Molekularmediziner ziner. Denn in unserem Körper herrscht ständiger Umbau und Austausch. Haut, Blut, Knochen, Muskelgewebe, Organe – alles erneuert sich in unterschiedlicher Geschwindigkeit. Dabei sorgen sogenannte Telomere, die wie kleine Schutzkappen auf den Enden der Chromosomen sitzen, dafür, dass bei der Zellteilung keine Erbinformation verloren geht. Die Telomere selbst verkürzen sich jedoch bei jeder Teilung – was irgendwann zu Fehlfunktionen und schließlich zum Tod der Zelle führt.

Abgestorbene Herzmuskelzellen können nicht repariert oder ersetzt werden

Anders als beim Plattwurm nimmt unsere Regenerationsfähigkeit also mit den Jahren ab. Die Länge der Telomere gilt heute als Indikator für die Lebensspanne einer Zelle – und damit für das biologische Alter des Menschen. Etwas anders verläuft der Alterungsprozess im Herzen und Gehirn, wo sich die Zellen kaum oder gar nicht erneuern. Abgestorbene Herzmuskelzellen etwa können nicht repariert oder ersetzt werden – weshalb ein Herzinfarkt so gefährlich ist. "In diesen nicht regenerationsfähigen Geweben altern Zellen einfach und entwickeln mit der Zeit Fehlfunktionen auf der molekularen Ebene", so Prof. Rudolph. Folge: Die Organe arbeiten nicht mehr optimal.

Viele der Alterungsprozesse im menschlichen Körper greifen ineinander und beeinflussen sich gegenseitig. Lässt beispielsweise das Immunsystem nach, verliert es zunehmend die Fähigkeit, gealterte Zellen zu erkennen und zu entfernen – und begünstigt auf diese Weise weitere Fehlfunktionen. Die DNA wird geschädigt, Mutationen häufen sich, das Krebsrisiko steigt.

Wichtig: Gene und Lebensstil

Für den Einzelnen ist der Alterungsprozess vor allem auf zwei Ebenen spürbar: Zum einen lässt die Funktionsfähigkeit des Körpers nach. Ob Organe, Gewebe oder Gelenke – jeder Mensch registriert zu seinem Leidwesen, dass der Körper mit den Jahren nicht mehr optimal funktioniert. "Unsere maximale Leistungsfähigkeit erreichen wir zwischen 20 und 30 Jahren, danach führt die Kurve nach unten", erklärt der Experte.

Zum zweiten werden wir alle im Alter zunehmend von Krankheiten heimgesucht. Allein das Krebsrisiko steigt laut Prof. Rudolph etwa ab dem 40. Lebensjahr exponentiell an. Aber auch Alzheimer, Parkinson, Osteoporose sowie Herzleiden zählen zu den typischen Alterserkrankungen. Doch warum erreicht der eine bei bester Gesundheit ein geradezu biblisches Alter, während den anderen schon frühzeitig eine Krankheit dahinrafft? Ist die persönliche Lebenserwartung genetisch festgelegt? Und welche Rolle spielt der Lebensstil?

Dass ihm eine große Bedeutung zukommt, ist unbestritten. Schließlich sind es vor allem äußere Faktoren, die den Menschen seit 150 Jahren immer älter werden lassen: medizinischer Fortschritt, verbesserte Hygiene, bewusstere Ernährung sowie günstigere Wohn- und Arbeitsbedingungen. Klar ist inzwischen aber auch, dass ein Zuviel des Guten den Trend ins Gegenteil verkehren kann. Dies zeigt das Beispiel USA, wo in den Bevölkerungsgruppen mit niedriger Bildung und niedrigem Einkommen die Lebenserwartung deutlich sinkt.

Als Ursache vermuten Experten die in diesen Schichten verbreitete Fettleibigkeit. "Der Alterungsprozess wird zu etwa einem Drittel durch genetische und zu zwei Dritteln durch äußere Faktoren bestimmt", sagt Altersforscher Rudolph (siehe auch Interview weiter oben). Eine gute Lebensführung zahlt sich also aus, sie führt zu mehr und vor allem zu gesünderen Lebensjahren. Der positive Effekt auf unseren Körper ist inzwischen sogar auf der Molekularebene messbar – nämlich an eben jenen Telomeren, die einen Hinweis auf unser biologisches Alter liefern.

Das zeigt eine aktuelle Studie, bei der eine Gruppe von Männern fünf Jahre lang vorwiegend Obst, Gemüse und Vollwertkost aß, sich täglich bewegte sowie Yoga und Stressbewältigung betrieb. Die Männer in der Kontrollgruppe dagegen veränderten ihren Lebensstil nicht. Das Ergebnis: Während sich die Telomere bei diesen Probanden nach den fünf Jahren erwartungsgemäß leicht verkürzt hatten, waren sie bei den gesund lebenden Männern sogar um durchschnittlich zehn Prozent gewachsen – die Zellen hatten sich also verjüngt! Der bewusstere Lebensstil hatte bei den Betroffenen offenbar wie ein Jungbrunnen gewirkt. Damit hatte keiner gerechnet.

Wer jünger aussieht, lebt länger

Könnten wir also mit einem optimalen Lebenswandel dem Alter ein Schnippchen schlagen und wie der Plattwurm ewig leben? Zumindest theoretisch? Der Experte winkt ab: "Genetisch-biologisch ist die Lebensspanne des Menschen begrenzt. Nach unserem derzeitigen Wissensstand beträgt sie etwa 120 Jahre." Der limitierende Faktor liegt nicht zuletzt in der begrenzten Lebensdauer von Herz und Gehirn, wo sich die Körperzellen eben nicht neu bilden können, sondern mitaltern. "Es wird kaum gelingen, alle Ursachen der Alterung gleichzeitig zu beheben", prophezeit Prof. Rudolph.

"Hauptziel der Altersforschung ist aber nicht die Verlängerung des Lebens, sondern die Verlängerung der sogenannten Gesundheitsspanne – jener Zeit, die man weitgehend beschwerdefrei und selbstbestimmt verbringt." Und da hat sich bereits viel getan. Senioren von heute sind deutlich aktiver und fitter als jene vorangegangener Generationen: Viele von ihnen wirken zehn oder sogar 15 Jahre jünger. Und heißt es nicht immer: Man ist nicht nur so alt, wie man sich fühlt, sondern auch so alt, wie man wirkt?

Tatsächlich hat sich das Aussehen als guter Biomarker für das körperliche Alter erwiesen: Ein dänischer Forscher konnte anhand von älteren Zwillingspaaren zeigen, dass Menschen, die jünger aussehen, als sie sind, auch länger leben. Wer dagegen älter aussieht, als er ist, trägt ein höheres Risiko, früher zu sterben. Da Zwillinge fast identische genetische Voraussetzungen haben, macht seine Studie zudem deutlich, wie stark der Lebensstil den Alterungsprozess beeinflusst. Rauchen, schlechte Ernährung und negativer Stress hinterlassen sichtbare Spuren – äußerlich wie innerlich. Sollte ihr tendenziell gesünderer Lebenswandel also der Grund sein, warum Frauen im Durchschnitt fünf Jahre älter werden als Männer?

Dafür spräche, dass sich dieser Abstand in den letzten Jahren deutlich verringert hat – was vermutlich auf die gestiegene Zahl von Raucherinnen und berufstätigen Frauen zurückzuführen ist. "Selbst wenn sich die Lebenserwartung von Männern und Frauen weiter annähert, es wird wohl immer ein biologischer Unterschied bestehen bleiben", vermutet Altersforscher Rudolph. Die Gründe dafür kennt die Wissenschaft noch nicht. Manche Rätsel des Alterns bleiben eben mysteriös. So wie das Phänomen des Plattwurms und seines ewigen Lebens.

Autor: Judith Heisig