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Alt und Jung leiden an Hörschäden

Um die Ohren zu schonen, gönnen Sie ihnen Pausen; Bild: © dpa

Probleme mit dem Gehör?

Hörtests und moderne Hörgeräte

Ein kleines Wunderwerk aus winzigsten Bauteilen ist unser Tor zur Welt: das Gehör. Nur durch seine Leistung können wir auf der Straße ein herannahendes Auto wahrnehmen oder in der Küche hören, wenn das Teewasser brodelt. Vor allem aber ermöglicht es uns, mit anderen Menschen zu kommunizieren.

Dank des Gehörs verstehen wir nicht nur, was andere zu uns sagen, wir können an ihrem Tonfall auch erkennen, wie sie es meinen. War da ein ernster Unterton? Oder etwa Ironie in der Stimme? Das kann alles Gesagte dramatisch verändern. Schon Kant wusste: "Nicht sehen trennt den Menschen von den Dingen. Nicht hören trennt den Menschen vom Menschen." Wenn diese Verbindung zur Welt abreißt, hat das weitreichende Folgen: Kinder lernen nicht sprechen, Erwachsene ziehen sich immer mehr aus der Gesellschaft zurück.

Leider sind Probleme mit dem Gehör weitverbreitet. Und leider werden sie insbesondere von Älteren anfangs negiert, verdrängt, als unwichtig abgetan. Ein Fehler! "Je nach Studie leiden zwischen 15 und 19 Prozent der Europäer unter einem Hörschaden – zumeist im schneckenförmigen Innenohr", sagt Birger Kollmeier, Professor für Medizinische Physik an der Universität Oldenburg und einer der führenden internationalen Hörforscher.

Der Großteil der Patienten gehört zwar zur Alter klasse 50 plus, doch auch bei Kindern treten immer wieder Probleme auf. "So zeigen bis zu drei von 1000 Neugeborenen eine gravierende Hörschädigung. Allein in Deutschland gibt es weit über 500.000 Kinder mit behandlungsbedürftigen Hörminderungen", erklärt Kollmeier. Bei vielen ist eine angeborene Schwerhörigkeit schuld. Oder eine Erkrankung des Mittelohrs, etwa nach häufigen Mittelohrentzündungen. Bei älteren Menschen ist bei Schwerhörigkeit dagegen vorwiegend das Innenohr betroffen. Außerdem macht ihnen besonders der Lärm zu schaffen, dem sie über Jahre ausgesetzt waren.

Maschinengeräusche, Verkehrs- und Fluglärm, Discomusik, Kopfhörer, iPod – für all diese Erscheinungen der modernen Welt sind unsere Ohren, evolutionär gesehen, nicht gemacht. Doch wann wird es für sie gefährlich? Als Richtwert für den Arbeitsschutz haben EU-Richtlinien Folgendes festgelegt: Mehr als 85 Dezibel (dB) über acht Stunden täglich dürfen es nicht sein. Die Einheit Dezibel gibt an, wie laut oder leise ein Ton oder Geräusch ist. Zum Vergleich: Lautes Schreien erreicht etwa 85 dB.

Die ersten Warnsignale für einen Hörschaden sind Ohrgeräusche wie Pfeifen, Sausen oder auch Klingeln. In den meisten Fällen kann sich das Ohr zu großen Teilen wieder regenerieren, und die Geräusche verschwinden nach spätestens zwei Tagen. Leichte Defekte bleiben trotzdem zurück. Ist das Gehör weiterhin starkem Lärm ausgesetzt, wird es dauerhaft geschädigt. "Und das wird von den Betroffenen häufig über Jahre nicht bemerkt", sagt Dr. Corinna Pelz vom Kompetenzzentrum Hörtech in Oldenburg.

Um das zu verstehen, muss man wissen, wie das Gehör funktioniert. Töne sind im Grunde nichts anderes als Schallwellen. Diese treffen zuerst auf die Ohrmuschel, die sie mit ihrer Trichterform zum Gehörgang leitet. An dessen Ende ist das Trommelfell aufgespannt, eine 0,1 Millimeter dünne Membran. Das kleine Meisterwerk der Natur kann so viel Druck aushalten wie ein Fahrradschlauch und dennoch winzige Schwingungen registrieren. Treffen die Schallwellen auf die feine Haut, überträgt sie die Schwingungen mittels dreier kleiner Knochen im Ohr (Hammer, Amboss, Steigbügel) auf die Cochlea, die Hörschnecke. Deren innere Haarzellen leiten die Reizinformationen der Geräusche jeweils an etwa 20 Nervenzellen weiter. Sehr hohe Töne versetzen besonders die vorderen Haarzellen in Schwingung, daher ist dieser Frequenzbereich bei Hörschwächen extrem betroffen. Tiefere Töne lassen den oberen Teil der Gehörschnecke besonders stark vibrieren.

Die Fortsätze der angeschlossenen Nervenzellen bilden den Hörnerv, der sich bis ins Gehirn hinaufzieht. Dort werden die Signale aus beiden Ohren zusammengeführt und entschlüsselt. Erst durch diesen Prozess verstehen wir, was wir gehört haben. Je lauter das Geräusch ist, desto mehr Haarzellen werden in Schwingung versetzt. Doch irgendwann ist eine Grenze erreicht. Wird sie überschritten, leiden die Haarzellen: Sie knicken ab oder zerreißen sogar. Hörexperten vermuten, dass dadurch auch die Verarbeitung der Informationen im Gehirn gestört werden könnte. Mögliche Folgen: ein Tinnitus oder eine Lärmschwerhörigkeit.

Autor: Nicole Simon